Was ist „Adamismus“? – Aufklärung

„Family of Man“ – ein weltweiter Erfolg

Der Begriff des Adamismus wurde im Zuge der Ausstellung „Family of Man“ geprägt, die ab 1955 im Museum of Modern Art in New York zu sehen war. Nachdem sie hier einen bahnbrechenden Erfolg feierte, ging die Ausstellung auf Welttournee und zog in London, Paris, Berlin, Tokyo und vielen anderen Städten die Besucherscharen in ihren Bann.
273 Fotografen aus 68 Ländern zeigten 503 Fotografien. Sowohl Amateurfotografen als auch professionelle Künstler präsentierten ihre Arbeiten. Auswahlkriterium zur Teilnahme war es, dass die Werke dem humanen Ziel der Ausstellung entsprachen.
Seit 1994 ist die Ausstellung dauerhaft im luxemburgischen Schloss Clervaux installiert. Sie gehört seit 2003 zum Weltdokumentenerbe.

Humanismus als Konzept – alle Menschen sind Brüder?

Die Grundidee der Ausstellung war es, die Gleichheit des Menschen an sich darzustellen. Die menschliche Essenz, ungeachtet äußerer Unterschiede wie Hautfarbe, Geschlecht, Religion oder Herkunft sollte als verbindendes Element, als gemeinsame Natur zwischen allen Menschen betrachtet werden.
In 37 verschiedenen Themen wie zum Beispiel Liebe, Glaube, Familie, Krieg u.s.w. wurde versucht, dem Menschen eine verbindliche Mitmenschlichkeit nachzusagen, die dazu imstande wäre, Krieg und Zerstörung auf der Welt zu überwinden. Gewalt und Zerstörung auf der Welt sollten also durch die Kraft der Liebe beseitigt werden.

Adam als Ursprung der Menschlichkeit

Diese positive Essenz des Menschen sollte auf den starken Willen Gottes zurückgehen und durch Adam symbolisiert werden.
Adamismus bezeichnet also die von Gott etablierte Mitmenschlichkeit, die allen Menschen innewohnt und durch deren Kraft Ungerechtigkeit, Krieg und Leid auf der Welt überwunden werden.
Der Begriff des Adamismus hängt mit der philosophischen Bezeichnung „conditio humana“ zusammen und versucht, eine Definition des menschlichen Daseins zu liefern.

Kritik

Schon damals wurde das Konzept des Adamismus kritisiert.
Vor allem der postmoderne Philosoph Roland Barthes schrieb in seinem Essay „Die große Familie des Menschen“ zur Ausstellung „The family of Man“, dass bereits deren Titel eine „zoologische“ Klassifizierung sentimental und übermoralisch betrachten würde.
Der Adamismus wird im Geist der Nachkriegszeit betrachtet und repräsentiert den Wusch der Menschen nach einer besseren Welt. Gänzlich außer acht gelassen wurde die Tatsache, dass der Mensch selbst eben nicht nur gut ist, vielmehr sogar das Böse in sich trägt wie kein anderes Lebewesen. Die realen Verhältnisse wurden ignoriert.
Man könnte also behaupten, dass das Konzept des Adamismus einem dem Zeitgeist geschuldeten Wunschdenken entspricht.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich stimme zu.