Was ist eine Kadenz im Gedicht? Wie erkennt man diese?

Was ist eine Kadenz im Gedicht

Was hat es mit Kadenzen in Gedichten auf sich?

Vieles, was in der Schule gelehrt wird, klingt in Deinen Ohren hochkomplex. Du fragst Dich nach der Relevanz im Alltag. Tatsächlich mangelt es aber oft nur an simplen und verständlichen Erklärungen – vor allem der, dass solche Dinge Tag für Tag in Deinem Leben präsent sind.

Der Sinn von Kadenzen im Gedicht erschließt sich auch Dir, wenn Du hier liest, dass Du selbst täglich Kadenzen verwendest. Du stehst zum Beispiel mit einem Deiner Kumpel am Schultor und sagst: “Lasse, ich habe mal eine Frage.” Es geht jetzt aber nicht um den Inhalt der Frage, sondern um das letzte Wort Deines Satzes: Frage. Es hat zwei Silben, von denen die erste Silbe betont gesprochen wird.

Wenn Du Dir nun irgendein Gedicht ansiehst, das gerade im Unterricht besprochen wird, dann wird Dir vielleicht etwas bewusst: Jedes Wort am Ende einer Gedichtzeile verändert die Stimmung – und zwar je nachdem, wie es betont wird.

Eine Kadenz besagt nichts weiter, als dass die Silbe einer Verszeile betont wird – oder auch nicht. Das ist ein kleines, aber wichtiges Detail. Du solltest ihm nicht nur wegen des Lehrplans mehr Aufmerksamkeit schenken.

Verschiedene Kadenzen und ihre Bedeutung

Jetzt klingt es erst einmal wieder etwas abstrakt. Es gibt eine männliche bzw. stumpfe und eine weibliche bzw. klingende Kadenz, sowie eine “reiche” oder gleitende Kadenz. Du kannst diese drei Kadenzen-Typen gut unterscheiden, wenn Du weißt, worauf es ankommt. Man spricht in der Wikipedia auch von einsilbigen, zweisilbigen und dreisilbigen Vers-Enden.

Die männliche Kadenz

Die einsilbige, männliche oder stumpfe Kadenz endet immer auf einer betonten Silbe. Ein einfaches Beispiel illustriert das: “Achmed machte Leila ein KompliMENT.” Die letzte Silbe wird hier betont. Damit ist der Satz klar eine männliche Kadenz.

Die weibliche Kadenz

Wenn eine Verszeile aber auf einer unbetonten Silbe endet, ist das eine weibliche Kadenz. Auch hier geht es um eine Endsilbe, aber diese wird eben NICHT betont. Im Satz “Leila gab Achmed eine nette Antwort.” ist so eine Kadenz enthalten, weil Du das zweisilbige Wort “ANTwort” auf der ersten Silbe betonst.

Die weibliche und die männliche Kadenz werden gerne verwechselt, weil wir viele Worte unbewusst aussprechen und die Betonungen automatisch einflechten. Du musst also langsam sprechen, um Dir der Betonungen von Endsilben bewusst zu werden.

Die reiche Kadenz

Die reiche Kadenz ist hingegen gut unterscheidbar. Hier endet eine Verszeile nämlich auf mehreren NICHT betonten Silben. Als Beispiel nenne ich die Worte “SCHMERZliche”, oder “SINGende” als Enden einer Verszeile. Bei solchen mehrsilbigen Worten wird die erste Silbe betont, die beiden nachfolgenden aber nicht.

Die reiche oder dreisilbige Kadenz kommt in der Dichtung vergleichsweise selten vor. Wir haben es also fast immer mit männlichen oder weiblichen Kadenzen zu tun. Das vereinfacht die Sache, oder?

Und nun: Der ultimative Kadenz-Test

Als Beispiel für das Vorkommen von Kadenzen in Dichtung und Liedgut nehmen wir jetzt mal zwei Sequenzen aus Friedrich Schillers berühmter “Ode an die Freude”. Sie lauten:

“Freude, schöner Götterfunken
Tochter aus Elysium”

Welche Kadenzen erkennst Du hier?

Richtig: die erste Kadenz ist weiblich, weil in “Götterfunken” die letzte Silbe NICHT betont wird. Stattdessen werden die Silben “Gött” und “fun” betont. Im Wort “ElysiUM” wird aber die letzte Silbe betont – es ist also eindeutig eine männliche Kadenz.

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