Was bedeutet melancholisch? – Aufklärung & Beispiele

Was bedeutet melancholisch

Der Begriff “melancholisch” beschreibt eine Gefühlslage, die eine Mischung aus negativen Stimmungen wie Traurigkeit, seelischen Schmerz und Schwermütigkeit sowie Nachdenklichkeit darstellt. Diese Gefühlslage wird meist ohne konkreten Anlass ausgelöst. Im allgemeinen Sprachgebrauch ist “melancholisch” nicht mehr so häufig in Verwendung. Oft wird stattdessen der Begriff “depressiv” verwendet, obwohl diese Gleichsetzung nicht korrekt ist. Manche Personen verwenden das Wort “melancholisch”, um eine Art abgeschwächte depressive Grundstimmung oder eine grüblerische Person zu beschreiben.

Woher kommt das Wort “melancholisch”?

Melancholisch beziehungsweise Melancholie kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet wortwörtlich “schwarzgallig”. Nach Hippokrates von Kos sorgt ein Überschuss schwarzer – im Sinne verbrannter – Galle im Blut für Gemütsveränderungen, die mit schwermütig, trübsinnig, traurig, misstrauisch und kritisch beschrieben werden können. Die schwarze Galle bildet nach Hippokrates Humoralpothologie (Viersäftelehre) den Endzustand verbrannter Leibessäfte.

In altrömischer Zeit bildete sich aus diesem Ansatz die Lehre von den Temperamenten. Dieses erste Persönlichkeitsmodell stellt den Melancholiker als einen der vier Grundcharaktertypen vor, die mit den vier Körpersäften korrespondieren. Melancholie wird demnach als Erkrankung des Gemüts und des Körpers verstanden, das verschiedene Symptome mit sich bringt.

Dieses Bild der Melancholie als Krankheitsbild hat sich bis weit in das Mittelalter hinein gehalten. Im Laufe der Zeit wurde Melancholie zu einem Sammelbegriff. So waren von der Liebeskrankheit über den spirituellen Schmerz eines Klostermönchs bis zur Verwirrtheit, Epilepsie, Migräne, Lähmungserscheinungen oder die Hysterie melancholische Leiden. Diese vieldeutige Verwendung macht den Begriff “melancholisch” bis heute nicht richtig greifbar.

Melancholie und Psychologie

Mit den fortschreitenden Medizinkenntnissen im 17. Jahrhundert verschwand die Verwendung der Melancholie als Krankheitsbeschreibung. Der Begriff wandelte sich zu einer Gefühlsbeschreibung und hielt sich in diesem Kontext weiter bis in die Anfänge der Psychologie und Psychoanalyse.

Mit Aufkommen dieser Wissenschaften Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts wurde zuerst versucht, den Begriff Melancholie wieder näher zu fassen und von anderen Gemütslagen abzugrenzen. Später wurde der Begriff ganz verworfen. In der heutigen Psychologie und Medizin allgemein findet der Begriff “melancholisch” oder “Melancholie” meist keine Verwendung mehr. Vor allem soll Melancholie nicht mit der psychischen Erkrankung der Depression gleichgesetzt werden.

Abgrenzung zu anderen Begriffen

Die frühere Bedeutungsvielfalt des Begriffs “melancholisch” zeigt sich bis heute im allgemeinen Sprachgebrauch bis zu einem gewissen Grad. “Melancholisch” gilt mittlerweile als eher veraltet, was auch auf die ähnlich verwendeten, aber nur Teile des Gefühls beschreibende, Begriffe “schwermütig” und “trübsinnig” zutrifft. Auch “grüblerisch” als Synonym im allgemeinen Sprachgebrauch ist eher veraltet und deutet nur auf einen Aspekt von “melancholisch”, ebenso wie “nachdenklich”.

Das Wort “depressiv” wird ebenfalls gleichbedeutend genutzt, wobei dieser Begriff, wie bereits ausgeführt, auf eine psychische Erkrankung abzielt. Vielmehr kann die Gleichsetzung von Melancholie und Depression gefährlich sein – wenn beispielsweise eine melancholische Person falsch als depressiv eingestuft wird und anders herum.

Da das Gefühl der Melancholie ohne konkreten Anlass entstehen kann, ist es ähnlich zu anderen, schlecht greifbaren Gefühlen. Der Weltschmerz liegt der Melancholie nahe, wobei dieser die eigene Unwichtigkeit im Vergleich zu den Geschehnissen der Welt als Kernelement des Gefühls beinhaltet.

Melancholie und Kreativität

Für viele Personen hat der Begriff “melancholisch” auch eine positive Note. Vor allem werden künstlerisch kreative Personen mit Melancholie in Verbindung gebracht. Obwohl es für diesen Zusammenhang keine Grundlage gibt, lässt sich die Herkunft dieser unterstellten Verbindung leicht erklären.

Da Melancholie als sehr früher medizinischer Begriff geprägt wurde und die Vorgänge im menschlichen Körper lange Zeit mit spirituellen und göttlichen Bedeutungen verknüpft waren, ergibt sich hieraus zunächst ein Zusammenhang zu Religion und Spiritualität. So wurde mit dem Melancholiker das Element Erde in Verbindung gebracht. Eher melancholische Personen sind Personen mit Sternzeichen Waage, Skorpion oder Schütze oder sie stehen unter dem Einfluss des Saturn.

Durch diese Verbindung haftet der Melancholie etwas Schöpferisches an. Weiterhin wurde in der Zeit der Romantik und der Renaissance die Melancholie selbst Thema der Kunst und Kultur und das melancholische Gefühl eine romantische Note beigefügt. Dieser positive, schöne Aspekt einer negativen Stimmung wird bis heute vor allem in der Kunst weitergetragen und prägt bis heute das Bild des melancholischen Künstlers. In Filmen, Musik, Bildern, Statuen, aber auch kulturellen Gruppen findet sich dieser Aspekt wieder.

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