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Was ist ein Vers im Gedicht? – Aufklärung, Beispiele, Synonyme

  • by Anatoli Bauer

Gedichte interpretiert man immer wieder in der Schule oder im Studium. Man betrachtet sie, analysiert sie und schreibt dann die eigenen Gedanken darüber auf. Aber was ist eigentlich ein Vers in einem Gedicht genau?

Definition

Ein Vers ist eine Reihe metrisch gegliederter Rhythmen, wenn man so will. Das ist die kürzeste Definition, die man geben kann. Man spricht auch von Verszeilen.

Verse kann man auch weiter gliedern und verbinden, zu Reimen oder Alliterationen. Aber das Metrum muss dabei immer wiederkehren, da es sonst einfach nur ein Satz wäre. Der Vers, ganze Verse und Strophen werden so getaktet, dass sie unterbewusst ein Gefühl beim Leser erzeugen können.

Man unterscheidet auch zwischen verschiedenen Versformen, allein aufgrund der rhythmischen Struktur, die vorliegt. Und dieser Versformen kann man zusammenfassen zu ganzen Versgattungen. So vielschichtig ist inzwischen die Dichtung über all die Jahrhunderte geworden.

Metrum

Meistens wird ein Jambus benutzt. Man betont eine Silbe, lässt die nächste wieder unbetont und so weiter. Damit kann man ein gutes Rhythmusgefühl schaffen und zum Beispiel das Trappeln eines Pferdes simulieren, was durch den Wind und die Nacht reitet. Oder einen Herzschlag. Es ist unscheinbar, aber davon lebt der ganze Vers.

Bedeutung für ein Gedicht

Ohne einen Vers kann es keine Strophen und gar keine Gedichte geben. Sie sind also absolut wichtig und fundamental für Gedichte. In den modernen Gedichten braucht es nicht mal mehr wirklich eine Metrik oder Regelmäßigkeit, aber ein Vers ist immer wichtig. Ausgenommen sind davon allerhöchstens die Prosagedichte, die noch mal eine ganz eigene Form der Dichtung sind.

Verse bilden also das Fundament eines jeden Gedichts, das man in der Schule bespricht und der Dichter, wenn er sie zu benutzen weiß, kann mit den Regeln spielen, dem Rhythmus spielen und so weiter.

Auch andere Werke haben Verse

Aber es haben auch andere Werke Verse und Metren, sind aber kein Gedicht. So ist die Odyssee von Homer ein Epos und ist auch in einem Hexameter gedichtet. Es hat also auch Verse mit Hebungen und verfügt damit auch über Rhythmus.

Alt und eingängig

Der Vers ist uralt. Älter als die Prosa. Der Vers ist eingängig. Man kann sich Verse leicht merken. So ist auch die Bibel in Versen geschrieben, die man leicht sehen kann, leicht behalten kann, leicht zitieren kann. Bei längeren Schachtelsätzen ist das sehr viel schwerer. Aber ein Vers hat gebündelte Informationen auf den Punkt gebracht und ist daher besonders eingängig.

Warum es Dichtung heißt

Es heißt nicht umsonst Dichtung. In einen einzigen Vers passen unheimlich viele Information, mit der man wohl eine ganze Seite in Prosa füllen kann. Schmerz, Freude, Elend, Tod, Vergänglichkeit. All das passt in eine Verszeile. Man kann jede einzelne Verszeile eines jeden Gedichtes einzeln interpretieren und analysieren. Und das macht es in der Dichtung so schwer. Inhalt und Kürze. Gute Dichter schaffen genau das und werden dadurch unsterblich und für immer bewundert.

Beispiel

Ein Beispiel für einen Vers wäre aus dem Erlkönig von Goethe:

“Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?”

Damit ist eine Frage gestellt und doch eine Menge an Informationen gegeben, die in den nächsten Versen weiter und weiter vertieft werden und auch beantwortet werden.

Berührt den inneren Rhythmus

Der Vers, das Metrum, das Gedicht als solches ist deshalb so zeitlos und schon Jahrtausende alt, weil wir als Menschen rhythmische Wesen sind. Wir tanzen, lieben Musik und so weiter. Alles geht auf Gedichte zurück und Gedichte entspringen dem auch. Rhythmusgefühl erschafft es, und es erlaubt es auch, es verstehen zu können. Der Mensch wird immer dafür empfänglich sein, der eine mehr, der andere weniger, doch wir lieben es, weil wir uns mit Regelmäßigkeit und Ordnung gut anfreunden können. Dann ist alles berechenbar. Dann ist alles gut und ein Vers ist da wohl die kleinste Einheit, die Regelmäßigkeit in unser Leben bringen kann und dennoch Informationen an uns tragen kann, die unser neugieriges Gehirn so gerne hat. Das wird Gedichte wohl noch immer erfolgreicher machen und Menschen haben ihren Spaß beim Musikhören, beim Dichten, beim Tanzen und so weiter. Der Vers ist ein ständiger Begleiter und man sollte sich immer mal wieder mit ihm beschäftigen und ihn lesen, um ihn noch besser zu verstehen.

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