Was ist eine Amerikanische Versteigerung? Aufklärung

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Spätestens seit der Erfindung von Ebay sind Auktionen zu einem beliebten Volkssport geworden. Das Kauferlebnis wird durch den Nervenkitzel zu einem ganz besonderen Ereignis. Wer normale Auktionen kennt, wird sich über die Gepflogenheiten der Amerikanischen Versteigerung wahrscheinlich zunächst wundern.

Wie die Amerikanische Versteigerung funktioniert

Bei der klassischen Form dieser Auktion wird vor dem Beginn des Wettbietens ein Steigerungs-Betrag festgelegt. Jeder Bieter muss das alte Gebot um exakt diesen Betrag erhöhen. Ganz anders als bei der herkömmlichen Versteigerung zahlt der Bieter den Betrag unmittelbar mit der Abgabe des Gebotes in eine Kasse.

Die Gebote gehen so lange bis

  • entweder nur noch ein Bieter übrig ist
  • ein Zeitlimit erreicht wurde
  • oder aber eine insgeheim vorher festgelegter Preis erreicht wurde.

Wer den Zuschlag erhält, bekommt den Artikel oder die angebotene Dienstleistung. Bezahlt wird das Auktions-Gut dann mit den Geldern aus der Kasse. Die von den unterlegenen Bietern eingezahlten Beträge fließen im Moment des Gewinns an den Sieger der Versteigerung. Dieser bezahlt dann das Gut auch mit den Geldern der Mitbieter. Ein anderer Begriff für dieses System ist deswegen auch All-pay-Auktion.

Sinn und Zweck der Amerikanischen Versteigerung

Wo immer diese ungewöhnliche Form der Auktion angeboten wird, geht es meistens nicht darum, möglichst wenig für ein Gut zu bezahlen, sondern möglichst viel Geld in die Kasse zu bekommen. Die Amerikanische Versteigerung ist typisch für Benefizaktionen, Spendensammlungen oder ein Gag auf privaten Feierlichkeiten.

So können beispielsweise Tierschutzvereine kleinere Waren versteigern, deren tatsächlicher Wert nicht weiter von Bedeutung ist. Vorrangig geht es darum, Gelder in die Vereinskasse zu spülen und dies in einem möglichst unterhaltsamen Rahmen. Versteigerungen haben einen gewissen Reiz und machen einfach Freude. Viele Menschen sind daran beteiligt und besonders großzügige Bieter können das ganz offen zeigen.

Bei Kunstauktionen findet man die Amerikanische Versteigerung immer dann, wenn unbekannte Künstler gefördert werden sollen oder die Kunst zu wohltätigen Zwecken versteigert wird.

Traditionelle Formen der Amerikanischen Versteigerung

Die wohltätige Auktion kennt man in einigen Ländern im Rahmen von Hochzeitsfeiern. Im süddeutschen Raum gibt es die „Brautschuhversteigerung“. In den USA wird regional das Recht auf den einen Tanz mit der Braut versteigert. Neben den Hochzeitsgeschenken können die Gäste auf diese Weise noch einen finanziellen Beitrag zu den Feierlichkeiten leisten.

Die Penny Auktion als getarntes Glücksspiel

Die Penny oder One-Cent Auktion wird manchmal mit der Amerikanischen Versteigerung gleichgesetzt, funktioniert aber etwas anders.
Mit jedem abgegebenen Gebot, das ebenfalls vom Bieter in einen Pott gezahlt wird, erhöht sich der von Käufer schlussendlich zu zahlende Betrag leicht. Dadurch wird erreicht, dass der Gewinner der Auktion doch noch einen zusätzlichen Obolus leisten muss.

Findige Unternehmer machten daraus ein Geschäft auf mehreren teils international agierenden Internetplattformen. Das System wurde dabei leicht abgeändert. Die Bieter mussten das Recht für ein Gebot kaufen. Diese Gelder flossen sofort an den Auktionator.
Der Clou war, dass pro Gebot der Endpreis der Ware leicht reduziert wurde, gleichzeitig verlängerte sich der Endzeitpunkt der Versteigerung um einige Sekunden. Ein kompliziertes System aus Geld und Zeit sorgte so dafür, dass die Plattformen eine unglaubliche Menge an Gebühren für die Gebote einnahmen. Für manche Artikel boten hunderte Menschen und durch die Ausdehnung der Zeit kam es zu immer mehr Geboten. Die schlussendliche Preisreduktion stand in keinem akzeptablen Verhältnis zu den Einnahmen des Auktionators.

Im Jahr 2013 befasste sich der Verwaltungsgerichtshof Mannheim mit den One-Cent Auktionen und urteilte, dass es sich dabei um verdecktes Glücksspiel handele. Da für Glücksspiel ganz andere Gesetze und Steuerbedingungen gelten, darf diese Art der Versteigerung seitdem nicht mehr für den normalen Warenhandel angeboten werden.

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