Was ist ein Lagerzins in BWL? leichte Erklärung

Was ist ein Lagerzins in BWL

Der Lagerzins ist eine rechnerische Größe in der Betriebswirtschaftslehre, der aussagt, welche Kosten dem Betrieb durch das im eingelagerten Warenbestand gebundene Kapital entstehen. Zur Ermittlung dienen Größen wie der durchschnittliche Lagerbestand, die durchschnittlichen Lagerdauer und ein marktüblicher Zinssatz.

Die Lagerhaltung eines produzierenden Betriebes oder Händlers

Wer Waren herstellt verkauft diese meistens nicht sofort, sondern lagert sie nach der Produktion ein und verkauft sie nach und nach ab. Die Lagerhaltung hat den Vorteil, dass Spitzen bei der Nachfrage einfach ausgeglichen werden können und Kunden nicht erst auf die Herstellung oder Lieferung einer Ware warten müssen.

Nicht produzierende Betriebe wie Zwischenhändler verfügen meistens auch über Lagerhaltungen. Ganz ähnlich ist es bei großen Einzelhandelsbetriebe wie Baumärkten oder Kaufhäusern, die ebenfalls einen gewissen Bestand der beliebtesten Artikel in einem Lager bereithalten.

Neben den Lagern mit bereits verkaufsfertigen Waren existierten solche, in denen Rohstoffe für die Produktion aufbewahrt werden. In einem Maschinenbaubetrieb können dies Metalle, Schrauben, Plastikteile und weitere Rohmaterialien sein. Produziert der Hersteller kontinuierlich, werden die im Rohmaterial-Lager befindlichen Produktionsmittel ständig „umgeschlagen“, das bedeutet, sie werden verwendet, verarbeitet und als fertiges Produkt dann entweder wieder eingelagert oder sofort verkauft.

Bei einem Händler fertiger Waren ist es ganz ähnlich. Verkauft dieser gut, ändert sich der Warenbestand im Lager ständig. Eingekaufte Handelswaren verlassen das Lager in den Verkauf, bringen einen Verkaufserlös ein und neue Waren können in da Lager Einzug halten.

Im Lager gebundenes Kapital

Die Waren im Lager stellen einen gewissen Wert dar. Bei Handelswaren gibt es zweierlei Werte. Den Wert, den der Händler für die Ware bezahlt hat, also den Einkaufspreis und den Wert, den die Waren im Verkauf erzielen, also der Verkaufspreis. Dazwischen liegt der Gewinn des Händlers.

Bei einem produzierenden Betrieb ist die Ermittlung des Wertes der eingelagerten Waren etwas komplizierter. In den Preis der Herstellung fließen viele Größen mit ein. Neben den verarbeiteten Rohmaterialien und Einzelteilen kommen Arbeitszeiten und Energieaufwand durch Elektrizität und den Betrieb von Fertigungsmaschinen dazu.

Der Warenbestand im Lager einer Firma wird zum Kapital gezählt, da die Waren aus dem Kapital der Firma hergestellt oder damit eingekauft wurden und beim Verkauf neues Kapital erwirtschaften. Verweilen Waren aus verschiedenen Gründen über einen langen Zeitraum in einem Lager spricht man von „gebundenem Kapital“. Der Betrieb kann die Waren nicht verkaufen, bekommt keinen Erlös, aus dem er zusätzlich entstandene Kosten bezahlen kann und somit werden auch keine Waren nachproduziert. Dazu kommen Kosten für die Lagerhaltung. Das kann unter Umständen sehr teuer sein, vor allem wenn Lager angemietet werden müssen und nicht zum Betriebseigentum zählen.

Betriebe versuchen im Lager gebundenes Kapital so gering wie möglich zu halten. Aufgrund der manchmal sehr hohen Lagerkosten sind viele Betriebe auch auf eine Just-in-time-Produktion umgestiegen. Das bedeutet, sie fertigen Waren so nahe wie möglich am Verkaufszeitpunkt und versuchen die Waren möglichst ohne Lagerung direkt an den Kunden weiterzugeben. Dies erfordert eine sehr feine Kalkulation und einen exakten Abgleich der Herstellungsprozesse mit der Nachfrage. Nur ist die nicht immer kalkulierbar und diese Art der Produktion ist auch nicht für alle Sparten möglich.

Was ist denn nun der Lagerzins?

Der Lagerzins, abgekürzt LZ gibt an, welche Kosten dem Betrieb durch das im durchschnittlichen Lagerbestand gebundene Kapital entstehen. Geld, das sich nicht im Umlauf befindet und Waren, die dem Betrieb aktuell keinen Gewinn verschaffen sind, gebundenes Kapital, das der Firma nicht flüssig zur Verfügung steht.

Zur Ermittlung des Langerzinses braucht man zunächst den Lagerzinssatz. Dieser wird über einen banküblichen Zinssatz sowie die durchschnittliche Lagerdauer der Güter berechnet. Multipliziert man diese beiden Größen und teilt sie anschließend durch die in der Wirtschaftsrechnung üblichen 360 Tage für ein Jahr erhält man den Lagerzinssatz.

Marktüblicher Zinssatz % x durchschnittliche Lagerdauer /360 Tage = Lagerzinssatz %

Der Lagerzins berechnet sich nun wie folgt

Lagerzinssatz x durchschnittlicher Lagerbestand Euro x Einstandspreis / 100 = Lagerzins Euro

Das mag für den Laien eine schwer verständliche Rechnung und Größe innerhalb des Betriebes darstellen. Dauerhaft ermittelt und überprüft kann der Lagerzins eine wertvolle Hinweisquelle sein, wie produktiv und effektiv ein Betrieb in Hinsicht auf den Warenumschlag, die Lagerdauer und der damit verbundenen Lagerkosten arbeitet. Der Lagerzinsatz und der Lagerzins vermindern sich mit der Häufigkeit des Warenwechsels im Lager.

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