Was ist ein Faschist? – Erklärung & Geschichte

Was ist ein Faschist

Begriffsklärung des Faschismus

Der Faschismus kann auf zweierlei Art definiert werden:

Zum einen kennzeichnet er bestimmte Bewegungen innerhalb der europäischen Geschichte (wobei es auch außereuropäische, zumindest Faschismus-ähnliche Regime und Strömungen gibt). Der erste Staat, der als faschistisch bezeichnet werden kann, ist Italien unter “Il Duce” Benito Mussolini (1922-1943/45). Deutschland unter Adolf Hitler (1933-1945) wird ebenfalls als faschistisch bezeichnet, genauso wie die kroatischen Ustascha oder – zumindest zum Teil – die Franco-Diktatur in Spanien (1936-1977). Folgende Kennzeichen haben diese politischen Bewegungen gemeinsam:

  • ausgeprägter Führerkult
  • totalitär
  • antiliberal
  • antikommunistisch
  • nationalistisch
  • paramilitärisch
  • offener staatlicher Terror
  • Massenbewegungen, Gemeinschaft als Wert

Diese Bewegungen bemühten sich nach dem 1. Weltkrieg in Europa die parlamentarischen Demokratien abzulösen (wie zum Beispiel die Weimarer Republik) und durch ein nach dem Führerkult ausgerichtetes totalitäres Herrschaftssystem zu ersetzen. Faschismus und Faschist sind auf diese Weise betrachtet historische Begriffe.

Ein zweiter Definitionsansatz zielt hingegen auf den Faschismus als ideologisches Konstrukt. Verschiedene Elemente machen dabei diese Ideologie typischerweise aus:

  • Personen- und Führerkult
  • Überhöhung der eigenen Nation mit gottgegebenem Führungsanspruch, Abwertung anderer Völker als minderwertig
  • Konzept des “starken Staates”
  • Gewalt als legitimes Mittel
  • Rassismus und Antisemitismus
  • Männlichkeitskult, Paramilitarismus
  • Verherrlichung des Krieges
  • Ablehnung demokratischer Prinzipien
  • Ablehnung traditioneller Religionen, weltliche Ersatzreligionen (z.B. Adolf-Hitler-Weihestätten, Kult des Höchsten Wesens)

Ein Faschist ist demgemäß ein Anhänger einer faschistischen Ideologie oder einer politischen Strömung, die dem Faschismus zuzuordnen ist. bzw. beides. Ideologisch betrachtet ist ein Faschist kein historischer Begriff, sondern der Anhänger einer bestimmten Weltanschauung.

Der Faschismus in der Geschichte

Es sind vielerlei Versuche unternommen worden, die Ursprünge und Wurzeln des Faschismus zu bestimmen. Während manche in einem Faschisten den Anhänger einer politischen Bewegung und Ideologie sehen, die sich seit den 1920er-Jahren vor allem gegen den Marxismus und Kommunismus wendeten, sehen andere die Ursprünge woanders.

Sie lokalisieren die ersten Anfänge des Faschismus im “Bund der Landwirte”, der mächtigsten Interessenvereinigung im Deutschen Kaiserreich. Dieser soll strukturell, agitatorisch und ideologisch ein Wegbereiter des Faschismus gewesen sein und die notwendigen gesellschaftlichen Voraussetzung in Deutschland für die spätere Etablierung des Faschismus geschaffen haben..

Historiker, die den Begriff des Faschismus eng interpretieren, betrachten Faschismus ausschließlich als eine Epoche in der europäischen Geschichte, die die Regime in Deutschland unter Adolf Hitler und in Italien unter Benito Mussolini betraf, und nach dem 2. Weltkrieg ihr Ende fand. Mussolini soll dabei der eigentliche “Erfinder” des Faschismus und der erste Faschist gewesen sein. Adolf Hitler orientierte sich an Mussolini, schaffte es aber im Gegensatz zu diesem, Widersacher auszuräumen (Machtergreifung 1933, Röhm-Putsch 1934), seinen Herrschaftsanspruch durchzusetzen und die Tötungsmaschinerie des Terrors zu perfektionieren.

Mussolini soll sich dabei bei der Etablierung seiner Herrschaft folgende gesellschaftlichen Strukturen in Italien zunutze gemacht haben: Nach dem 1. Weltkrieg existierten insbesondere in Sizilien sogenannte “fasci die combattimento”, was übersetzt “kleine Kampftrupps” bedeutet. Diese Bünde waren Zusammenschlüsse von jungen Männern, meist bäuerlicher Herkunft. Sie waren extrem nationalistisch, sahen in Gewalt ein legitimes Mittel und kämpften gegen die sozialistische Arbeiterbewegung.

Dieses Prinzip soll Mussolini für sich genutzt haben, um basierend auf paramilitärischen Strukturen der Gewalt und des Terrors seinen Führungsanspruch auszubauen. Auf fruchtbaren Boden fallen konnte diese Bewegung, da ganz Europa sich nach dem 1. Weltkrieg in einem fundamentalen Wandel befand, wobei sich vor allem Länder wie Italien und Deutschland als die großen Verlierer des Krieges sahen. In Zeiten großer Unsicherheit in Verbindung mit wirtschaftlicher Instabilität gewannen die faschistischen Bewegungen deswegen schnell an Popularität.

Faschisten heute?

Aufgrund der verschiedenen Definitionsansätze (historisch oder ideologisch) ist es umstritten, ob heutige nationalistische Bewegungen in Europa als faschistisch bezeichnet werden können. Bewegungen, die nach dem 2. Weltkrieg entstanden sind und dem Faschismus zuzuordnen sind, werden manchmal als neofaschistisch bezeichnet. Umgangssprachlich findet sich auch der Begriff des Neonazis.

Sind Anhänger der extremen Mitte wie die AfD oder Pegida Faschisten? Kann auch die Bewegung von Marine Le Pen in Frankreich als faschistisch eingeordnet werden? Aufgrund der geschilderten Problematik kann diese Frage in diesem Rahmen nicht abschließend beantwortet werden. Jedoch muss berücksichtigt werden, dass der Faschismus untrennbar mit einer bestimmten Ideologie verknüpft ist.

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