Was bedeutet paraphieren? – Aufklärung

Paraphieren ist das Abzeichnen jeder einzelnen Seite der Endversion eines Vertrages durch mindestens je einen Vertreter der beteiligten Vertragsparteien. Dabei werden Namenskürzel oder Initialen von dazu bevollmächtigten Personen, meist in der unteren rechten Ecke des Vertrages, angebracht. Diese Namensabkürzungen können demnach der erste Buchstabe des Vornamens und der erste Buchstabe des Nachnamens sein, also die Initialen, beispielsweise „IM“ für Ingrid Mayerhofer. Oder Teile des Nachnamens, zum Beispiel für den Familiennamen Schuster die Abkürzung „Schu“.

Wozu paraphieren?

Bevor ein komplexer Vertrag von den Vertragsparteien unterzeichnet wird, erfolgen in der Regel viele Änderungen, die während der Verhandlungen besprochen werden. Mitunter kann dieser Prozess mehrere Wochen oder sogar Monate in Anspruch nehmen. Mit der Zeit entstehen auf diese Weise viele unterschiedliche Entwürfe des Vertrages. Damit keine alte Version des Vertrages zur endgültigen Unterzeichnung vorgelegt wird und um das Hinzufügen, bzw. Vertauschen von Seiten zu verhindern, werden sämtliche Seiten des endgültigen Vertrages von Vertretern der beiden Vertragsparteien paraphiert. Außerdem kann man so unter Umständen noch mehrere Jahre später nachvollziehen, wer mit der Ausarbeitung des Vertrages betraut war.

Wer paraphiert?

Oft paraphieren die Personen den Vertrag, die jeweils die Änderungen des Vertrages vornehmen. Sie müssen dabei nicht berechtigt sein, den Vertrag zu unterzeichnen. Die Paraphierung kann zum Beispiel durch die Abteilungsleiter der beteiligten Unternehmen erfolgen. Sie dient den Unterzeichnern des Vertrages, beispielsweise Geschäftsführern oder Prokuristen, vor allem als Beweis dafür, dass der Vertrag in dieser Form von beiden Vertragspartnern geprüft und für gut befunden wurde, man sich also auf diese Vertragsversion geeinigt hat. Es handelt sich dabei also um die finale Ausfertigung, die somit unterzeichnet werden kann.

Welche Verträge werden paraphiert?

Verträge an denen Privatpersonen beteiligt sind werden in der Regel nicht paraphiert. Das Versehen von Verträgen mit Paraphen ist hingegen bei Vereinbarungen zwischen Geschäftsleuten (B2B-Verträge) und Ländern (völkerrechtliche Verträge) üblich.

Warum paraphieren und nicht unterschreiben?

Manche Verträge umfassen nur wenige Seiten und sind demnach sehr übersichtlich. Andere Verträge sind hingegen sehr umfangreich. Der Vertragsentwurf für den Brexit besteht zum Beispiel aus ca. 600 Seiten. Selbst das Paraphieren eines so großen Vertrages nimmt viel Zeit in Anspruch. Müssten alle Seiten jedoch mit dem vollen Namen der beteiligten Personen unterzeichnet werden, würde dies bedeutend länger dauern. Das Paraphieren ist also schneller und einfacher zu bewerkstelligen, als das Unterschreiben aller Seiten des Vertrages. Die Unterschrift des Vertrages erfolgt in der Regel lediglich auf der letzten Seite durch die Personen, die dazu befugt sind, das jeweilige Unternehmen oder Land zu vertreten.

Ist das Paraphieren eines Vertrages rechtswirksam?

Wie bereits erwähnt, dient das Paraphieren eines Vertrages vor allem dem Zweck, die endgültige Vertragsversion mit allen dazugehörigen Seiten festzulegen. Rechtswirksam wird der Vertrag jedoch erst mit Unterzeichnung durch dazu berechtigte Personen.