Was bedeutet Kappa auf Twitch? Aufklärung des Smileys

Was bedeutet Kappa auf Twitch

„Der Fernsehabend gestern war toll. Nur blöd, dass die schöne Werbung immer wieder durch mehrere Minuten Spielfilm unterbrochen wurde. Kappa!“

Sind auch Sie schon einmal auf solche Kommentare im Internet gestoßen und waren anschließend verwirrt, weil Sie nicht einzuordnen vermochten, was der Verfasser eigentlich mitteilen wollte? Denn was hat dieses ominöse Wort „Kappa“ wohl am Ende des Beitrags zu bedeuten?

Warum „Kappa“?

Versieht ein Internetnutzer seinen Beitrag am Ende mit dem Zusatz „Kappa“, möchte er Ihnen mitteilen, dass die zuvor formulierte Aussage nicht so ganz ernst gemeint, sondern ironisch und meistens auch sarkastisch zu verstehen ist. Das oben beschriebene Beispiel kann der Eingeweihte somit in Gedanken leicht in seine wahre Bedeutung übersetzen: „Ich hatte mich auf einen tollen Spielfilm gefreut, jedoch waren diese unsäglichen Werbe-Unterbrechungen viel zu häufig und viel zu lang“.

Das Wort „Kappa“ – häufig auch in Kombination mit einem Smiley verwendet, welcher das schwarz-weiße Konterfei eines spitzbübisch lächelnden Mannes zeigt (und deshalb auch als „Greyface“ bekannt geworden ist), hat seinen Ursprung auf der Streaming-Plattform „Twitch“. Dort wurde es in den letzten Jahren bereits millionenfach verwendet und hat mittlerweile auch den Sprung auf nahezu alle anderen Plattformen wie Facebook, YouTube, Twitter & Co. geschafft. Aber wie kam es dazu?

Immer schön der Reihe nach – was ist “Twitch”?

„Twitch“ ist ein Live-Streaming-Videoportal, das sich in der Videospiel-Community großer Beliebtheit erfreut und Live-Übertragungen von Videospielen und E-Sport-Events über inzwischen viele Millionen Streaming-Kanäle bietet. Im Jahre 2009, dem Geburtsjahr von „Kappa“, gehörte „Twitch“ noch als Sparte zu dem im Jahre 2007 gegründeten US-Unternehmen und Streaming-Portal „Justin.TV“. Zu dieser Zeit arbeiteten die Entwickler dieser Seite gerade an einer Chat-Plattform für Ihren Dienst.

Die Programmierer machten sich einen Spaß daraus, Selbstportraits zu erstellen und als Smileys in die Chat-Software zu integrieren. Einer von Ihnen war ein junger Mann namens Josh DeSanto. Auch er beteiligte sich kurzerhand an dem Schabernack seiner Kollegen und lud seinerseits ein schwarz-weißes Konterfei von sich ins System. Dieses versteckte er jedoch in der Programmierung, der Smiley erschien nur dann im Text, wenn man die Tastenkombination „Kappa“ eintippte. DeSanto wählte diesen Begriff, weil er ein großer Fan japanischer Kultur und Folklore war – der „Kappa“ ist ein japanisches Fabelwesen, von dem der Entwickler offensichtlich sehr angetan war.

Es dauerte allerdings nur knapp eine Woche, bis der „Kappa“ von den Usern der Plattform entdeckt wurde – und daraufhin schnell zu einem beispiellosen Hype und Selbstläufer auf „Twitch“ sowie darüber hinaus wurde.

Warum wurde der “Kappa” so erfolgreich?

Phänomene wie der „Kappa“ sind nur äußerst schwer zu erklären. Während viele Smileys und Wortneuschöpfungen im Internet kaum beachtet bzw. genutzt werden und schnell wieder in der Versenkung verschwinden, gehen andere in Rekordzeit viral und durch jede Decke. Erfolgreiche Kreationen haben üblicherweise den Charakter, einfach, einprägsam und originell zu sein sowie den Nerv der Zeit perfekt zu treffen. Gelingt es dann, quasi eine „kritische Masse“ bei der Verteilung und Verwendung des neuen Symbols zu übertreffen, wird der Rest schnell zum Selbstläufer.

Beim „Kappa“ kommt, neben den genannten Eigenschaften, zusätzlich die praktische Verwendung des Portraits bzw. Wortes hinzu. Schließlich muss ein schriftlicher Beitrag im Chat oder einem Kommentarfeld ohne jegliche Gestik, Mimik und Tonfall des Kommentierenden auskommen. Nicht ganz ernst gemeinte, ironische und sarkastische Intentionen des Autors sind so nicht immer leicht zu erkennen. Doch hängt der „Kappa“ hinten dran, weiß inzwischen fast jeder Leser (spätestens nach der Lektüre dieses Artikels), wie die zuvor gelesene Aussage zu verstehen ist.

Übrigens – Josh DeSanto ist die unverhoffte Berühmtheit seines Portraits eher unangenehm. Er hätte sich den weltweiten Erfolg dieses zunächst harmlosen Spaßes niemals träumen lassen. Auch besitzt er keinerlei Exklusivrechte oder Rechtsschutz für die Verwendung seiner Kreation und hat mit dieser nicht einen einzigen Dollar verdient. Heute arbeitet er als Technischer Direktor bei „FishbowlVR“, einer Firma, die sich mit dem Testen von VR-Systemen beschäftigt.

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