Unfallbericht schreiben – Aufbau, Muster, Beispiel & Anleitung

Vor zwei Jahren – 2014 – wurden 2,4 Millionen Verkehrsunfälle von der Polizei allein in Deutschland registriert. Rund 2,1 Millionen der Unfälle führten nur zu Sachschäden. Hauptsächlich im Winter forderten geringe Fahrerfahrung und Überschätzung der eigenen Fähigkeiten viele Opfer, jeder 9. Unfall hatte Verletzte oder sogar Tote zufolge. Vor Gericht zählt nur die Aufklärung des Tatbestandes. Das beginnt schon damit, einen präzisen Unfallbericht zu verfassen, denn Versicherungen ist es erlaubt, bei ungenauen und unvollständigen Unfallberichten und mangelnder Bereitschaft zur Aufklärung die Leistung verweigern. Was müssen Sie also beachten ?

Die Statistik von vor zwei Jahren zeigt also, dass es täglich ungefähr 800 Unfälle, teils mit tödlichem Ausgang, auf den Straßen Deutschlands gibt. Vor allem Fahranfänger im Alter von 18-24 Jahren verunglücken häufig schwer, meist wegen überhöhter Geschwindigkeit.
Allein eine Geschwindigkeit von 50km/h reicht aus, um den PKW so stark zu beschädigen, dass ein Schutz des eigenen Lebens nicht mehr gewährleistet ist.

Umso wichtiger ist es also nach einem Unfall, den PKW – wenn so weit noch möglich – sicher am Fahrbahnrand zu parken und sich einen ersten Überblick über die Unfallsituation zu verschaffen.
Falls nur ein Blechschaden vorliegen sollte, melden Sie diesen der Polizei und geben Sie in diesem Zug Ihre Personalien an, in Gefahrensituationen sollten Sie Schutz hinter der Leitplanke suchen.

Sie sind verpflichtet, am Unfallort anzuhalten und Ihre Personalien durch die Polizei aufnehmen zu lassen – Angaben zur Tat dürfen Sie verweigern. Das Verlassen der Unfallstelle ist strafbar und kann mit Geld- und Freiheitsstrafen geahndet werden, bei schwerwiegenden Verstößen kann Ihnen sogar Ihre Fahrerlaubnis entzogen werden und die Versicherung ihre Leistung verweigern.

Was Sie tun müssen, wenn Sie an eine Unfallstelle kommen oder selbst beteiligt sind:

1. Ausreichend die Unfallstelle sichern
Nachts, bei viel Verkehr oder an unübersichtlichen Straßenabschnitten müssen Sie vor allem auf Ihre eigene Sicherheit achten. Eigenschutz geht immer vor Fremdschutz ! Falls nötig, fordern Sie Mitfahrer oder andere Verkehrsteilnehmer auf, die Unfallstelle abzusichern oder sich um die Verletzten zu kümmern.

2. Warnwesten anlegen
Seit Mitte 2014 sind Sie gesetzlich dazu verpflichtet, für jeden Insassen im Fahrzeug eine Warnweste mitzuführen. Sobald einer der Mitfahrer das Auto bei einem Unfall verlässt, müssen Sie diese anziehen.

3. Warndreieck/ Warnleuchte platzieren
In ausreichender Entfernung zum Unfallort müssen Sie das Warndreieck bzw. die Warnleuchte auf der Straße gut sichtbar aufstellen. Auf Landstraßen sind dies mindestens 100m, auf Autobahnen sogar 200m.
Nachts ist es wichtig, zudem die Warnbeleuchtung des eigenen Fahrzeugs anzuschalten, um frühzeitig von anderen Verkehrsteilnehmern gesehen zu werden.

4. Erste Hilfe
Erst wenn die Unfallstelle ausreichend und zum Schutz des fließenden Verkehrs gesichert ist, dürfen Sie sich um die Verletzen kümmern. Unterlassen Sie diese Hilfeleistung, machen Sie sich strafbar. Seien Sie sich im Klaren darüber, dass Ihr Handeln über Menschenleben entscheidet ! In schwerwiegenden Fällen verständigen Sie umgehend den Notarzt.

5. Notruf an die Polizei absetzen
Sie müssen jeden Unfall der Polizei melden. Geben Sie Ihren Namen an und beschreiben Sie die Situation, die Anzahl der Verletzten und Ihren ungefähren Standort. Die Notrufsäulen senden von selbst die Position an die Leitstelle.
Beenden Sie das Gespräch nie ohne Aufforderung, da es wichtige Rückfragen geben kann.

