Was bedeutet Nihilismus? – Erklärung

Der Begriff Nihilismus entstand aus dem lateinischen Wort „nihil“, was „nichts“ bedeutet. Er wurde durch den Schriftsteller Iwan S. Turgenew geprägt und steht für eine Weltanschauung, die alle positiven Aspekte des Lebens, wie Ziele, Ideale und Werte völlig verneint und ablehnt. Nihilismus steht ebenfalls für eine philosophische Anschauung, die alles Bestehende, alles Sein als sinnlos erachtet. Der Begriff wird auch von Kritikern und Gegnern religiöser und politischer Institutionen, wie Kirchen und politischen Ordnungen genutzt.

Im umgangssprachlichen Gebrauch steht Nihilismus für Verneinung aller positiven Werte und Ansätze. In Extremfällen geht der Nihilismus sogar so weit, dass selbst das Individuum an sich angezweifelt wird und somit selbst die eigene Existenz bedeutungslos wird.

Nihilismus im alltäglichen Sprachgebrauch

Wer als Nihilist bezeichnet wird, der kann das durchaus als Vorwurf ansehen. Denn im gesellschaftlichen Sprachgebrauch ist ein Nihilist jemand, der keinerlei Werte vertritt und der alles pessimistisch sieht.
Teilweise bezeichnet die Kirche jene Menschen als Nihilisten, die nicht an die Existenz von Jesus Christus oder Gott glauben.
Im politischen Sinne wird der Begriff auch für Menschen verwendet, die keiner Partei angehören, oder das politische System an sich ablehnen (z.B Anarchisten).

Nihilismus in der Philosophie

Aus der philosophischen Sicht bezeichnet Nihilismus eine Haltung, die die Existenz einer Wirklichkeit, die Geltung von Sittengesetzen oder das Bestehen einer beliebigen Wahrheit ablehnen. Verneint werden zum Beispiel ein Sinn des Lebens, die Existenz von Gott und übernatürlichen Wesen, moralische Werte oder die Weltgeschichte.
Nihilisten gehen davon aus, dass diese Vorstellungen einem nicht den richtigen Weg zu leben lehren können, weshalb sie diese strikt ablehnen. Ein anderer Grund für die Ablehnung, vor allem in politischen Fragen, ist der Protest.

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Der materialistische Nihilismus geht davon aus, dass die Materie, wie wir sie wahrnehmen, eigentlich gar nicht existiert.

Der ethische Nihilismus geht davon aus, dass es keine Werte gibt und aus diesem Grund auch keine Gesellschaftsordnung besser ist, als eine andere. Laut dieser Strömung ergeben sich alle Werte aus dem Zusammenleben von Menschen, Erziehung und Geschichte und können und sollten deshalb immer wieder in Frage gestellt werden.

Autor(in) des Artikels:

mm
studiert Lehramt an Gymnasien mit den Hauptfächern Deutsch und PoWi ( Universität Kassel )

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