Was ist der Informelle Sektor? – Erklärung & Beispiel

Kurz & einfach erklärt

Mit informellem Sektor ist der Teil des Arbeitsmarktes gemeint, der nicht in Statistiken zum Arbeitsmarkt abgebildet wird. In Entwicklungsländern macht der informeller Sektor einen großen Teil des Arbeitsmarktes aus. In industri- alisierten Ländern gehört hierzu der Teil der Schattenwirtschaft, der nicht unter den Begriff Schwarzarbeit fällt.

Der informelle Sektor in der Dritten Welt

In den Entwicklungsländern gibt es im informellen Sektor einige typische Berufe: hierzu gehören die Müllsammler und Müllverwerter, die Lastenträger und fliegenden Händler. Sie bekommen häufig nur einen geringen Lohn für ihre Arbeit, und auch die Umstände der Arbeit sind eher schlecht.

In Lateinamerika und in Nordafrika arbeiten etwa 50 Prozent der Bevölkerung im informellen Sektor. In Asien und Mittel- und Südafrika sind es sogar mehr als 60 Prozent.

Die meisten Menschen in den Entwicklungsländern müssen sich mit diesen Arbeitsbedingungen zufrieden geben, da sie häufig keine Berufsausbildung haben, und daher keine anderen Möglichkeiten, um Geld zu verdienen. Sie benötigen den geringen Lohn um zu Überleben.

Die Situation in Deutschland

In reichen Industrieländern gehört etwa der Beruf der Hausfrau zum informellen Sektor des Arbeitsmarktes. Aber auch Menschen, die ein Kleinstunternehmen eigenständig leiten, wie z. B. Kioskbesitzer, fallen unter diese Kategorie. In diesen Unternehmen arbeiten häufig Familienangehörige, die keine soziale Absicherung oder einen eigenen Arbeitsvertag haben.

Kennzeichen des informellen Sektors

Im informellen Sektor findet man häufig gewisse Beschäftigungsmodelle: Der Unternehmer wird als Privatperson tätig und wählt keine bestimmte Rechts -form für sein Unternehmen, wie z. B. eine GmbH. Man erhält als Mitarbeiter auch keinen Arbeitsvertrag. So kann der Staat auch keine Steuern für die Arbeit einnehmen. Gleichzeitig entfallen auch die gesetzlich vorgeschriebenen Arbeitnehmerrechte wie Kündigungsschutz, Mindestlohn, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, etc.. Auch die Krankenkassen und die Soialversicherungen bekommen so wenig oder kein Geld.

Folgen für die betroffenen Menschen

Viele Menschen, die im informellen Sektor arbeiten, haben nur ein geringes Einkommen. Da auch die soziale Absicherung und die Vorsorge fehlen, besteht für diese Menschen häufig ein hohes Armutsrisiko, oder auch das Risiko, später an Altersarmut zu leiden.

Sehr häufig werden diese Strukturen von Generation zu Generation weitergegeben. Auch die Kinder haben so weniger Bildungschancen, und eine schlechtere Gesundheitsversorgung. Häufig landen sie wieder in den gleichen prekären Arbeitsverhältnissen.

Auswirkungen auf die Volkswirtschaft

Im informellen Sektor wird nur wenig produziert, daher bezeichnet man ihn auch als Niedrigproduktivitätssektor. Dies wirkt sich auch auf die Volkswirtschaften aus. In diesem Sektor wird kein Kapital angesammelt, und daher hat er auch negative Auswirkungen auf das Wachstum und den Wohlstand einer Gemeinschaft.
In Deutschland bezieht sich der informelle Sektor zumeist auf den Dienstleistungsbereich, und ist somit ein Teil des Binnenmarktes. Hierdurch verringern sich die Erlöse des Exports und auch die Importe von ausländischen Gütern, Mitarbeiter des informellen Sektors bezahlen keine Beiträge für die Steure- und Sozialkassen. So bleibt dem Staat auch weniger Kapital, um die Wirtschaft anzukurbeln, oder Wachstumsanreize zu schaffen.

Vorteile des informellen Sektors

Es gibt nur einen Vorteil, den der informelle Sektor hat: Wenn es einen Überschuss an Arbeitskräften gibt, greift er selbstregulierend ein. Durch ihn entsteht ein System der Grundversorgung, dass für eine Gesellschaft in Krisenzeiten notwendig ist.

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