Warum heißt es “stockdunkel” oder “stockfinster”? Wortherkunft & Herleitung

Warum heißt es stockdunkel oder stockfinster

Die Begriffe “stockdunkel” oder “stockfinster” werden heutzutage häufig verwendet, obwohl die meisten Benutzer wohl gar nicht genau wissen, was der Worteil “stock” bedeutet. Hat es tatsächlich etwas mit mit einem hölzernen Stab zu tun, was wir heute als Stock kennen? Der Duden gibt die Bedeutung von “stockdunkel” mit “völlig dunkel” an und erklärt, dass das Wort “umgangssprachlich emotional” verwendet wird. Doch was hat es mit der Vorsilbe “stock” auf sich und woher kommt sie?

Herkunft von “stock” in “stockfinster”

Bei “stock” handelt es sich um einen Halbpräfix, der seinen Ursprung im Mittelalter hat. Tatsächlich wurde damals als “stok” ein Holzklotz bezeichnet. Dieser wurde Gefangenen an den Knöchel gebunden, damit sie nicht aus dem Kerker oder einem gefängnisähnlichen Haus fliehen konnten. Nun macht aber die Herleitung “dunkel wie ein Holzklotz” wenig Sinn. Die heutige Verwendungsweise des Wortes “stockfinster” hat sich nämlich erst im Laufe des Mittelalters herausgebildet.

Da sich die Fesselmethode mit dem Stock am Fuß immer mehr durchsetzten, wurden die Häuser, welche einem heutigen Gefängnis entsprechen, damals “Stockhäuser” genannt. Demnach wurde das Wachpersonal, welches die Gefangenen mit dem Holzklotz am Knöchel bewachte, als “Stockmann” bezeichnet. Zu dieser Zeit entwickelte sich auch das Wort “stockfinster”, weil die Gefangenen mit “Stock” am Fuß in ihrer absolut dunklen Zelle dahinvegetetieren mussten. Da die Gefangenen besonders bestraft werden sollten, war Licht schließlich Mangelware. Diese Foltermethode stand im Gegensatz zum Pranger, bei dem die Gefangenen an öffentlichen Orten wie dem Marktplatz oder vor der Kirche mithilfe eines Holzgestells zur Schau gestellt wurden. Während die Gefangenen bei dieser Methode dem Tageslicht ausgesetzt sind, herrscht bei der Bestrafung im Gefängnis völlige Dunkelheit.

Zunächst setzte sich also unter den Wachmännern der Begriff “stockdunkel” durch, welcher die besonders ausgeprägte Dunkelheit in einer Zelle beschrieb. Mit der Zeit hat sich das Wort auch außerhalb der Stockhäuser verbreitet.

Heutige Verwendung des Halbpräfixes “stock”

Mittlerweile wird “stock” nicht vor den Adjektiven “finster” und “dunkel” verwendet, sondern auch noch vor vielen weiteren wie “stocksteif” oder “stockbetrunken”. Diese Anwendungsbeispiele spielen nicht mehr auf den Holzklotz im Gefängnis an, sondern haben im Laufe der Jahrhunderte eine Bedeutungserweiterung erhalten. Wie das “stock” in “stockfinster” auf die höchste Stufe der Dunkelheit hinweist, bedeutet “stocksteif” heutzutage eine nicht mehr steigerbare Steifheit. Diese Wörter gab es im Mittelalter jedoch nicht – damals wurden lediglich “stockfinster”, “stockduster” und “stockdunkel” verwendet.

Heutzutage wird die Vorsilbe also immer dann verwendet, um die Wirkung des nachfolgenden Adjektivs zu verstärken. Synonyme sind zum Beispiel “völlig” oder “stark”.

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