Sansibar oder der letzte Grund – Inhaltsangabe / Zusammenfassung

1957 erschien Alfred Anderschs Roman „Sansibar oder der letzte Grund“, der sowohl 1962 von Rainer Wolffhardt als auch 1987 von Bernhard Wicki verfilmt wurde.

Der Roman spielt im Jahr 1937, als sich die Wege von fünf unterschiedlichen Personen zufällig in der kleinen Stadt Rerik an der Ostsee kreuzen. Der Kommunist Gregor, der sich von seiner Partei distanziert hat; die Jüdin Judith, die auf der Flucht vor den Nazis ist; der Pfarrer Helander, der Gott mittlerweile in Frage stellt und scheinbar vergeblich auf ein Zeichen von diesem hofft; der Fischer Knudsen, der als Parteimitglied in einer Stadt lebt, in der niemand mehr über Politik reden will und dessen Schiffsjunge, der eigentlich nur von Abenteuern in Sansibar träumt und davon, seinem Vorbild Huckleberry Finn nachzueifern.
Sie alle wollen Deutschland entfliehen, doch nur einigen gelingt die Flucht. Unter den Flüchtlingen befindet sich auch die Holzskulptur „Der lesende Klosterschüler“, die dabei aus dem Land geschmuggelt werden soll, um der Zerstörung durch die Nazis zu entgehen.

Ein Pfarrer, ein Fischer und ein Kommunist treffen sich zum Gespräch

Die Holzskulptur „Lesender Klosterschüler“ wurde von den Nazis als „entartete Kunst“ kategorisiert und ihr droht daher die Zerstörung. Um sie davor zu bewahren, bittet Pfarrer Helander den Fischer Knudsen darum, die Holzskulptur aus dem Land zu schleusen. Er soll sie nach Killinge in Schweden bringen, wo ein befreundeter Probst lebt, der die Holzskulptur übernehmen würde. Knudsen, der das letzte Mitglied der Kommunistischen Partei in Rerik ist, will damit nichts zu tun haben und weigert sich daher, dieser Bitte nachzugehen.

Zur gleichen Zeit kommen die Jüdin Judith und Gregor, der Mitglied des ZK der Kommunistischen Partei im Untergrund ist, unabhängig voneinander in das kleine Städtchen an der Ostsee. Während Judith auf der Flucht vor den Nazis ist, folgt Gregor einem Auftrag der kommunistischen Partei. Er soll dem Genossen Knudsen Anweisungen übermitteln. Daher trifft sich Gregor auch heimlich mit Knudsen in der Kirche, obwohl der Fischer anfangs, aus Sorge um seine geisteskranke Frau und Angst vor den Nazis, das Treffen absagen will. Bei ihrem Treffen müssen die beiden jedoch feststellen, dass ihre Partei in Rerik keine Zukunft mehr hat. Sowohl Knudsen, der seine Partei nicht mehr unterstützen will, als auch Gregor, der nicht länger an die Ziele der Partei glaubt und stattdessen seine eigene Flucht plant, haben sich von der Kommunistischen Partei distanziert und glauben nicht an ihren Fortbestand in der Kleinstadt.

So trifft Gregor schließlich auch auf Pfarrer Helander. Dieser hat Teile des Gesprächs mitbekommen und schließt sich diesem an, wobei sie erneut auf die Holzskulptur zu sprechen kommen. Da Gregor von der Skulptur „Lesender Klosterschüler“ fasziniert ist, will er Pfarrer Helander helfen. Daher versucht er selbst, Knudsen davon zu überzeugen, ihn, den Pfarrer und die Skulptur ins Ausland zu bringen. Doch auch nachdem Gregor mit ihm gesprochen hat, weigert sich Knudsen weiterhin und er geht. Anschließend einigen sich Gregor und der Pfarrer Helander, sich um Mitternacht erneut zu treffen, um die Skulptur zur Not eigenhändig zu retten.

