Teileinkünfteverfahren im Steuerrecht leicht erklärt + Beispiel

Was versteht man unter einem Teileinkünfteverfahren?

Das so genannte Teileinkünfteverfahren wurde als Alternative zur Besteuerung von Kapitalerträgen gemäß § 20 Abs. 1 Nr. 1 (Dividenden) und Nr. 2 EStG (Liquidationserlöse) aus einer Beteiligung an einer Kapitalgesellschaft mittels Abgeltungssteuer geschaffen. Es wird zum einen angewendet, wenn die Beteiligung im Betriebsvermögen einer natürlichen Person oder einer Personengesellschaft gehalten wird. Zum anderen kann es aber unter gewissen Voraussetzungen (die Beteiligung ist entweder größer als 25 %, oder die Beteiligung ist größer als 1 % und der Steuerpflichtige ist gleichzeitig für die Kapitalgesellschaft tätig) auf Antrag des Steuerpflichtigen, statt der Abgeltungssteuer angewendet werden. Dies ist aber nur möglich, wenn die Beteiligung im privaten Vermögen gehalten wird.

Beim Teileinkünfteverfahren werden 60 % der Kapitalerträge mit dem persönlichen Einkommenssteuersatz (zuzüglich des Solidaritätszuschlages) versteuert. Die restlichen 40 % der Kapitalerträge bleiben steuerfrei. Die Beantragung eines solchen Verfahrens kann daher von Vorteil sein, da bei dem Teileinkünfteverfahren im Gegensatz zur Besteuerung mittels Abgeltungssteuer angefallene Werbungskosten, bis zu einem Anteil von 60 % noch zusätzlich abgezogen werden können.

Hier ein Beispiel für die Anwendung eines Teileinkünfteverfahrens:

Ein Unternehmer verfügt über 30 % der Anteile an einer GmbH in seinem privaten Vermögen. Finanziert hat er den Kaufpreis von 300.000 €, durch ein endfälliges Darlehen, welches er zu einem Zinssatz von 5 % per anno erhalten hat. Er erhält pro Jahr 30.000 € Dividende und hat einen persönlichen Steuersatz von 36 %.

Generell gilt für Dividenden aus im Privatvermögen gehaltenen Beteiligungen die Entrichtung einer Abgeltungssteuer von 25 %, zuzüglich des so genannten Solidaritätszuschlages. Da die Beteiligung des Unternehmers aber über der 25 % Barriere liegt, kann er beim Finanzamt ein Teileinkünfteverfahren beantragen.

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Mittels Teileinkünfteverfahren ergibt sich für den Unternehmer am Ende eine gesamte Steuerbelastung von 3.418,20 €. Diese errechnet sich indem man 60 % der Dividende (60 % von 30.000 € = 18.000 €) nimmt und von den 60 % der Dividende dann 60 % der Werbungskosten (60 % von 15.000 € Zinsen = 9.000 €) abzieht. Somit ergibt sich ein Betrag von 9.000 €. Dieser Betrag wird mit dem persönlichen Einkommenssteuersatz (zuzüglich des Solidaritätszuschlages) versteuert und 40 % der Dividende (12.000 €) bleiben steuerfrei. Die gesamte Steuerbelastung in Höhe von 3.418,20 € errechnet sich wie folgt: 9.000 € x 36 % = 3.240 € plus dem Solidaritätszuschlag in Höhe von 5,5 %, also 178,20 €.

Ohne das Teileinkünfteverfahren hätte die gesamte Steuerbelastung für den Unternehmer 7.912,50 € ausgemacht. Da die gesamten 30.000 € Dividende mit der Abgeltungssteuer in Höhe von 25 % und dem Solidaritätszuschlag von 5,5 % besteuert worden wären (30.000 € x 25 %) = 7.500 € + 412,50 (= 5,5 % Solidaritätszuschlag) = 7.912,50 €.

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