Sollversteuerung vs. Istversteuerung – Unterschiede leicht erklärt

In der Regel berechnet sich die Umsatzsteuer nach vereinbarten entgelten. Darunter versteht man nach § 16 Abs. 1 Satz 1 UStG die Sollversteuerung. Sie fällt für Lieferungen und Leistungen nach Ablauf eines Voranmeldezeitraums an (§ 13 Abs. 1a UStG)

Es gibt jedoch auch einen anderen Fall, in dem das Finanzamt laut § 20 Abs. 1 UStG dem Unternehmer die Möglichkeit gibt, die Umsatzsteuer nach vereinnahmten Entgelten zu berechnen. Dann spricht man von der sogenannten Istversteuerung. In diesem Fall wird die Steuer erst nach dem Voranmeldezeitraum fällig, in dem die Entgelte erwirtschaftet wurden (§ 13 Abs. 1 Nr. 1b).

Bedingungen des § 20 UStG

In diesem Paragraphen werden die drei Gelegenheiten geregelt, in denen die Istversteuerung beantragt wird:

…Der Gesamtumsatz des Unternehmens beträgt im vorangegangenen Kalenderjahr weniger oder genau 500.000€.

…Das Unternehmen ist von der Buchführungspflicht befreit (§ 148 AO)

Freiberufler ohne Buchführung, wie Wirtschaftsprüfer, die nur Einnahmeüberschussrechnungen ausstellen.

Beispiel Soll- und Istversteuerung

Entstehung der Umsatzsteuer

Im April werden von einem Unternehmer Waren mit einem Nettowert von 1.000€ an seinen Kunden geliefert. Der Unternehmer stellt seine Rechnung von 1.000€, auf die 190€ Umsatzsteuer kommen. Sein Kunde begleicht die Rechnung, erst einen Monat später, im Mai.

Die Umsatzsteuer von 190€, ist bei der Sollversteuerung im Monat April mittels der Umsatzsteuervoranmeldung dem Finanzamt mitzuteilen und dementsprechend auch dann zu begleichen.

Dagegen wird die Umsatzsteuer von 190€, mit der Istversteuerung erst im gezahlten Monat Mai dem Finanzamt mitzuteilen und zu leisten. Daraus ergibt sich für den Unternehmer ein Liquiditätsvorteil.

Anzahlungen Umsatzsteuer

Laut § 13 Abs. 1 Nr. 1a Satz 4 UStG ist die Umsatzsteuer auf bereits erhaltene Anzahlungen, fällig mit dem Ablauf des Voranmeldezeitraums, in dem das (Teil-)Entgelt geleistet wurde. Dabei ist irrelevant ob die Leistung bereits erfolgte oder noch erfolgen wird.

Auch interessant:  Betriebsvermögensvergleich im Steuerrecht leicht erklärt + Beispiel

Beispiel Anzahlung

Ein Dachdeckermeister hat einen Auftrag, ein neues Dach zu legen. Im Mai wurde bereits eine Anzahlung (1.000€) durch den Auftraggeber geleistet, das Dach wird im Juni gelegt. Der Dachdeckermeister ist dazu verpflichtet die Anzahlung (1.000€) in der Umsatzsteuervoranmeldung für den Monat Mai anzugeben und dementsprechend auch die Umsatzsteuer abführen, obwohl er das Dach noch nicht gelegt hat.

  • War dieser Artikel hilfreich ?
  • ja   nein

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here