Sturm und Drang Epoche – Merkmale, Hintergründe & Literatur/Autoren

Der deutsche Dichter Friedrich Maximilian Klinger (1752-1831) gab mit seinem Schauspiel „Sturm und Drang“(1775) einer geistigen Bewegung seinen Namen, die sich Mitte des 18. Jahrhunderts in Deutschland vollzog. Von England und Frankreich ausgehend, erfasste die Strömung ganz Europa. Die Vertreter des Sturm und Drang wehrten sich gegen die starren Regeln der Aufklärung. Die formalen Grenzen der barocken Poetik, wie sie die Literatur der Aufklärung vorschrieb, sollten durchbrochen werden.

Die Dichter des Sturm und Drang wandten sich gegen eine Lebensführung, die nur von Zweckmäßigkeits – und Vernunftgründen geleitet war. Sie wollten eine Hinwendung zu Gefühl und Fantasie. Der Philosoph Johann Gottfried Herder (1717-1772) verhalf mit seinen „Fragmenten über die neuere deutsche Literatur“ von 1767 dem Sturm und Drang zum Durchbruch. Hier tadelte er die Überheblichkeit der bürgerlichen Aufklärung und verlangte die Annäherung zum einfachen Volk.

Bedeutende Autoren des Sturm und Drang

Der Sturm und Drang – von Jugend geprägt

Der Sturm und Drang ist eine Protestbewegung, die vor allem von jungen Dichtern zwischen 20 und 30 Jahren vorangetrieben wurde. Auch heute noch bezeichnet man dieses Alter als Sturm- und Drang-Periode. Daher ist es nicht überraschend, dass Liebe und Leidenschaft, Sinnlichkeit und Fantasie, Selbstbestimmung und Widerstand gegen autoritäre Formen, die großen Themen dieser Epoche sind. Sturm und Drang als Kampf der Söhne gegen die Väter.

In dieser Ära entsteht die Idee des Genies. Als Künstler und Genie ist man keinen ästhetischen oder politisch-moralischen Normen untergeordnet. Man vertraut nur auf sich und sein eigenes Seelenleben. Neben dem Verstand werden auch alle emotionalen Kräfte eingeschlossen. Stärke, Gefühl, Liebe und Individualität als Einheit von Geist, Seele und Körper. Der ganze Kerl ist das Ideal, der sensibel und mit ganzer Seele aber auch kraftvoll und ohne Angst, gegen die herrschende Klasse kämpft. Die Idole der jungen Dichter waren Homer und Shakespeare.

Drama im Sturm und Drang

Im Mittelpunkt des Sturm und Drang steht das Drama. Vor allem in dieser Gattung können die Dichter des Sturm und Drang ihre revolutionären Ideen verwirklichen. Sie lösen die klassischen drei Einheiten – Ort, Zeit und Handlung auf. Nach dem Vorbild Shakespeares entstehen nun Ortswechsel, ungeordnete Handlungsgefüge und freie Zeiteinteilung. Die meisten Dramen werden nun in Prosa geschrieben. Die Sprache ist gewöhnlich, ausdrucksstark und oft sogar gnadenlos direkt.

Vor allem Johann Wolfgang von Goethes „Götz von Berlichingen“ (1773) und Friedrich Schillers „Die Räuber“(1781) sind Meilensteine des Dramas im Sturm und Drang. Hier zeigt sich der ungeheure Umbruch in der Mitte des 18. Jahrhunderts in Deutschland deutlich.

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Die Helden, die im Mittelpunkt der Dramen stehen, beschreiben das Ideal des Genies, des Kraftmenschen, der trotz guten Willens am Ende an den auferlegten gesellschaftlichen Schranken zerbricht. Der Dichter Jakob Michael Reinhold Lenz (1751-1792) ist mit seinen Dramen „Der Hofmeister“ (1774) und „Die Soldaten“ (1776) ein bedeutender Autor des Sturm und Drang. Leider ist er selbst ein Beispiel dafür, wie schwer soziale und gesellschaftliche Konventionen in dieser Zeit zu überwinden waren. Er musste seinen Lebensunterhalt, wie viele andere Dichter, kümmerlich als Hauslehrer verdienen und wurde zeit seines Lebens nie für sein künstlerisches Werk geachtet.

Prosa im Sturm und Drang

Im Gegensatz zum Drama spielen Romane im Sturm und Drang keine bedeutende Rolle. Ausnahme dabei ist Goethes Briefroman „Die Leiden des jungen Werther“ (1774). Im Zentrum steht Werther, ein junger Mann, der von der schwärmerischen Liebe zu einer bereits vergebenen Frau besessen ist. Die Aussichtslosigkeit dieser Liebe und die Ablehnung seiner bürgerlichen Herkunft treibt ihn schließlich in den Selbstmord. Die Figur Werther wird für viele junge Männer zum Vorbild, der Roman wird zum Kult und Bestseller in ganz Europa.
In Werthers Fußstapfen treten Romane wie Lenz „Der Waldbruder“ (1776), Jakobis „Eduard Allwills Papiere“ (1792) und besonders „Ardinghello“ (1787) von Wilhelm Heinse.

Gerade theoretische Schriften haben im Sturm und Drang eine besondere Bedeutung. Die Grundlagen, Ideen und Philosophien dieser Epoche werden hier erarbeitet. Vor allem Herders „Von deutscher Art und Kunst“ (1773) beschreibt den Kerngedanken des Sturm und Drang sehr anschaulich und vermittelt dem Leser ein tiefer gehendes Verständnis für diese Zeit.

Lyrik im Sturm und Drang

Die Lyrik, von Herder als Urpoesie bezeichnet, ist Ausdruck des persönlichen Erlebens. Die enge Verbindung zwischen Mensch und Natur, zeigt sich in Liebesgedichten, Liedern und Volksliedern. Der Dichter kann mit seiner eigenen Sprache, unbelastet von literarischen Regeln authentische Gefühle beschreiben. Die Ballade mit ihrer Volksnähe und ihrer frischen, ungekünstelten Sprache ist eine beliebte Gedichtform im Sturm und Drang. Die Geschichten und Märchen der einfachen Menschen finden sich Geister- und naturmagischen Balladen wieder. Das berühmteste Beispiel dafür ist wohl „Der Erlkönig“ (1782) von Johann Wolfgang von Goethe.

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