Teilgewerbe, Kleingewerbe & Gewerbe- was ist der Unterschied?

Teilgewerbe, Kleingewerbe & Gewerbe- was ist der Unterschied

In deutschsprachigen Raum existiert eine Vielzahl verschiedener Gewerbeformen. Unterschieden wird dabei nach Berufsgruppen, dem Umfang des Gewerbes sowie dem erzielten Umsatz. Relevant sind diese Einteilungen für die Anmeldung eines Gewerbes, die rechtliche Einordnung und Besteuerung eines Unternehmens.

Das Teilgewerbe

Diese Gewerbeform war bis zum Jahr 2017 in Österreich gängig. Dort unterschied man bis zur Streichung der Teilgewerbe zwischen

  • reglementierten Gewerben
  • freien Gewerben
  • Teilgewerben

Wer sich in einem reglementierten Gewerbe selbstständig machen möchte, muss besondere Eignungsprüfungen absolvieren, einen Meisterbrief oder einen höheren Schulabschluss vorlegen können.

Die freien Gewerbe umfassen einfachere Berufsstände und ermöglichen einen vereinfachten Zugang zur Selbstständigkeit. Es reichen die Anmeldung sowie die Einhaltung der landesüblichen Vorschriften für die Ausübung eines Gewerbes. Besondere Sachkundenachweise sind in den freien Gewerben in der Regel nicht vorzulegen.

Das Teilgewerbe stellte eine Zwischenlösung dar und ermöglichte absolvierten einer einfachen Berufsausbildung den sofortigen Einstieg in die Selbstständigkeit.

Die bisher in Österreich zum Teilgewerbe zählenden Berufe wurden zwischen den freien und reglementierten Berufen aufgeteilt. Von 21 Berufen des Teilgewerbes wurden 19 freie Gewerbe (unter anderem Änderungsschneiderei, Autoverglasung, Friedhofsgärtnerei, Erzeugung von Speiseeis und Schuhreparatur).

Zu den reglementierten Berufen zählen seit der Änderung Hufbeschlagschmied sowie Erdbau.

Das Kleingewerbe

Der Begriff des Kleingewerbes stammt aus dem deutschen Gewerberecht. Es bezeichnet Unternehmensformen, die

„nach Art oder Umfang einen in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb nicht erfordern“ (§ 1 Abs. 2 Handelsgesetzbuch)

Für den Betreiber eines Kleingewerbes bedeutet dies eine vereinfachte Buchführung und Besteuerung. Für der Kleingewerbetreibenden gelten weiter die rechtlichen Regelungen des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) und nicht die Bestimmungen des Handelsgesetzbuches (HGB).
Eine Eintragung ins Handelsregister erfolgt nicht.
Kleingewerbe sind von der Mehrwertsteuer befreit und können umgekehrt auch nicht vom normalerweise unter Gewerbetreibenden üblichen Vorsteuerabzug profitieren. Betreiber sind Einzelpersonen, die nur in Ausnahmefällen Aushilfskräfte auf Mini-Jobbasis beschäftigen.

Vom Finanzamt wird eine Unternehmung nur dann als Kleingewerbe anerkannt, wenn sie im vorausgegangenen Kalenderjahr nicht mehr als 17.500 Euro an Umsatz verzeichnet hat und im laufenden Kalenderjahr der Umsatz voraussichtlich 50.000 Euro nicht übersteigen wird.

Kleingewerbe werden gerne als „Nebengewerbe“ ergänzend zu einer anderen Berufstätigkeit ausgeübt.

Das Gewerbe

Unter Gewerbe bezeichnet man die Ausübung eines Berufs mit der Absicht einer Gewinnerzielung. Wer ein Gewerbe gründet, muss dieses bei den zuständigen Behörden anmelden. Bei einem Kleingewerbe reicht dafür die Beantragung eines Gewerbescheines.

Sobald eine Unternehmung dem Vollerwerb dient, entscheidet sich der Gründer meistens für ein richtiges Gewerbe. Vollgewerbe werden im Handelsregister eingetragen und unterliegen den Bestimmungen des Handelsgesetzbuches. Für ein solches Gewerbe muss eine passende Rechtsform, die Teil des Firmennamens ist, gewählt werden.

In Deutschland stehen dafür folgende Formen zur Auswahl

  • Einzelunternehmer
  • Offene Handelsgesellschaft OHG
  • Gesellschaft bürgerlichen Rechts GbR
  • Kommanditgesellschaft KG
  • Gesellschaft mit beschränkter Haftung GmbH
  • Aktiengesellschaft AG
  • Genossenschaft eG

Die Rechtsformen unterscheiden sich in der Art der Besteuerung, des notwendigen Grundkapitals und der Haftung durch den oder die Unternehmer.

Auch in Deutschland unterliegen bestimmte Gewerbe gesonderten Zulassungsbedingungen. Wer eine Gaststätte eröffnen und Alkohol ausschenken möchte, braucht dazu eine Gaststättenkonzession und entsprechende Befähigungs-Nachweise. Ganz ähnlich verhält es sich mit der gewerbsmäßigen Kinderbetreuung, Seniorenbetreuung, Tierpflege- und Handel, Arbeitnehmerüberlassungen oder Tätigkeiten im Bewachungsgewerbe.

Wer sich selbstständig machen möchte, informiert sich am besten bei der Industrie- und Handelskammer oder der Handwerkskammer über die für das jeweilige Gewerbe geltenden Bestimmungen.

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