Was ist eine Abrissparty? Aufklärung

Was ist eine Abrissparty

In Zeiten des Internets hat sich auch die Feierkultur gewandelt. Während früher dem Ansturm auf eine Party allein schon durch eingeschränkte Kommunikationsmöglichkeiten Grenzen gesetzt waren, sind diese heute potenziell geöffnet. Eine kleine WhatsApp-Nachricht genügt, um spontan Freunde einzuladen. Wer nicht aufpasst, veranstaltet so eine gigantische Abrissparty mit zu vielen Leuten auf zu engem Raum.

Doch der Begriff Abrissparty hat noch eine andere Dimension. Der Duden bezeichnet damit eine Veranstaltung, die vor dem tatsächlichen Abriss beziehungsweise Umbau eines Gebäudes stattfindet. Diese kann öffentlich oder privat organisiert sein. Der Vorteil ist, dass Beschädigungen an der Einrichtung durchaus in Kauf genommen werden und vielleicht sogar beabsichtigt sind.

Feiern bis zum Morgengrauen

Man kann also sagen, der ursprüngliche Wortsinn, wie er im Duden verankert ist, hat über die Zeit eine metaphorische Komponente gewonnen. Eine Abrissparty muss nicht mehr bedeuten, hinterher das Gebäude wirklich einzureißen.

Der Abriss verlagert sich eher auf die Eskalation im Feiern, was beispielsweise ausufernden Alkohol- oder Drogenkonsum mit sich bringen kann. Mit einer Nach-mir-die-Sintflut-Mentalität gewinnt die Party einen gewissen Kick. Was danach mit der Einrichtung passiert, ist egal. Daran wird sich außer dem Gastgeber wahrscheinlich sowieso niemand mehr erinnern. Mangelnde Erinnerung und ein sich spaltender Schädel sind wiederum die besten Zeugnisse für eine gelungene Abrissparty. So schließt sich der Kreis.

Natürlich ist es nicht so, dass jeder Party das Potenzial zur Eskalation innewohnt. Eine gewisse Kontrolle kann sich der Veranstalter bewahren. So reicht oft ein ausdrückliches „Bitte niemanden mehr einladen“ aus, um den Ansturm an Gästen zu regulieren. Doch dann gibt es Menschen, die es ausreizen wollen. Sie suchen die Herausforderung und nehmen billigend in Kauf, die Kontrolle zu verlieren.

Facebook & Co.

Die Gefahr war größer, als Facebook noch gestattet hat, unendlich viele Einladungen für öffentliche Veranstaltungen zu verschicken. Auf diese Weise konnte sich der Prozess selbstständig machen und ehe man sich versah, gab es ein paar Hundert Zusagen für eine Halloween-Party in einer Zwei-Zimmer-Wohnung. Dann wiederum besteht die Möglichkeit, dass der Begriff Abrissparty seine ursprüngliche Dimension annimmt. Ob die Wohnung noch steht, nachdem sich zweihundert schwer betrunkene Menschen darin vergnügt haben, ist nämlich fraglich.

Wer will, kann den Boden für eine gelungene Abrissparty zusätzlich ebnen. Das geht ganz einfach durch die Regel, dass es keine Regeln gibt. Wer drin rauchen will, kann das tun. Sogar unter der Dusche. Wände bemalen? Klar, warum nicht. Ab einem gewissen Pegel ist es sowieso egal.

Die passende Location

Immer wieder finden Abrisspartys in verlassenen Gebäuden statt. Das hat den Vorteil, dass sich niemand um die Unversehrtheit der Räume kümmern muss. Wenn eine Ruine nach dem nächtlichen Vandalismus noch ruinierter zurückgelassen wird, stört das in der Regel niemanden. Im Gegenteil, diese Ausgangslage birgt sogar noch mehr Eskalationspotenzial. Was wie ein Traum für alle Wochenend-Partygänger klingt, hat auch einen Haken.

Denn nur, weil es sich um ein verlassenes Gebäude handelt, ist es noch lange nicht öffentlich. Sprich, ab irgendeinem Zeitpunkt – meist dann, wenn der Lautstärkepegel beginnt, das Umfeld kilometerweit zu beschallen – ist mit Widerstand zu rechnen. Mit etwas Pech steht nachts der uniformierte Freund und Helfer vor der Tür und bringt die frohe Kunde: „Jetzt ist Schluss mit Party“.

Weil es sich um eine illegale Party auf Privatgrund handelt, heißt es: Rette sich, wer kann. Vielleicht gelingt es der Polizei, die Verantwortlichen zu finden. In dem Fall drohen Geldstrafen oder mehr. Klar, eine Ruine steht sowieso kurz vor dem Abriss. Nur liegt die Entscheidung, wann dieser erfolgt, immer noch in der Hand des Besitzers und nicht etwa bei einer Horde Partygästen. Diese Art der Argumentation ist bei der Befragung lieber zu unterlassen.

Magie der Rebellion

Summa summarum ist eine Abrissparty also nichts weiter, als gewissenloses Ausufern. Genau das funktioniert aber nicht top gestylt im frisch gewischten Club, wo der Gin-Tonic zehn Euro kostet. Abrisspartys sind chaotisch und dreckig. Die Gäste empfinden sich als verschworene Gemeinschaft und die Illegalität verleiht dem Ganzen noch mehr Reiz. Das sind die eigentlichen Aspekte, die eine solche Party unvergesslich machen. Wer schon lang ersehnt, aus rigiden Strukturen auszubrechen und die Süße der Rebellion zumindest für eine Nacht zu kosten, ist auf einer Abrissparty wahrscheinlich richtig aufgehoben. Und ob am Ende tatsächlich Wände eingeschlagen werden oder nicht, spielt kaum eine Rolle.

Hat dir der Beitrag gefallen?

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here