TIPP: Verbandskasten im Fahrzeug regelmäßig überprüfen

Prüfen Sie regelmäßig, ob der Verbandskasten Ihres Fahrzeuges vollständig vorhanden ist. Fehlende Teile können in einer Notsituation ernsthafte Schwierigkeiten bereiten.
Zudem sollten Sie sich das Verfallsdatum notieren und gegebenenfalls den Verbandskasten austauschen.

Unfallbericht verfassen: Lückenlos und exakt

Als Geschädigter liegt es in Ihrem Interesse, den Schaden von Ihrer Versicherung ersetzt zu bekommen – deshalb sollten Sie die Aufgabe des Unfallberichtes ernst nehmen und den Hergang genau dokumentieren.
Online existieren bereits einige Vorlagen für einen Unfallbericht, so zum Beispiel den Europäischen Unfallbericht, den Sie über die Homepage der Versicherungen finden.

In den Unfallbericht gehören nur die relevanten Tatsachen wie der genaue Hergang und die folgenden Tätigkeiten der Unfallbeteiligten. Keinesfalls sollten Sie ein Schuldanerkenntnis oder subjektive Einschübe in Ihrem Bericht platzieren.
Die Polizei und Staatsanwaltschaft ist nur an den unterschriebenen Berichten interessiert, die zu der Aufklärung des tatsächlichen Hergangs führen.
Sollten Sie eine der Vorlagen aus dem Netz verwenden, bestätigen Sie damit nur den Schadensbericht und ist noch kein gültiges Schuldanerkenntnis. Dies ist von Versicherungswegen sogar verboten und kann Sie Ihren Versicherungsschutz kosten.

Um einen präzisen Bericht liefern zu können, sollten Sie darauf achten, folgende Gegenstände im Auto mitzuführen:

  • – Kamera oder Smartphone
  • – Stift und Papier
  • – Straßenkreide

Die Anzeige des Unfalls muss innerhalb von einer Woche nach Unfallhergang schriftlich bei Ihrer Versicherung angezeigt werden. Sollte es bei dem Unfall einen oder mehrere Tote gegeben haben, beträgt diese Frist lediglich 48 Stunden.
Vergessen Sie nicht, auch mit den anderen Unfallbeteiligten Ihre Personalien sowie Fahrzeug- und Führerscheinnummer führ spätere Belangen auszutauschen.

An der Unfallstelle sollten Sie wie folgt vorgehen:

  1. Parken Sie keinesfalls Ihr Fahrzeug um. Dies ist eine Verfälschung des Beweismaterials und Sie machen sich damit strafbar. Markieren Sie mit Kreide die Eckpunkte der beteiligten Fahrzeuge und kennzeichnen Sie diese mit „vorne rechts“ etc.
  2. Machen Sie mit der Kamera Fotos, auf denen die Gesamtsituation gut erkennbar ist. Achten Sie darauf, dass die Bilder nicht unscharf und verwackelt sind, sonst werden sie nicht als Beweismittel zugelassen.
    Zudem sollten Sie Detailaufnahmen von beschädigten Stellen am Fahrzeug machen.
  3. Falls es Zeugen gibt, sollten Sie in jedem Fall dessen Personalien aufnehmen. Damit wird ihre Situation vor Gericht weniger anfechtbar und trägt entscheidend zur Aufklärung des Tatbestandes bei. Je mehr Informationen und Beobachtungen, desto besser !

Sobald Sie nach diesen Punkten das Wichtigste dokumentiert haben oder die Polizei keine weiteren Fragen mehr hat, sind Sie vom Unfallort entlassen. Entfernen Sie Ihr Fahrzeug sachgemäß. Achtung ! Nicht bei jeder Abschleppfahrt zahlt ihre Versicherung die Transportkosten. Erkundigen Sie sich im Voraus und nutzen Sie in jedem Fall die Angebote Ihres Automobilclubs, sofern vorhanden.

Spezielle Fälle: Mietwägen

Grundsätzlich sollten Sie, wenn Sie einen Mietwagen fahren, immer die Mietbedingungen gelesen haben. In jedem Fall sollten Sie einen sofortigen Notruf bei der Polizei absetzen – auch bei geringen Blechschäden.
Außerdem sollten Sie umgehend den Vermieter über einen Unfall informieren – dazu reicht auch die Servicehotline.

