Was ist eine Insolvenzbilanz? – Erklärung & Beispiel

Insolvenzbilanz schnell und einfach erklärt

Bei der Insolvenzbilanz handelt es sich um eine Finanzberichterstattung, die als Voraussetzung für die Einleitung eines Insolvenzverfahrens gilt. Dabei wird bei der Bilanzierung die aktuelle Bestandsaufnahme von Vermögensgegenständen und Verbindlichkeiten durchgeführt. Auf Basis dieser Ergebnisse wird eine Prognose für die erfolgreiche Fortführung eines von der Insolvenz betroffenen Unternehmens erstellt.

Die Insolvenzbilanz gehört der Finanzberichterstattung bzw. der Rechnungslegung an. Sie ist zwingend vorgeschrieben und an umfangreiche, gesetzliche Regelungen gebunden. Das Primärziel der Bilanz ist die aktuelle Bestandsaufnahme sämtlicher Verbindlichkeiten und Vermögensgegenstände, die als Entscheidungsgrundlage zur Einschätzung einer Unternehmensfortführung dient.

Die Bestandsaufnahme als Grundlage des Insolvenzverfahrens

Ein Insolvenzverfahren interpretieren die breite Masse und die Medien als Zerschlagung und Auflösung eines Unternehmens, was in vielen Fällen nicht der Fall ist. Denn ein Insolvenzverfahren kann zwei unterschiedliche Ziele verfolgen. Zum einen kann die Geschäftsfortführung im Vordergrund stehen, die durch den Verkauf verlustreicher Geschäftsfelder ermöglicht wird. Zum anderen kann ein Insolvenzverfahren durchgeführt werden, um bei mangelnder Zukunftsaussicht für das Unternehmen die Verbindlichkeiten in einem geordneten Verfahren begleichen zu können.

Dabei dient die Insolvenzbilanz bzw. die Vermögensaufstellung dem Insolvenzverwalter als hilfreiches Instrument bei seiner Tätigkeit. Hierfür stellt er die Forderungen der Gläubiger dem Vermögengen gegenüber und sortiert sie im nächsten Schritt nach gesetzlich geregelten Kriterien.

Die verzeichneten Gegenstände werden bei der Bedienung der Ansprüche in der Insolvenzbilanz in folgende Kriterien unterteilt:

• Vermögensgegenstände, die aus der allgemeinen Insolvenzmasse ausgesondert werden, da bestehende Rechte der Gläubiger vorliegen
• Verwertbare bzw. der Insolvenzmasse zuzuordnende Vermögensgegenstände
• Forderungen und Guthaben bei Banken, Kredit- und Finanzinstituten sowie Barmittel

Die Bestandsaufnahme dient dazu sämtliche, rechtgültig angemeldeten Forderungen gerecht bei den Gläubigern zu bedienen. Die Ansprüche sind anschließend gemäß dem §188 InsO im Verteilungsverzeichnis wiederzufinden.

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Zusätzliche Funktionen der Vermögensaufstellung bzw. Insolvenzbilanz

Die exakte Erfassung des Vermögens bietet neben der rein organisatorischen Funktion auch eine Unternehmensstrategische, die sich positiv auf die Fortführungschancen auswirken kann. Hierfür kann der Insolvenzverwalter bei Gläubigern mit höheren Forderungen, einen Schuldenschnitt oder zumindest einen Teilzahlungsvergleich aushandeln. Dies macht insbesondere dann Sinn, wenn bei einer Fortführung langfristig eine höhere Tilgung der Forderung zu erwarten ist, als bei einer sofortigen Insolvenz. Nicht zuletzt ist die Insolvenzbilanz oftmals der Beginn einer Unternehmenssanierung und somit Neustart einer erfolgreichen Unternehmensgeschichte.

Die Insolvenzbilanz kann weiterhin als Verhandlungsgrundlage mit dem Betriebsrat dienen, wenn keine komplette Unternehmensverschuldung vorliegt sondern ein vergleichsweise geringer Monatsverlust. In diesem Fall ist die gemeinsame Ausarbeitung eines Sanierungstarifvertrags vorteilhaft, die zwar eine Lohnsenkung der Belegschaft zur Folge hat, aber gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit sicherstellt und somit die Arbeitsplätze schützt.

Zusammenfassung und Definition der Insolvenzbilanz

• Die Insolvenzbilanz dient als Grundlage eines ordnungsgemäßes Insolvenzverfahrens
• Dafür werden die Vermögensgegenstände und Forderungen strukturiert abgebildet
• Kann als Grundlage für einen Neubeginn bzw. einer Fortführung dienen

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