Verlustabzug nach § 10d EStG leicht erklärt + Beispiel

Was versteht man unter einem Verlustabzug nach § 10d EStG?

Unter dem Verlustabzug versteht man zusammengefasst alle Möglichkeiten, welche sich bieten um negative Einkünfte bei der Ermittlung des steuerpflichtigen Einkommens abziehen zu können. Verbleibt also nach dem horizontalen und vertikalen Verlustausgleich im Rahmen der Ermittlung des steuerpflichtigen Einkommens ein negativer Gesamtbetrag, können diese negativen Einkünfte bis zu 511.500 € (bzw. 1.023.000 € bei einer Zusammenveranlagung) vom Gesamtbetrag der Einkünfte des direkt vorausgegangenen Veranlagungszeitraums vorrangig vor Sonderausgaben, außergewöhnlichen Belastungen und sonstigen Abzugsbeträgen, abgezogen werden. Dieser so genannte Verlustrücktrag ist auf 1 Jahr beschränkt.

Verbleibt nach dem beschränkten Verlustrücktrag ein Restverlust, ist dieser in den folgenden Veranlagungszeiträumen bis zu einem Gesamtbetrag der Einkünfte von 1 Mio. € (bzw. 2 Mio. € bei einer Zusammenveranlagung) unbeschränkt, darüber hinaus bis zu 60 % des 1 Mio. € bzw. bei Zusammenveranlagung des 2 Mio. € überstreitenden Gesamtbetrages der Einkünfte vorrangig vor Sonderausgaben, außergewöhnlichen Belastungen und sonstigen Abzugsbeträgen abzuziehen. Dieser so genannte Verlustvortrag gilt für einen unbeschränkten Zeitraum, setzt aber gleichzeitig in der Zukunft entsprechend hohe positive Gesamtbeträge der Einkünfte voraus.

Welche Vorteile bringt der so genannte Verlustabzug?

Durch den Verlustabzug wird Einkommenssteuer nur auf das wirkliche Einkommen gezahlt. Dadurch wird verhindert, dass man Einkommensteuer für Gewinne aus einer Tätigkeit zahlen muss, obwohl die entsprechenden Gewinne durch eine andere Betätigung bereits wieder verloren sind. Der Fakt, dass anfallende Verluste mit übrigen positiven Einkünften verrechnet werden können, kann wirtschaftlich gesehen zugleich auch einen Finanzierungseffekt inkludieren.

Hier ein Beispiel für einen Verlustabzug gemäß § 10d EStG:

Ein Steuerpflichtiger hat im Geschäftsjahr 02 negative Einkünfte aus Gewerbebetrieb in Höhe von 3 Mio. erwirtschaftet. Da sonst keine anderen Einkunftsarten vorliegen ist der Gesamtbetrag der Einkünfte negativ und beläuft sich auf – 3 Mio. €. Die Gesamtbeträge der Einkünfte in 01, 03 und 04 sollen 1,5 Mio. € betragen. Somit lässt sich erkennen, dass der Steuerpflichtige letztes Jahr einen positiven Gesamtbetrag von 1,5 Mio. € verbucht und versteuert hat. Nun kann der Steuerpflichtige einen Teil der 3 Mio. €, nämlich genau 511.500 € in das Geschäftsjahr 01 zurücktragen und erhält dafür eine Steuergutschrift. Von den restlichen 2.488.500 € kann er 1 Mio. € unbeschränkt in das Geschäftsjahr 03 vortragen sowie 60 % des danach noch verbleibenden Gesamtbetrages der Einkünfte (60 % von (1,5 Mio. € – 1 Mio. €) = 300.000 €). Somit können insgesamt 1,3 Mio. € auf das Geschäftsjahr 03 vorgetragen werden.
Der restliche Verlustbetrag von 1.188.500 € kann anschließend vollständig auf das Jahr 04 vorgetragen werden, da dies bis zu einer Summe von 1 Mio. € unbeschränkt sowie beschränkt bis zu 60 % von 500.000 € möglich ist.

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Autor(in) des Artikels:

mm
Hat Wirtschaftswissenschaften an der Universität Kassel studiert. Einzelunternehmer seit Mai 2006 & Chefredakteur von Uni-24.de

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