Was ist eine Firmenanschrift? Unterschied zu normaler Anschrift?

Was ist eine Firmenanschrift

Viele Menschen nehmen an, dass die Firmenanschrift automatisch der Ort ist, an dem eine Firma ihr Büro, ihre Produktionsstätten oder ihren Sitz hat. Wer schon einmal den Begriff “Briefkastenfirma” gehört hat, ahnt, dass es bei der Gestaltung der Firmenanschrift einige Möglichkeiten gibt. Insbesondere für angehende Selbstständige und Start-ups kann es sehr interessant sein, sich mit dem Thema Firmenadresse aktiv auseinanderzusetzen.

Grundlegende Unterscheidungen

Oft haben Firmen mehrere Adressen. Insbesondere bei Kapitalgesellschaften, wie einer GmbH, gelten für die einzelnen Firmenanschriften unterschiedliche Funktionen. Eine Adresse kann für den juristisch relevanten Sitz einer Firma gelten, es kann aber auch eine Betriebsstätte sein oder eine reine Geschäftsadresse, die man aus Repräsentationsgründen mietet.

Jede GmbH hat einen sogenannten Satzungssitz. Dieser Sitz muss eine ladungsfähige Anschrift sein. Unter dieser Adresse müssen Gerichte, Finanzämter und Kunden den verantwortlichen Geschäftsführer erreichen können. Der Satzungssitz wird bei der Gründung der GmbH festgelegt. Er wird ebenso wie der Firmenzweck und der Gesellschaftervertrag notariell beurkundet. Der Satzungssitz kann umgezogen werden. Geschieht zum Beispiel ein Umzug in ein anderes Bundesland, muss auch dieser neue Satzungssitz notariell bestätigt werden.

Der Satzungssitz einer Firma ist der Sitz, der beim Registergericht bei Anmeldung der GmbH in das Handelsregister eingetragen wird. Bei einem Umzug erfolgt auch eine Löschung im alten Handelsregister und eine gebührenpflichtige Eintragung im Handelsregister des Register- oder Amtsgerichts des neuen Ortes. Das Gleiche gilt in der Regel für die Gewerbeanmeldung.

Der Satzungssitz kann kein reiner Briefkasten sein. Er muss nicht mit der Betriebs- oder Produktionsstätte einer Firma identisch sein, aber eine physisch erreichbare Einheit (in der Regel Büro oder möglicherweise auch Wohnsitz des Geschäftsführers) darstellen. Tatsächlich können Firmen in der Rechtsform GmbH oder AG auch Dienstleister mit einer Bürostruktur nutzen, um dort den Satzungssitz anzumelden, während der Geschäftsführer vielleicht in einer anderen Stadt tätig ist.

Betriebsstätten

Viele Firmen unterhalten mehrere Betriebsstätten. Damit ergeben sich weitere Möglichkeiten der Gestaltung der Firmenanschrift. Im Fall einer Betriebsstätte hat dies aber auch steuerliche Konsequenzen. Bei der Wahl der Firmenanschrift ist es entscheidend, wo der Unternehmer versteuern will. Auch das ist insbesondere für Kapitalgesellschaften ein Thema, das bereits bei der Gründung bedacht werden muss. Gemeinden, Städte und Kommunen erheben unterschiedliche Gewerbesteuersätze. Daher wird die Firma vielleicht den Betrieb an einen Ort verlagern, wo der Hebesatz für die Gewerbesteuer niedriger ist.

Ein ganz wichtiger Aspekt für die Errichtung weiterer Betriebsstätten oder die Einrichtung von Firmenadressen sind Fördermittel. Fördermittel werden oft von Institutionen in Bundesländern vergeben. Eine Firma kann also nur Fördermittel beantragen, wenn sie in dem entsprechenden Bundesland eine Firmenanschrift hat. Dabei ist genau darauf zu achten, ob es eine Betriebsstätte sein muss, oder ob der sprichwörtliche Briefkasten mit Firmenadresse ausreicht.

Firmenanschriften für die Repräsentation oder zum Erschließen neuer Märkte
Unternehmer werden nicht unbedingt immer ein Gewerbe an einem anderen Ort anmelden oder dort produzieren wollen. Sie mieten zunächst nur eine Firmenanschrift. Die Gründe dafür können vielfältig sein. Manche Firmen wünschen sich eine repräsentative Geschäftsadresse in der Hauptstraße einer Metropole. Oder sie möchten Kunden in einer neuen Region gewinnen. Eine Adresse in der Nähe wirkt da vertrauensbildend.

Dafür gibt es ein großes Angebot an Dienstleistern. Die Palette reicht von Internetanbietern, die nur eine Anschrift anbieten, bis zum umfassenden Angebot eines Büroservice mit Geschäftsräumen. Beliebt sind Anbieter, die eingehende Post betreuen und Telefonanrufe entgegennehmen. Eine neuere Entwicklung besteht darin, dass der Firmensitz mit der Anmietung eines Coworking-Spaces verbunden wird. Gerade in der Anfangszeit eines Unternehmens kann dies eine interessante Lösung sein: In attraktiven Lagen sind die Gewerbemieten gestiegen und haben oft lange Laufzeiten. Der Coworking-Space mit Firmenadresse bietet sich als Alternative an.

Ausländische Firmenadressen

Viele Firmen möchten oder müssen ins Ausland expandieren. Genau wie im Inland ist hier die Unterscheidung zwischen einer reinen Geschäftsadresse, einer Betriebsstätte oder einem Firmensitz sehr wichtig. Letztendlich kommt es darauf an, wo das Unternehmen seine Steuern zahlt. Die Gestaltung einer ausländischen Firmenadresse erfordert wegen der möglichen Konsequenzen fachliche Kompetenz oder entsprechende Beratung. So besteht ein grundlegender Unterschied zwischen einer gemieteten Adresse und einem “registered office” in Großbritannien. Für Letzteres bestehen unter anderem jährliche Berichtspflichten. Es entspricht in etwa dem Satzungssitz und muss eine zustellfähige Adresse sein.

Insgesamt ist es für Unternehmer immer ratsam, bei der Gestaltung des Firmensitzes sich eingehend beraten zu lassen. Sie können zum Beispiel von Anfang an mit einem Steuerberater zusammenarbeiten.

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