Was ist ein Bootleg? – Bedeutung & Erklärung

Was ist ein Bootleg

Bei einem Bootleg handelt es sich um Tonaufnahmen, seltener einen Film, welche nicht durch den eigentlichen Rechteinhaber oder Künstler autorisiert wurden und durch Dritte in den Handel gelangen. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um Mitschnitte von Live-Konzerten, die von Fans, aber auch Personen, die sich auf die professionelle Herstellung von Bootlegs spezialisiert haben, gemacht wurden. Da die Aufnahmen unerlaubt getätigt und vertrieben werden, ist ihre Verbreitung illegal und damit strafbar.

Bootlegs sind darüber hinaus nicht einfach nur private Aufnahmen, die auf Platte oder CD gepresst und dann im kleinen Kreis weitergegeben werden – Bootlegs zeichnen sich auch dadurch aus, dass eine regelrechte Industrie hinter ihnen steht. Derartige Aufnahmen werden in aller Regel professionell auf Tonträger gebracht und mit richtigen Album-Covern verkauft, sodass sie den Anschein einer offiziellen Veröffentlichung erwecken.

Abgrenzung

Nicht zu verwechseln sind Bootlegs mit Raubkopien. Bei letzteren handelt es sich um die unerlaubte Kopie und Verbreitung einer offiziellen Aufnahme, z.B. eines Albums, während bei Bootlegs der Tonträger Material beinhaltet, der nie zur Veröffentlichung bestimmt war.

Begriffsherkunft

Der Begriff “Bootleg” geht auf die Prohibition in den USA zurück. Damals wurden Schnapsflaschen oftmals im Stiefelschaft, englisch “bootleg”, vor Kontrollen versteckt. Diese ursprüngliche Bedeutung des Schmuggelns wurde dann auf solche unerlaubten Tonträger übertragen, die ebenso “unter der Hand” verbreitet wurden.

Geschichte

Theoretisch begann die Geschichte der Bootlegs mit der Erfindung der Phonographenwalze 1885, welche unkomplizierte Tonaufnahmen erstmals ermöglichte. Praktisch erlebten die Bootlegs ihren Boom erst in den 1960er-Jahren, in denen die Rockmusik zu großer Popularität gelangte.

Bekannte Größen aus der Szene wie Bob Dylan, die Beatles oder Led Zeppelin gaben oft fulminante Live-Shows auf den verschiedensten Bühnen, richtige Live-Mitschnitte und offizielle Live-Alben waren zu der Zeit aber noch äußerst rar. Vor allem Fans dieser Künstler hatten den starken Wunsch, die Energie ihrer Idole auf der Bühne und nicht nur im Studio einzufangen und begannen, mit tragbaren Aufnahmegeräten die Konzerte einfach mitzuschneiden.

Verbreitung

Bootlegs erfreuten sich zu dieser Zeit besonders in den Vereinigten Staaten, Europa und Japan einiger Popularität. Die Auflagenstärke schwankte je nach Region zwischen einigen hundert und über 1000 Kopien, die in den Handel gelangten. Dort bildete sich ein richtiger Markt für derartige Aufnahmen.

Als die Qualität der Mitschnitte im Laufe der Zeit immer besser wurde und auch die Möglichkeiten bei der Gestaltung der Covers und beim Vertrieb vielfältiger wurden, landeten Bootlegs immer häufiger in ganz regulären Plattengeschäften. Auch wurde dieser Marktzweig so professionell, dass Abgrenzungen der Aufnahmequalität von “poor” (schlecht) bis “excellent” (ausgezeichnet) als Qualitätssiegel für die Käufer dienten.

Wirtschaftlicher Schaden

Der Musikindustrie entsteht durch unautorisierte Bootlegs ein wirtschaftlicher Schaden, da weder Plattenfirmen noch Künstler an den Verkäufen beteiligt werden. 1967 gab die International Federation of the Phonographic Industry, ein internationaler Verband zur Wahrung der Urheberrechte bei Tonträgern, den entstandenen Schaden noch mit 100 Millionen US-Dollar an, und hob diese Summe bis 1987 auf 1,5 Milliarden US-Dollar an.

Rechtliche Gegenmaßnahmen

Trotz der hohen Beliebtheit solcher Aufnahmen blieben und bleiben Bootlegs ein Schattengeschäft. Viele Künstler versuchen, Bootlegger auf juristischem Weg zu verfolgen und die Verbreitung zu unterbinden. In Norddeutschland fand so etwa Anfang der 1990er-Jahre eine der größten Razzien gegen die Bootleg-Szene statt, bei der in Hausdurchsuchungen etwa 100.000 Tonträger im Wert von 2,6 Millionen DM sichergestellt wurden.

Andere Gegenmaßnahmen

Andere Künstler suchen im Umgang mit Bootlegs allerdings auch kreativere Maßnahmen. Manche Musiker verkaufen direkt nach den Konzerten CD-Mitschnitte für Ihre Fans, damit diese eine geringere Motivation haben, den Auftritt selber illegal aufzunehmen. Die Gruppe Grateful Dead stellte bei ihren Konzerten sogar Bereiche zur Verfügung, in denen Zuhörer unbehelligt ihre Aufnahmegeräte aufbauen konnten. Diese Maßnahme schien wirkungsvoll zu sein – Grateful Dead gehörten innerhalb ihres Genres über Jahre trotz dieser erlaubten Bootlegs zu den Spitzenverdienern.

Andere Künstler wiederum erkannten den Kultstatus der Bootlegs an, indem sie vormals illegale Mitschnitte kurzerhand offiziell in ihr Repertoire aufnahmen und veröffentlichten. Bekannte Beispiele hierfür sind z.B. Frank Zappas “Beat the Boots” oder die “Led Zeppelin BBC Sessions”.

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