Judith hingegen findet sich unterdessen am Hafen von Rerik wieder, wo sie die Ankunft eines schwedischen Dampfers beobachtet. Daraufhin macht sie sich Hoffnungen, sich der Mannschaft des Schiffes anschließen zu können, um auf diese Weise nach Schweden zu gelangen, um auf diese Weise den Nazis zu entkommen. In der Bar des Hotels, in dem die Schiffscrew einkehrt, macht Judith schließlich den Steuermann des Dampfers an und versucht, diesen auf ihre Seite zu ziehen. Mit seiner Hilfe erhofft sie sich, auf das Schiff zu kommen und aus Deutschland zu fliehen. Zunächst ist der Steuermann erfreut über die Gesellschaft der schönen Jüdin und nimmt sie mit zum Dampfer. Dort muss Judith jedoch feststellen, dass der Steuermann ihr nur leere Versprechungen gemacht hat und ihr keine Möglichkeit zur Flucht bieten kann, woraufhin sie enttäuscht verschwindet.

Auch interessant:  Ein Brief (Chandos-Brief) - Inhaltsangabe / Zusammenfassung

Der Kommunist, der einer Jüdin helfen will

In der Zwischenzeit haben Knudsen und Gregor ein weiteres Gespräch geführt, nach dem sich Knudsen doch noch dazu erklärt, die Skulptur des Klosterschülers zu transportieren und aus dem Land zu schmuggeln. Dabei ahnt er nicht, dass er noch einen weiteren Passagier mitnehmen soll. Denn Gregor trifft auf Judith, die er den ganzen Abend beobachtet hat. Er ist begeistert von der Idee, ihr bei ihrer Flucht aus Deutschland zu helfen und damit nicht nur die Holzskulptur vor den Nazis zu retten. Als die beiden in die Kirche gehen, wo sie sich näherkommen, stößt auch Pfarrer Helander dazu und unterbricht diesen intimen Moment. Aufgrund einer alten Kriegsverletzung, leidet Helander unter starken Schmerzen im Bein und weiß, dass er für eine gemeinsame Flucht mit Gregor und Knudsen zu schwach ist und sie nur behindern würde. Dafür will er sicherstellen, dass die Holzskulptur „Lesender Klosterschüler“ gerettet wird und erteilt letzte Anweisungen, bevor er Gregor und Judith die Skulptur übergibt und sie ziehen lässt.

Flucht nach Schweden

Wie abgemacht begeben sich Gregor und Judith zu dem Treffpunkt mit Knudsen, wo dessen Schiffsjunge auf sie wartet. Mit einem Beiboot rudern die drei anschließend, ungesehen von der Polizei, über die Bucht zu Knudsens Kutter. Der Fischer ist jedoch gar nicht erfreut darüber, dass Judith dabei ist. Er weigert sich, auch diese zu transportieren. Es kommt zur Schlägerei zwischen Gregor und Knudsen, die Gregor eindeutig gewinnt. Dennoch verbietet es ihm sein Stolz, Knudsens Angebot, auch ihn nach Schweden mitzunehmen, anzunehmen und so verabschiedet er sich, während die anderen drei mit der Skulptur des Klosterschülers auf den Weg nach Schweden machen.

Unterdessen leidet Pfarrer Helander unter seiner Kriegsverletzung und dem Wissen, dass er bald sterben wird. In seinen letzten Momenten denkt er über Gott und die Kirche nach und wie weit er sich von Gottes Lehren entfernt zu haben scheint. Er fasst den Entschluss, sich gegen die Nazis zu wehren. Diese haben mittlerweile an seine Tür geklopft, um ihn zu verhaften und die Holzskulptur des Klosterschülers mitzunehmen. Pfarrer Helander erschießt einen der Nazis und stirbt im Kampf gegen die Männer. Während er im Sterben liegt, ist er jedoch glücklich, da ihm endlich – nach jahrelangem Warten – ein Zeichen Gottes erscheint.

Das Ende einer Flucht

Letzten Endes sind Judith, Knudsen, der Schiffsjunge und die Skulptur des Klosterschülers in Schweden angekommen. Knudsen weist Judith noch den Weg zur nächsten Stadt, während der Junge eine Möglichkeit sieht, endlich seinem Vorbild Huckleberry Finn zu folgen und abhaut. Einige Stunden genießt er allein das neue Leben in Freiheit. Dann aber kehrt er wieder zu Knudsen zurück.

Am Ende ist nicht allen die Flucht gelungen und schon gar nicht nach Sansibar, doch immerhin nach Schweden. Und auch die Holzskulptur, die das Bindeglied zwischen diesen fünf Protagonisten darstellte und dafür sorgte, dass sich ihre Wege kreuzten, entkam dem herrschenden Nationalsozialismus.

  • War dieser Artikel hilfreich ?
  • ja   nein

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here