Was ist ein Hendiadyoin? – Beispiele, Wirkung & Erklärung

Sprache ist vielfältig und ihre rhetorischen Mittel ebenso. Zu diesen zählt auch das Hendiadyoin, das wir hin und wieder in den unterschiedlichsten Texten, -formen und -sorten antreffen. Dabei haben wir uns auch gerade eines Hendiadyoins bedient, denn hin und wieder ist, ebenso wie ab und zu ein Hendiadyoins für das Wort ‘manchmal’. Dabei erhalten wir schon eine gute Idee, was mit dem rhetorischen Mittel des Hendiadyoins zum Ausdruck gebracht wird: Es wird ein komplexer Begriff durch zwei, häufig durch die Konjunktion ‘und’ verbundene, Wörter ersetzt.

Gleichzeitig spricht man auch dann von einem Hendiadyoin, wenn in einer Verbindung von einem Adjektiv und einem Substantiv das Attribut durch ein zweites Substantiv ausgetauscht wird. Doch jetzt schauen wir noch genauer hin, was das Hendiadyoin in und mit unserer Sprache alles macht.

Wortherkunft und Abgrenzung

Etymologisch stammt das Hendiadyoin aus dem Griechischen und bedeutet wörtlich übersetzt ‘eins durch zwei’. Schon aus der Übersetzung lässt sich also schon der Einsatz eines Hendiadyoins ableiten. Denn aus eins mach zwei; ohne dass sich an der Aussage und dem Sinn eines Satzes etwas ändert.

Oft verwechselt, jedoch abzugrenzen, ist das Hendiadyoin von der Tautologie, denn auch bei dieser wird durch die Verbindung zweier Einzelwörter eine begriffliche Aussage geschaffen. Der Unterschied liegt bei der Tautologie jedoch darin, dass die zur Aussage gefassten Einzelwörter auch für sich alleine nicht ihre verwendete Bedeutung verlieren. Beim Hendiadyoin verlieren die Wörter, stehen sie alleine, den durch ihre Verbindung erzeugten Sinn. Tautologien sind u.a. ‘nie und nimmer’, ‘immer und ewig’ aber auch ‘Reih und Glied’. Als Hendiadyoin gelten hingegen Verbindungen ‘ab und zu’, ‘klipp und klar’ aber auch ‘Feuer und Flamme’.

Hier ist deutlich zu erkennen, dass der Sinn erst durch die Verbindung der zwei einzelnen Wörter geschaffen wird. In der Tautologie stehen jeweils immer zwei Wörter in Verknüpfung, die eine ähnliche Bedeutung haben, wie das Beispiel ‘nie und nimmer’ zeigt. Hier bedeuten beide Wörter Ähnliches, die Gleiches meinen und auch ohne die Verbindung nicht an Sinn verlieren. Ein typisches Beispiel für die Tautologie ist das von Friedrich Schiller verfasste Gedicht ‘Dithyrambe’: ‘Nimmer, das glaube mir / Erscheinen die Götter, / Nimmer allein. In diesen Beispiel kann das zweite ‘Nimmer’ auch durch ‘Nie’ ersetzt werden, ohne dass sich die Aussage der Verse verschieben würde. Beim Hendiadyoin hingegen wird durch die Verbindung zweiter Wörter ein neuer Sinn, bzw. eine neue Aussage erzeugt.

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Das Hendiadyoin ‘Feuer und Flamme’ ist hierfür ein gutes Beispiel: Ist jemand ‘Feuer und Flamme’, so ist er begeistert und voller Freude. Allerdings kann dieser jemand nicht nur ‘Feuer’ oder nur ‘Flamme’ für etwas sein. Durch das Hendiadyoin wird somit eine neue, komplexere Begrifflichkeit geschaffen. Oft sind auch einzelne Wörter ohne die Verbindung zum Hendiadyoin nicht mehr im allgemeinen Sprachgebrauch bekannt, wie die Beispiele ‘klipp und klar’ sowie ‘frank und frei’ zeigen. Das Hendiadyoin ist somit klar von der Tautologie abzugrenzen und zu unterscheiden.

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Die Bildung eines Hendiadyoins

Grundsätzlich wird ein Hendiadyoin durch zwei Verben oder zwei Substantive, die sich ergänzen, gebildet. Zur Verdeutlichung folgen auch hier wieder einige Beispiele:

  • die eiserner Rüstung wird zu: In ‘Eisen und Rüstung’
  • Wangenröte wird zu: ihre ‘Röte und Wangen’
  • der Glücksstern wird zu: ‘Glück und Stern’

Auch hier wird wieder durch zwei Wörter eine neue, komplexe Begrifflichkeit geschaffen, die als Stilmittel des Hendiadyoins bezeichnet wird. Die dafür verwendeten Wörter sind nebengeordnete oder sich ergänzende Substantive oder aber auch Verben.

In einzelnen Fällen kann das Hendiadyoin aber auch durch ein Attribut eines Wortes oder durch ein aufgebrochenes Substantiv ersetzt werden. Hier wird eine Verbindung von Attribut und Substantiv durch zwei Substantive aufgelöst und ersetzt.

In der Feinheit liegt der Unterschied: Hendiadyoin, Hendiatris, Hendiatetris

Während ein Hendiadyoin aus zwei Begriffen gebildet wird, sieht es anders beim Hendiatetris und Hendiatris aus. Das Hendiatris nutzt für das Erschaffen einer neuen Begrifflichkeit drei Wörter. Ein klassisches Hendiatris ist ‘Friede, Freude, Eierkuchen’ sowie ‘Wein, Weib und Gesang’ für die Beschreibung eines Lebensstils. Das Hendiatetris steigert sich auf vier Wörter, wobei es im Deutschen weniger anzutreffen ist. Der Klassiker ist hier ‘frisch, fromm, fröhlich, frei’.

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