Uwe Timm, Frankfurter Buchmesse 2013. Foto: Heike Huslage-Koch

Uwe Timm, Frankfurter Buchmesse 2013. Foto: Heike Huslage-Koch

Der sehr erfolgreiche deutsche Schriftsteller Uwe Timm wurde 1940 geboren. Er ist ein typischer Quereinsteiger. Sein um sechzehn Jahre älterer Bruder Karl-Heinz starb 1943, verwundet als Mitglied der SS-Totenkopfdivision in einem Lazarett in der Ukraine. Uwe Timm versuchte mit der autobiografischen Erzählung “Am Beispiel meines Bruders”, seinen Bruder und den Vater, der ihn sehr autoritär erzog besser zu verstehen. Der Literat, der sich mit seinen Werken “ROT” aus dem Jahre 2001 und “Halbschatten”, herausgegeben im Jahre 2008, mit der Kriegs- und Nachkriegsgeschichte auseinandersetzt, ist ein Vertreter der 68er Jahre. Uwe Timm, der heute mit seiner Frau Dagmar Ploetz in München und Berlin lebt, ist außerdem ein sehr bekannter Kinder- und Jugendbuchautor. Sein Buch “Rennschwein Rudi Rüssel”, wurde verfilmt und wurde ein großer Erfolg. Im Jahre 1990 wurde der Autor mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet.

Die Kinder- und Jugendjahre von Uwe Timm

Der Schriftsteller wurde 1940 in Hamburg geboren. Im Alter von drei Jahren (1943) musste er zusammen mit seiner Mutter nach Coburg zu Verwandten emigrieren. Nachdem die Familie zwei Jahre später in die Hansestadt zurückkehrte, verbrachte Uwe Timm seine Kindheit und Jugendzeit in Hamburg. Dort lauschte er begeistert den Seemannsgeschichten seines Großvaters und verfasste bereits in seiner Schulzeit eigenen Geschichten. Er fand einen Lehrplatz als Kürschner bei der Firma Levermann und legte seine Prüfung mit Auszeichnung ab. Nachdem sein Vater verstorben war, übernahm er dessen verschuldetes Kürschnergeschäft und leitete es drei Jahre lang.

Aufbruch und Revolte

Ab dem Jahre 1961 besuchte der Autor im zweiten Bildungsweg das Braunschweig-Kolleg und machte dort 1963 das Abitur. Anschließend studierte er in München und Paris, er belegt die Fächer Philosophie und Germanistik. Er promovierte mit einer Doktorarbeit über Albert Camus. Uwe Timm schloss noch ein Studium in Soziologie und Volkswirtschaftslehre an, das er allerdings ohne Abschluss im Jahre 1972 wieder abbrach. Zuvor lernte er bereits Benno Ohnesorg kennen, einen der Köpfe der Studentenbewegung, der allerdings sein Studium in Berlin begann. Im Jahr der deutschen Studentenrevolte war Uwe Timm bereits Mitglied des Sozialistischen-Deutschen-Studentenbundes und bei der Besetzung der Münchener Ludwig-Maximilians-Universität beteiligt. Der Autor lebte als freier Schriftsteller und war Mitherausgeber der “Literarischen Hefte”, sowie auch der “Autoren Edition”.

 

Uwe Timm – ein politisch engagierter Autor

Der Schriftsteller bezieht auch heute Stellung zu brisanten Zeitfragen. Obwohl er im Jahre 1973 Mitglied der DKP wurde, konnte er sich mit deren Zielen nicht wirklich identifizieren und erklärte schließlich im Jahre 1981 seinen Austritt. In vielen seiner Werke setzt sich Uwe Timm kritisch mit der Politik auseinander. In seinem Werk “Der Freund und der Fremde”, beschreibt er seine Freundschaft zu Benno Ohnesorg, der während der Schah-Demonstration im Jahre 1967 in Berlin erschossen wurde. In seinen Romanen “Kerbels Flucht” und “Kopfgeldjäger”, beschreibt er nicht nur bundesdeutsche Zustände, sondern er beschäftigt sich auch mit dem Zusammenprall von unterschiedlichen Kulturen, in einer globalisierten Welt. Wie etwa in dem Werk: “Der Schlangenbaum” aus dem Jahre 1986, der über Südamerika erzählt, der Roman “Morenge”, wiederum handelt vom Kolonialkrieg in Deutsch-Südwestafrika Im Jahre 1904.

Weitere interessante Artikel:  Ludwig Tieck - Biografie & Inhaltsangaben

Große Erfolge als Jugendliterat und Drehbuchautor

Die Kinder- und Jugendbücher, “Pirateninsel“, “Das Rennschwein Rudi Rüssel”, sowie der “Schatz auf Pagensand“, zeigen eine ganz andere Seite des Autors. Der Roman ” Morenga” und die Novelle: “Die Entdeckung der Currywurst”, wurden verfilmt. Der Literat verfasste zudem die Drehbücher: “Die Bubi Scholz Story und: “Eine Hand voll Gras”. Uwe Timms jüngstes Werk heißt “Vogelweide” und handelt von einem Mann, der im Leben scheiterte und sich auf eine Insel zurückzog.

Der Autor und Vater von vier Kindern lebt in Berlin und München.

 

 

.

Seine Werke

1974 »Heißer Sommer« (Roman)
1978 »Morenga« (Roman)
1980 »Kerbels Flucht« (Roman)
1981 »Die Zugmaus« (Kinderbuch)
1983 »Die Piratenamsel« (Kinderbuch)
1984 »Der Mann auf dem Hochrad«
1986 »Der Schlangenbaum« (Roman)
1989 »Rennschwein Rudi Rüssel« (Kinderbuch)
1991 »Kopfjäger« (Roman)
1993 »Die Entdeckung der Currywurst« (Novelle)
1995 »Der Schatz auf Pagensand« (Kinderbuch)
1996 »Johannisnacht« (Roman)
1999 »Nicht morgen, nicht gestern« (Erzählungen)
2000 »Römische Aufzeichnungen«
2001 »Rot« (Roman)
2003 »Am Beispiel meines Bruders« (Erzählung)
2005 »Der Freund und der Fremde« (Erzählung)
2008 »Halbschatten« (Roman)
2011 »Freitisch« (Novelle)
2013 »Vogelweide« (Roman)

Auszeichnungen

1990 Deutscher Jugendliteraturpreis für »Rennschwein Rudi Rüssel«
1996 Bayerischer Filmpreis (Kinderfilmpreis) für »Rennschwein Rudi Rüssel«
2001 Tukan-Preis der Stadt München für den Roman »Rot«
2001 Großer Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste
2002 Literaturpreis der Landeshauptstadt München
2003 Schubart-Literaturpreis
2003 Erik-Reger-Preis der Zukunftsinitiative des Landes Rheinland-Pfalz
2006 Premio Napoli für »Rot«
2006 Premio Mondello der Stadt Palermo für »Rot«
2009 Heinrich-Böll-Preis
2012 Carl-Zuckmayer-Medaille

Inhaltsangaben


No ratings yet.

Please rate this

Schreibe einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind mit * markiert.

Formular zurücksetzenBeitragskommentare