Reverse-Charge-Verfahren im Steuerrecht leicht erklärt + Beispiel

Üblicherweise ist der liefernde Unternehmer der Steuerschuldner, der in seiner Rechnung die Umsatzsteuer mit aufführen muss um diese dann an das Finanzamt zu zahlen.

In § 13b UStG werden jedoch auch Ausnahmefälle bestimmt. In diesen Fällen muss der Belieferte die Umsatzsteuer an das Finanzamt überführen und eine Umsatzsteuervoranmeldung erbringen. Laut § 13b Abs. 5 UStG kann dies aber nicht eine Privatperson sein, da sie auch keine Umsatzsteuervoranmeldung macht. Dies gilt vor allem umsatzsteuerliche Unternehmer.

Durch das umkehren der Steuerschuldnerschaft kommt es zum Begriff Reverse-Charge-Verfahren.

Beispiel Reverse-Charge-Verfahren

Der Programmierer Jan Jensen ist ein selbstständiger Unternehmer mit Sitz in Italien. Im Juni wird er von einem deutschen Softwareunternehmen dazu beauftragt ein Softwareprojekt durchzuführen. Er nimmt den Auftrag an und erhält dafür ein Honorar von 10.000€.

Die Durchführung des Softwareprojekts ist eine sonstige Dienstleistung, die durch Jan Jensen aus Italien (Gemeinschaftsgebiet der EU) erfolgt (§ 13b Abs. 1 UStG). Das deutsche Softwareunternehmen muss die Leistung in ihre Umsatzsteuervoranmeldung für den Monat Juni aufnehmen. Woraus sich dann 1.900€ Umsatzsteuer ergeben, die an das Finanzamt übermittelt werden müssen. Da das Softwareunternehmen gleichzeitig die Vorsteuer ziehen kann, besteht keine Belastung für sie.

Auf Jan Jensens Rechnung muss dann ein Hinweis auf das Reverse-Charge-Verfahren stehen. Er hat den Vorteil, dass er vor dem deutschen Finanzamt nicht erklären muss. Das Finanzamt hat den Vorteil, dass der Zugriff auf das deutsche Unternehmen einfacher gestaltet ist als auf den italienischen Unternehmer.

Laut § 13b Abs. 2 UStG sind noch andere Sachverhalte, beispielsweise Lieferung von Gold, Bauleistungen oder die Lieferung von Mobilfunkgeräten, nach dem Reverse-Charge-Verfahren auszuführen.

 

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