Was bedeutet grenzwertig? Aufklärung

Was bedeutet grenzwertig

Etymologie

Das Wort “grenzwertig” enthält “Grenze” und “Wert” und kommt ursprünglich aus der Chemie, wo es sich auf eine maximal zulässige Abweichung von einem bestimmten Sollwert bezieht, also zum Beispiel auf die Konzentration eines Salzes in einer Flüssigkeit. Für einen bestimmten Zweck soll die Flüssigkeit idealerweise einen bestimmten Prozentsatz Salz enthalten; Abweichungen nach oben oder unten sind aber bis zu einem gewissen Wert möglich. Ist dieser über- oder unterschritten, kann man die Salzlösung nicht für den vorgesehenen Zweck verwenden: Dieser Wert stellt also die Grenze dar.

Der Grenzwert als Metapher

Im übertragenen Sinne – so, wie wir es alltagssprachlich benutzen – bedeutet das, dass etwas dann grenzwertig ist, wenn es die Grenze des Erträglichen, Möglichen oder Zulässigen gerade so nicht überschreitet, wohl aber knapp davor steht. Darum wird es häufig als Euphemismus, als verschönerndes Synonym für “schlecht”, “komisch”, “extrem” oder “übertrieben” verwendet. Dahinter steckt die Auffassung, dass Abweichungen und Extreme etwas Negatives sind – dessen sollte man sich bei der Verwendung des Wortes bewusst sein.

Verwendung in verschiedenen Kontexten

Häufig verwendet man “grenzwertig”, wenn man ein Verhalten beschreiben will, das als extrem oder in unangenehmer Weise ungewöhnlich wahrgenommen wurde. Auch Leistungen, messbare Größen im Alltag (wie etwa die Temperatur) oder Dosierungen können als grenzwertig bezeichnet werden. Mitunter schwingt auch die Androhung einer Sanktion mit: Wenn etwa die Leistung eines Angestellten als grenzwertig bezeichnet wird, kann das bedeuten, dass ein Unterschreitung dieser Grenze dazu führen wird, dass die Person entlassen werden muss; Gleiches gilt für die Noten eines versetzungsgefährdeten Schülers oder den Gewichtsverlust einer Anorektikerin, die Sitzenbleiben bzw. Zwangsernährung zur Folge haben könnten.

Unpassende Verwendung

Äußerst selten, und wenn, dann nur ironisch, werden positive Dinge, Erlebnisse oder Verhaltensweisen mit dem Attribut “grenzwertig” bedacht. Wer stilistisch nicht absolut sattelfest ist, sollte auf derartige Experimente, besonders in schriftlicher Form, definitiv verzichten – zu groß ist das Risiko für einen heftigen stilistischen Fauxpas.

Bildung und sozioökonomischer Status

Da es seine zugrundeliegende Bedeutung verschleiert und im Alltag nicht häufig verwendet wird, gilt das Wort manchmal als Vertreter einer exklusiven Codesprache, die von gebildeteren Bevölkerungskreisen gepflegt wird, um sich abzuheben oder weniger gebildete (oder des Deutschen schlicht weniger mächtige) Personen über die wahre Bedeutung im Unklaren zu lassen. An sich sind die Worte “Grenze” und “Wert” ja weder positiv noch negativ kosnotiert, sondern einfach neutral – darum ist es möglich, dass jemand, der die Hintergründe nicht kennt, das Wort nicht versteht. Wenn man es verwendet, ist es daher sinnvoll, zunächst einzuschätzen, ob der Gegenüber es überhaupt kennt, andernfalls riskiert man, missverstanden zu werden.

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