Was bedeutet “gepunzt”? – Aufklärung

Was bedeutet

Gepunzt, punzen und Punzierung gehörten zu der Sorte Wörter, die jeder schon einmal gehört hat, deren Bedeutung aber trotzdem nicht so ganz geläufig ist.

Das Punzen ist eine uralte Handwerkskunst

Bereits Urvölker betrieben eine frühe Art der Punzierung, indem sie mit spitzen Gegenständen und Schlagwerkzeugen Löcher, Muster und Verzierungen in verschiedene Materialien eintrieben.
Neben der Bearbeitung mit speziellen Werkzeuge kann ein Material auch durch eine Art Stempel punziert werden. Typisch für diese Bearbeitung ist der in das Material versenkte Negativ-Abdruck des Motivs.

Das Wort leitet sich sehr wahrscheinlich vom lateinischen Verb „pungere“ für „stechen“ ab. In der heute noch gebräuchlichen italienischen Sprache ist das Wort für einen Stempel „Punzone“.

Als „gepunzt“ wird also allgemein ein Material bezeichnet, das auf diese Weise mit einer Prägung versehen wurde.

Gepunztes Metall

Als erstes Münzgeld aufkam, war dieses häufig noch gepunzt. Damals bestanden Münzen meistens noch aus reinem Gold und Silber, das sehr weich ist. Man kann also sehr gut nach dem Guss der Münze noch einen Abdruck in das Material punzen. Heutige Münzen dagegen sind in fertige Formen mit einem Negativabdruck des Motivs gegossen, sodass dieses auf der fertigen Münze leicht erhöht vom Rest und nicht als Vertiefung im Metall erscheint. Zudem sind heutige Münzen für den Alltagsgebrauch aus vergleichsweise wertlosen und härteren Metallen gefertigt.

Neben Münzen wurden allerlei Schmuckgegenstände, Schwertscheiden, Schnallen von Pferdegeschirren, Bestecke, Zinngeschirr oder auch wertvolle Werkzeuge gepunzt. Maler der Renaissance arbeiteten gepunzte Goldelemente in Gemälde ein oder fertigten prachtvolle Rahmen aus gepunztem Gold.

Heute wird diese Kunst noch vorwiegend im orientalischen Raum und in Südostasien ausgeübt. In den Marokko und Algerien werden aufwändig gepunzte Teller, Bilderrahmen oder sonstige Wertgegenstände in beeindruckender Feinarbeit hergestellt.

Gepunzter Gold und Silberschmuck

Am geläufigsten ist heutzutage sicher noch die Punzierung der Edelmetalle Gold und Silber. Das ist die kleine eingedruckte dreistellige Zahl, die über den Reinheitsgrad des Materials Auskunft gibt. Für Gold sind geläufige Punzierungen 333, 585 und 750. Beim Silber sind 800, 835, 999 die Standard-Punzierungen. Alle auf dem Markt verkäuflichen Schmuckstücke aus Edelmetall sowie Goldbarren und Silberbarren zur Geldanlage sind gepunzt. Die Nummer ist für den Laien der einzige verlässliche Nachweis über den tatsächlichen Wert eines Schmuckstückes.

Daneben werden Gold und Silber auch heute noch zu Zwecken der Zierde gepunzt. Dazu treiben Goldschmiede mit feinsten Werkzeugen kleine Linien, Kreise und Löcher in Schmuckstücke oder Uhren.

Gepunztes Leder

Ganz ähnlich der Schmuckherstellung sind auch Lederwaren traditionell mit aufwändigen Punzierungen versehen. Leder eignet sich hervorragend für diese Art der Bearbeitung. Kunstvolle Sättel hochrangiger Herrschaften aus dem Altertum sind über und über mit gepunzten Ornamenten und ganzen Bilderschriften versehen. Alte schwere Ledereinbände von Büchern tragen häufig kunstvoll gepunzte Verzierungen.

Auch heute ist diese Kunst noch beliebt. Mit Punziereisen, Punziertstifen und Punzhammer werden die Motive in feinster Detailarbeit in Gürtel, Halsbänder und Geschirre für Hunde oder Armbänder eingraviert. Unter den Anhängern des Harley-Davidson-Motorradkultes ist gepunztes Leder ein Statussymbol. Die Sättel der Maschinen können aufwändig verziert sein, ebenso wie Satteltaschen oder die Lederbekleidung der Biker.

Gepunzte Felgen

Vielleicht haben Sie rund um das Fahrrad oder Mofa bereits von gepunzten Felgen gehört. Das bedeutet einfach, dass in die Felge kleine Löcher zum Befestigen der Speichen eingebracht sind. Der Unterschied zwischen gelochten und gepunzten Felgen liegt in der Winkelung der Öffnung und der späteren Schrägstellung der eingebrachten Speichen. Geöste Felgen dagegen haben zur Lochverstärkung kleine Metallringe im Innenteil, die meistens über den Lochrand herausragen.

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