Was bedeuten die Symbole der Justitia? – Aufklärung

Was bedeuten die Symbole der Justitia

Die Justitia hat in der geschichtlichen Entwicklung bis heute einen unverwechselbaren, symbolhaften Status erlangt. Die heute oftmals aus edlem Material hergestellte gottgleiche Figur steht für Recht und Gerechtigkeit. Es gibt kaum einen Menschen auf der Welt, der das ausdrucksstarke Erscheinungsbild der Justitia nicht kennt. Die Verkörperung der Gerechtigkeit in Form einer weiblichen Figur mit Schwert und Waage stieß im antiken Rom allerdings auf Unwissen. Der Begriff Justitia konnte sich erst später von der völligen Unbekanntheit befreien und erlangte erst unter dem Einfluss griechischer Wahrnehmung eine einzigartige Bedeutung. Tatsächlich fällt die Geburtsstunde der personifizierten Gerechtigkeit mit den heutigen Symbolen erst in die Mitte des 13. Jahrhunderts.

Wofür stehen die Symbole der Justitia?

Während viele das hübsche Bild der starken, weiblichen Gestalt mit Waage und Schwert kennen und damit oftmals „nur“ den Begriff „Gerechtigkeit“ verbinden, ist den Bewunderern die genaue Bedeutung von Waage und Schwert oft schleierhaft. Irgendetwas werden die der Justitia zugewiesenen Attribute schon mit Gerechtigkeit zu tun haben, aber was genau?

Die Augenbinde

Die Justitia trägt eine Augenbinde. Auf den ersten Blick scheint das widersprüchlich, denn Gerechtigkeit lässt sich doch nur mit sehendem Auge walten. Die Justitia waltet aber nicht tatsächlich, sie symbolisiert. Daher die Augenbinde: Sie drückt Unparteilichkeit und Gleichheit vor dem Gesetz aus. Es handelt sich also gerade nicht um die Blindheit des Gerichtswesen, was früher oft so interpretiert wurde. Gerichtshöfe sprechen Recht aus – ohne Ansehen der Person.

Die Waage

Auch die Waage in waagerechter Stellung gab römischen Karikaturisten oftmals Anlass, Kritik an der Symbolhaftigkeit der Justitia zu üben. Nicht selten wagten es Künstler, ihre Kritik in Form einer aus dem Gleichgewicht geratenen Waage zu zeigen. Natürlich musste das versteckt geschehen.

Allen kritischen Stimmen zum Trotz erschien die Justitia mit der waagerechten Waage, dem Schwert und der Augenbinde auf zahlreichen Münzen in der römischen Kaiserzeit. Auf diese Weise ließ sich die Figur gut für politische Propaganda instrumentalisieren.

Die neuzeitliche Justitia zeigt die Waage oft in Schräglage und das nicht, um eine bestehende Ungerechtigkeit in der Rechtsprechung auszudrücken. Das Gegenteil ist der Fall: Die Waage in Schräglage steht für den Grundsatz „in dubio pro reo“, was übersetzt „Im Zweifel für den Angeklagten“ heißt. Solange keine Beweise vorliegen, die den Angeklagten beispielsweise einer Täterschaft überführen, gilt er als unschuldig. Das Symbol soll auch das Zivilrecht treffen, denn das zivilrechtliche Verfahren gleicht unterschiedliche Interessen aus – nach sorgfältiger Abwägung der Interessen.

Das Schwert

Die Entscheidung über einen Rechtsstreit fällt der Richter mit der notwendigen Härte. Dafür steht das Schwert in der Hand der Justitia. Das Symbol drückt damit die Durchsetzungskraft des Gerichtswesens aus. Hart aber fair.

Wie sahen die symbolhaften Gegenstände der Justitia vorher aus?

Die Justitia wurde nicht immer schon mit Schwert und Waage dargestellt. Statt des Schwertes drückte ein Ölzweig die Symbolhaftigkeit des Rechtsfriedens aus. Es geht bei dem Ende einer rechtlichen Streitigkeit um ein Ergebnis, mit dem die Parteien leben können. Der Rechtsfrieden soll so wiederhergestellt werden.

Auch in der Antike war kein Schwert präsent, sondern ein Füllhorn. Hierdurch drückte sich das Verteilen des Reichtums aus. Die Waage hingegen stand zu diesem Zeitpunkt für die Formel „Jedem das Seine“ oder auch „suum cuique tribuere“, aus der römischen Setenz des Juristen Ulpian vollständig lautend: „Honeste vivere, neminem laedere, suum cuique tribuere“ (Ehrhaft leben, niemanden schaden, jedem das Seine zukommen lassen.) Verteilungsgerechtigkeit und Verhältnismäßigkeit bilden den Kern der Aussage.

Wird die Justitia heute immer gleich dargestellt?

Die Darstellungen der Justitia sind bis heute recht vielfältiger Natur. Augenbinde, Schwert und Waage sind der weiblichen Figur immer als Attribute zugedacht. Manche Künstler versehen das Gesicht mit einem leichten Lächeln, andere bevorzugen einen strengen oder neutralen Gesichtsausdruck. Das lebhafte Gewand, welches die Justitia trägt, nutzen andere Künstler wiederum, um sie recht viel Bein zeigen zu lassen. So gibt es eine Justitia im in der Schweiz gelegenen Zofingen (Kanton Aargau), die keine Augenbinde und ein eher offenes Gewand trägt.

Politische Ungereimtheiten und Fehlurteile geben besonders viel Anlass für entzündlichen Stoff. Karikaturisten nutzen die Symbolfigur der Justitia dann, um auf diese Missstände hinzuweisen. So wird auch heute noch die Augenbinde für das Bild einer blinden Gerechtigkeit genutzt. In manchen Darstellungen fehlen der Justitia die zugedachten Attribute ganz oder es fehlen ihr schlicht die Arme. In der Politik kennt die Kreativität der Künstler in diesem Zusammenhang keine Grenzen. Kritiken bekommen ein künstlerisches Bild, die es bereits schon früher der Justitia gab, nur eben nicht ganz so offenkundig, wie das heute der Fall ist.

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