Natürlich kommt es des Öfteren zu Streitigkeiten in der Schadensersatzfrage. Wenn Sie eine Verkehrsschutzversicherung abgeschlossen haben, ist es ratsam, einen Fachanwalt für Verkehrsrecht zu beauftragen, genauso einen KFZ-Sachverständigen. Der Unfallverursacher muss später hierfür die Kosten übernehmen.

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Im Mietvertrag ist außerdem die Höhe der Selbstbeteiligung via Kaskoversicherung geregelt, meist beträgt diese zwischen 500€ – 1000€. Für das Ausland können Sie zudem die Versicherungssumme erhöhen – dazu empfiehlt sich die Mallorca Police.

Wofür benötige Ich eine Unfallskizze ?

Da Unfälle prinzipiell als Einzelfall betrachtet werden und die Aufklärung des Tatbestandes unter Experten oft Wochen dauert, ist es für die Geschädigten recht mühsam, zumal Sie die Schadenkosten noch nicht erstattet bekommen haben.
Um diesen Prozess zu beschleunigen, sollten Sie direkt am Unfallort eine Unfallskizze anfertigen. Ist dies nicht möglich, versuchen Sie, anhand der gegebenen Beweismaterialien wie Fotos und Zeugenaussagen die Skizze so schnell wie möglich daheim anzufertigen.
Beispielsweise finden Sie auf dem Formular des Europäischen Unfallberichtes auch Platz für eine solche Skizze.
Wichtig sind Entfernungsangaben in der Skizze, auch wenn diese in den meisten Fällen nur näherungsweise bestimmt werden können.
Wenn die Polizei den Unfall dokumentiert, sind Sie nicht verpflichtet, diese Skizze anzufertigen, das übernimmt die Polizei.
Dennoch ist diese Maßnahme ratsam, um der Versicherung die aktive Mitarbeit zu demonstrieren.

Sie sollten mindestens zwei Exemplare einer Unfallbericht-Vorlage in Ihrem Fahrzeug gelagert haben, um so genaue Angaben wie möglich machen zu können.

Das schriftliche Verfassen des Berichts

Es reicht oftmals aus, die W-Fragen im Unfallbericht präzise und lückenlos zu beantworten:

  • Was ist passiert ?
  • Wer ist am Unfall beteiligt ?
  • Wo fand der Unfall statt ?
  • Wann war der Unfall genau ?
  • Weshalb gab es den Unfall ?

Schreiben Sie den Bericht in chronologischer, also zeitlicher Abfolge. Geben Sie auch an, wer als nicht-beteiligter Fahrer oder als Zeuge am Unfallort war.
Wichtig sind hier nur die Fakten, keine Vermutungen. Schreiben Sie exakt das, was Sie gesehen haben bzw. an was Sie sich erinnern können. Der Vorgang wird umso schneller aufgeklärt, je genauer und lückenloser Sie Bericht erstatten !

Aussagen, die eine Wertung beinhalten, nutzen weder Ihnen noch der Versicherung etwas. Deshalb sollten Sie sich nur auf objektive Tatsachen berufen. Vermeiden Sie Formulierungen wie „könnte“, „ich meine,“ „vielleicht“ etc.

Zusammengefasst sollte der Bericht:

  • – sachlich
  • – nicht allzu lang
  • – gut strukturiert
  • – lückenlos

sein.

Besonderheiten: Unfälle außerhalb Deutschlands

Für Unfälle im Ausland gilt grundsätzlich das Gleiche wie bei Unfällen innerhalb der Bundesrepublik Deutschland.
Sie sind zur Absicherung der Unfallstelle verpflichtet sowie zur Ersten Hilfe. Des weiteren sollten Sie beachten, dass andere Grundlagen beim Zentralruf der Versicherungen gelten. Dadurch erhalten Sie nur sehr eingeschränkt und nur in einigen Ländern Informationen über die Versicherung des Unfallgegners.

Innerhalb der EU und der Schweiz gibt es einen Schadensregulierungsbeauftragten für ausländische Versicherungen. In Österreich,Slowenien, Estland und Tschechien können mittels amtlichen Kennzeichen und Unfalldatum die Versicherung und der Schadensregulierungsbeauftragte ausfindig gemacht werden.
Ebenfalls innerhalb der EU-Mitgliedsstaaten muss die Grüne Versicherungskarte nicht mehr vorgezeigt werden, allerdings erweitert diese Ihre Versicherung auf alle eingetragenen Länder.
In der Türkei oder Russland gilt die Versicherung nur in den europäischen Teilen des Landes. Demnach ist es immer sinnvoll, die Versicherungskarte bei sich zu tragen, um Schwierigkeiten aller Art während eines Unfalls zu vermeiden.

