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Was ist ein Sonett? – einfach erklärt, Beispiele, Merkmale

  • by Anatoli Bauer

Man kommt in der Schule oder im Studium mit allerlei Dichtformen in Berührung. Man muss sie analysieren, interpretieren, sie erkennen und formal benennen können. Und es gibt viele verschiedene Spielarten der Dichtung. So zum Beispiel das Sonett, was wohl zu den bekanntesten Gedichtformen gehört.

Allgemeines

Das Sonett ist also eine Gedichtform und leitet sich aus dem lateinischen her vom Wort “tönen” oder “klingen” und auch das Wort “Sonate” ist ein Hinweis auf den Charakter eines Sonetts. Im Barock nannte man diese Dichtform auch “Klanggedicht”. Das deutsche heute gebrauchte Wort stammt von dem italienischen Namen “sonetto” ab.

Aufbau und Spielarten

Ein Sonett besteht aus 14 Verszeilen, die metrisch gegliedert sind. Das italienische Original hat zwei vierzeilige Quartette und zwei dreizeilige Terzette. Im Deutschen sind die Verse meist im fünfhebigen Jambus gedichtet, jedoch kann es auch vorkommen, dass ein sogenannter Alexandriner vorkommt, also ein sechshebiger Jambus, was auch in der französischen Version vorkommt.

Die Kadenz kann sowohl weiblich als auch männlich sein.

Das Gedicht hat auch eine englische Version, die in der Form verändert wurde. Hier gibt es drei Quartette werden ein sogenanntes “heroic couplet”, das Versmaß ist aber noch immer ein fünfhebiger Jambus. Diese Versionen sind vor allem nach Shakespeare höchstpersönlich benannt, da er der bekannteste ihrer Verfasser war.

Ein Reimschema für ein Sonett wäre zum Beispiel:

abb cddc eef ggf, welche sich aber noch variieren lassen können.

Ganze Zyklen

Sonette wurden in der Geschichte immer wieder zu ganzen Zyklen zusammengesetzt, die aufeinander aufbauten und selbst miteinander verbunden waren und aufeinander eingingen und Zeilen der vorangegangenen beinhalteten. Damit war es möglich, größere Sachverhalte, Geschichten, Stücke oder ähnliches zu dichten, ohne sich um den Platz beschränken zu müssen, ohne aber zu sehr auszuufern, um einen Roman oder eine Novelle verfassen zu müssen.

Inhalt

Oft beschäftigen sich Sonette mit einer These, einer Antithese und der anschließenden Synthese, ganz so, als sei ein Sonett eine kleine, sich reimende Erörterung.

In der italienischen Form wird die These im ersten Quartett erörtert, die Antithese ihrerseits im zweiten Quartett und die Synthese erfolgte dann in den Terzetten.

Man konnte aber auch nur Thesen in Quartetten und Antithesen in den Terzetten behandeln.

Geschichte

Aufgekommen ist das Sonett zum ersten mal im 13. Jahrhundert in Italien. Heute vermutet man unter anderem arabische Dichtkunst als erheblichen Einfluss auf die Form und Entwicklung der Sonette.

Später nahm sich Shakespeare ihrer an und schrieb wohl die bekanntesten Sonette der Weltliteratur, die noch heute hundertfach besprochen, interpretiert, erforscht werden und als Inspiration gelten.

Später wurden sie auch in Deutschland immer bekannter und beliebter und im sogenannten Vormärz war das Sonett dann das beliebteste Ausdrucksmittel der Dichtung überhaupt.

Beispiel

Hier soll das Sonett “Natur und Kunst” von Johann Wolfgang von Goethe als Beispiel dienen.

a Natur und Kunst, sie scheinen sich zu fliehen
b und haben sich, eh’ man es denkt, gefunden;
b der Widerwille ist auch mir verschwunden,
a und beide scheinen gleich mich anzuziehen.

a Es gilt wohl nur ein redliches Bemühen!
b Und wenn wir erst, in abgemessnen Stunden,
b mit Geist und Fleiß uns an die Kunst gebunden,
a mag frei Natur im Herzen wieder glühen.

c So ist’s mit aller Bildung auch beschaffen.
d Vergebens werden ungebundne Geister
e nach der Vollendung reiner Höhe streben.

c Wer Großes will, muss sich zusammenraffen.
d In der Beschränkung zeigt sich erst der Meister,
e und das Gesetz nur kann uns Freiheit geben.”

Auch hier bilden zwei Quartetten den Anfang, woran sich dann die zwei kürzeren Terzetten anschließen. Auch hier ist ein fünfhebiger Jambus verwendet worden und das Reimschema ist so, wie man es von einem klassischen Sonett benutzen würde.

Kleine und feine Dichtung

Man kann sagen, dass das Sonett eine kleine, aber überaus feine Dichtkunst ist. Man kann es wirklich klingen und singen hören, wenn man es vorträgt oder vorgetragen bekommt. Die Dinge sind auf den Punkt gebracht und kurz, und wenn man sich mehr wünscht, kann man ganze Zyklen draus erschaffen. Das machte das Sonett zu einer der aller beliebtesten Dichtungen aller Zeiten und es ist noch heute in Gebraucht, wird besprochen, wird gedichtet und noch heute erfreuen sich die Menschen einfach an einem Gedicht, was kurz ist, auf den Punkt und doch streng seinen Regeln folgt.

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