Was ist eine Epanadiplose? – Beispiele, Wirkung & Erklärung

Eine Epanadiplose bezeichnet eines der vielen Stilmittel für eine Wiederholung, die Verwendung in sämtlichen literarischen Gattungen findet.
Sie umschreibt den Sachverhalt, dass sich eine Wortfolge oder ein Wort, das sich am Beginn eines Satzes befindet, auch am Ende vorfinden lässt, ähnlich dem Kyklos.

Dabei ist sie nicht nur auf Sätze beschränkt, so kann sie etwa in Versen vorkommen, oder gar ganze Strophen sowie Werke umschließen.
Er stellt dabei ein Synonym der Anadiplose dar, die eine Wiederholung des Satzendes am darauffolgenden Satzanfang beschreibt.
Die Funktion beider ist identisch, nämlich eine Intensivierung der Aussage.

Der Begriff Epanadiplose hat seinen Ursprung im Griechischen und lässt sich in etwa mit Unten/Oben-Verdopplung übersetzen. Durch die Übersetzung kann man schon erahnen, um was es sich dabei handelt. Es gibt zwei Möglichkeiten einer Funktion. Die erste wäre die Umschließung eines Verses, Satzes, einer Strophe oder eines Werks. Die zweite bestimmt den Umstand einer Wiederholung des Vers- sowie Satzendes im darauffolgenden Satz.

Betrachten wir hierzu ein Beispiel zur ersten Funktion.

  • Entbehren sollst du! sollst entbehren!

Dieses Beispiel aus der Tragödie ‚Faust‚ von Johann Wolfgang von Goethe, handelt von einem Gespräch zwischen Faust und Mephistopheles. In diesem Beispiel ist das VerbEntbehren‚ das wiederholte Wort.
Mit der Wiederholung wird eine merkbare Verstärkung der Aussage erzielt.

Aber nicht nur ein Epanadiplose ist hier vorzufinden, es sind auch Ähnlichkeiten zu anderen Stilfiguren bemerkbar.
So besitzt dieses Beispiel die Form eines Chiasmus, genauer gesagt die eines Epanodos.
Die Wortfolge ‚Entbehren sollst‚ zum Anfang wird nämlich verspiegelt ans Ende gesetzt und wird somit zu ‚sollst entbehren‚.

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Folgend nun ein weiteres Beispiel der Epanadiplose:

  • Unwissender, niederträchtiger Kerl! hast du mir es nicht oft genug gesagt, daß ich mich aus der Stube fortmachen soll? Kannst du dir denn aber nicht einbilden, daß die, welche im Kabinette hat sein dürfen, auch Erlaubnis haben werde, in der Stube zu sein? Unwissender, niederträchtiger Kerl!

Dieser Textabschnitt entstammt Gotthold Ephraim Lessings Werk ‚Der junge Gelehrte‚.
Mithilfe der Epanadiplose wird die gesamte Textpassage mit einer Anrede ‚Unwissender, niederträchtiger Kerl!‚ umrahmt.
Da der Beginn sowie das Ende identisch sind, besteht hier die Epanadiplose in Form des Kyklos.
Eine weitere Funktion wird mit folgendem Beispiel erklärt:

  • Mit dem Schiffe spielen Wind und Wellen,
    Wind und Wellen spielen nicht mit seinem Herzen.

Dieses Beispiel stammt aus dem Gedicht ‚Seefahrt‚ von Goethe.
Hier wird eine Anadiplose erkenntlich, da die Wortfolge ‚Wind und Wellen‚ im Ende des Verses vorkommt und getrennt durch einen Zeilenubruch direkt im folgenden Teilsatz wiederholt wird.

Epanadiplose in Film

Eine Epanadiplose lässt sich nicht nur in der Literatur wiederfinden, sondern wird gleichermaßen häufig im Film verwendet.
Dabei lassen sich Szenen sowie Motive zum Anfang des Films auch am Ende wiederfinden. Ein Rahmen wird erzeugt.

Nehmen wir beispielsweise den Film Forrest Gump. Zu Beginn wird hier das Motiv einer Feder gezeigt, die durch den Wind getrieben wird.
Zum Ende des Films wird das Motiv erneut aufgegriffen. Neben einem Motiv, können aber auch ganze Szenen identisch oder in leichter Variation wiederholt werden.

Kurzübersicht: Zusammenfassung der wichtigsten Informationen zur Stilfigur

Eine Epanadiplose bezeichnet eines der vielen rhetorischen Stilmitteln. Damit ist einerseits die Umrahmung von Versen, Sätzen oder ganzen Textabschnitten gemeint (bezeichnet als Kyklos), als auch die Verdopplung von Wortfolgen oder Wörtern am Ende eines Satzes im darauffolgenden Satzanfang (bezeichnet als Anadiplose).

Die Funktion ist allerdings meist die selbe. So wird versucht, das Augenmerk des Lesers oder des Zuhörers auf die Wiederholung zu lenken und somit eine Intensivierung der Aussage zu erreichen. Da dieses Stilmittel auch eine überzeugende Wirkung besitzt, wird sie oft in Reden angewendet.

Die Epanadiplose in Form der Anadiplose oder eines Kyklos ist leicht zu verwechseln mit ähnlichen Stilmitteln der Wiederholung, wie etwa einer Geminatio oder einer Epanalepse. Unterscheidungsmerkmale sind sehr fein und Grenzen verlaufen schwimmend.

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