Die Haftpflichtversicherung Ihres Fahrzeuges gilt in ganz Europa sowie den Kanarischen Inseln, genauso wie alle Teile eines Hoheits- oder Staatsgebietes eines europäischen Staates.

Nutzungsausfallentschädigung

Wenn beide Unfallteilnehmer ihren Bericht geschrieben und unterzeichnet haben, erhält jeder ein Exemplar des anderen. Und wie geht es weiter ?

Die Nutzungsausfallentschädigung steht in direktem Zusammenhang mit der Schadensregulierung. Für die Zeit, die sie Ihr Fahrzeug nicht nutzen können, steht Ihnen das Recht zu, einen Mietwagen auf Kosten des Unfallverursachers zu nehmen.
Wenn Sie ihre Nutungsausfallentschädigung nicht in Anspruch nehmen, werden Ihnen die Kosten für den Ausfall in Höhe des Schwacke-Wertes erstattet, selbst wenn Leihwagen günstiger gewesen wäre.

Diese Form von Entschädigung sollten Sie trotzdem wählen, auch wenn der Unfallverursacher noch nicht eindeutig identifiziert wurde. Voraussetzung für die Kostenrückerstattung ist allerdings, dass sie den Mietwagen tatsächlich nutzen, beispielsweise für Einkäufe oder das Pendeln zum Job. Theoretisch reicht es auch, einer dritten Person den Fahrdienst angeboten zu haben und dann nicht nutzen zu können, da Sie sich während der Mietzeit krankschreiben lassen haben und das Fahrzeug somit nicht nutzen konnten.
Falls Sie später vor Gericht kein Recht erhalten, fällt immerhin nur ein Teil der Kosten auf Sie zurück.

Nach dem Unfall haben Sie die Möglichkeit, zwischen der Nutzungsausfallentschädigung und dem Mietwagen zu entscheiden. Dafür haben Sie einen gewissen Zeitraum zur Verfügung – fragen Sie bei Ihrer Versicherung unbedingt nach. Demnach muss diese ihre Leistung nämlich auch während der Schadensfeststellungsphase erbringen. Ist dies nicht der Fall, legt ein Schadengutachter die geplante Dauer der Feststellung fest. Wichtig ist, dass Sie sich diese nach der Regulierung des Schadens bestätigen lassen.

Zwei Sichtweisen: Verursacher und Geschädigter

Wenn Sie an einem Unfall beteiligt sind, aber nicht dessen Verursacher sind, handelt es sich um einen Unfall ohne Eigenverschulden. Demnach stehen Ihnen einige Privilegien zur Verfügung.
Unmittelbar nach dem Unfall händigt die Polizei Ihnen eine Durchschrift aus und die Versicherung des Verursachers wird Kontakt mit Ihnen aufnehmen.

Sie haben das Recht, einen KFZ-Beauftragten einzuschalten, der den geschädigten Wagen untersucht und den entstandenen Schaden sowie die Reparaturmaßnahmen feststellt. Auch dafür trägt der Unfallverursacher die Kosten.
Die Nutzungsausfallentschädigung wird ebenfalls von diesem Gutachter entschieden, der die Höhe des Schwach-Wertes und die voraussichtliche Dauer der Reparatur abschätzt.

Die Werkstatt, die die Reparatur übernehmen soll, können Sie frei wählen. Weder Ihre noch die Versicherung des Unfallgegners dürfen Ihnen hier Vorschriften machen, auch die Rechnung muss der Versicherung nicht vorliegen. Natürlich können Sie auch direkt die geschätzte Summe des Gutachters von der Versicherung fordern, dann bleibt Ihnen überlassen, ob und was sie tatsächlich an Ihrem Fahrzeug reparieren.

Sind Sie der Unfallverursacher, sind Sie in der Pflicht, den Unfall unverzüglich Ihrer Versicherung mitzuteilen und Ihren Unfallbericht innerhalb der Frist von 7 Tagen schriftlich einzureichen.
Für Unfälle mit Todesfolge beträgt diese Frist lediglich 2 Tage. Vor Gericht übernimmt Ihre Versicherung dann Ihre Verteidigung, da sie selbstständig kein Schuldanerkenntnis ablegen können.
Auch die Kommunikation und der Schadensausgleich verläuft über die Versicherung, Sie brauchen sich um nichts weiter zu kümmern.

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