Was ist eine Säkularisierung? – Bedeutung & Erklärung

Was ist eine Säkularisierung

Definition

Der aus dem Lateinischen stammende Ausdruck “Säkularisierung” kann grob mit “Verweltlichung” übersetzt werden. Es handelt sich dabei um einen tiefgreifenden Prozess, der insbesondere Europa seit dem 18. Jahrhundert erfasste und die europäische Gesellschaft aus der Herrschaft von Kirche und Religion weitgehend löste und stattdessen Vernunft und Ratio als maßgebende Richtlinien formulierte.

Auslöser dieses großen, fundamentalen Wandels waren zum einen aufklärerische Prinzipien mit ihrer starken Betonung der Vernunft sowie humanistisches Gedankengut, das erklärt, dass nicht mehr Kirche und Religion entscheidende Entitäten sind, sondern der Mensch und die natürliche Moral des Menschen an sich. Es handelt sich also um ein völlig anderes Menschenbild als das der Kirchen.

Während die Kirchen Gott in den Mittelpunkt ihres Weltbildes stellen, ist das Zentrum des Humanismus der Mensch und seine natürliche Vernunft. Wichtige Namen, die dabei eine Schlüsselrolle spielten, sind dabei zum Beispiel die Philosophen Immanuel Kant, Voltaire und Diderot, aber auch Alexander und Wilhelm von Humboldt.

Nicht unterschätzt werden darf für die Entwicklung der Säkularisierung die Erfindung des Buchdrucks im 15. Jahrhundert. Dies ermöglichte mit der Zeit Zugang zu Bildung und Wissen für alle, so dass Bildung nicht mehr ein Primat der Kirchen war.

Zu berücksichtigen ist auch, dass sich aufklärerisches und humanistisches Gedankengut nur durch die Erfindung des Buchdrucks in diesem Maße verbreiten konnte. Zudem beschleunigte der Buchdruck den technischen Fortschritt, während die islamische Welt beispielsweise diesen wichtigen Entwicklungsschritt damals verpasste und bis heute nicht vollständig aufgeholt hat.

Inzwischen sind auch in anderen Teilen der Welt Säkularisierungstendenzen zu beobachten. Viele westliche Beobachter fordern zum Beispiel, dass auch die islamische Welt sich säkularisieren muss, um sich zu entwickeln und um Frieden auf der Erde zu ermöglichen.

Säkularisierung in der Geschichte

Säkulare Tendenzen gab es zwar immer wieder in der Geschichte, doch ein historisches Ereignis, das eng in Verbindung steht zur Säkularisierung der europäischen Gesellschaft als tiefgreifenden Wandel, ist die Französische Revolution von 1789, die einen revolutionären Flächenbrand in ganz Europa auslöste und bald auch Deutschland erfasste.

Dabei wurden die Herrschaftsstrukturen des Ancien Regime in Frankreich beseitigt, Klöster und Ordensgemeinschaften enteignet, der Prozess der Säkularisierung deutlich beschleunigt und erstmals auf europäischem Boden grundlegende Menschen- und Bürgerrechte formuliert, die einem aufklärerischen und humanistischen Welt- und Menschenbild geschuldet waren.

Später fand diese erste Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte beispielsweise auch Ausdruck im deutschen Grundgesetz.
Mit der sogenannten “Restauration” (siehe Wiener Kongres von 1815) suchten die einstigen Machthaber die alte Ordnung in Europa zwar wieder herzustellen, jedoch war die Säkularisierung ein Prozess, der seit dem 18. Jahrhundert verstärkt einsetzte und langfristig nicht aufzuhalten war.

Trennung von Staat und Religion

Einen konkreten Ausdruck findet Säkularisierung in der offiziellen Trennung von Staat und Religion (sogenannte “laizistische” Staaten). Politik steht insofern nicht mehr unter religiösem Diktat, sondern ist den Grundsätzen der Freiheit, Gleichheit und Solidarität nach dem Wahlspruch der Französischen Revolution verpflichtet. Der Staat muss dabei zum Beispiel die Gleichbehandlung aller Menschen vor dem Gesetz und aller Religionsgemeinschaften garantieren.

Wie tiefgreifend dieser Prozess der Trennung von Staat und Religion in den europäischen Gesellschaften mittlerweile ist, sieht man beispielsweise auch daran, dass die offiziellen Kirchen immer mehr Mitglieder verlieren, ein Trend, der bereits seit vielen Jahrzehnten zu beobachten ist. Der Prozess der Säkularisierung ist insofern noch lange nicht abgeschlossen, sondern dauert immer noch an.

Eine Folge der Säkularisierung ist die sinkende Geburtenrate in säkularisierten Gesellschaften im Gegensatz zu religiösen Staaten, die durchschnittlich eine weitaus höhere Geburtenrate aufweisen. Daraus wiederum resultieren zahlreiche Konflikte auf der Welt.

Bildung- und Erziehungswesen

Einen weiteren Ausdruck findet der Prozess der Säkularisierung aber auch darin, dass das Bildungs- und Erziehungswesen überwiegend aus kirchlicher Hand herausgelöst wurde und nun hauptsächlich unter der Aufsicht des Staates steht.

Erziehung von Kindern ist nun kaum mehr Aufgabe der Kirchen und ihrer Vertreter, sondern der Staat muss die notwendigen Rahmenbedingungen für die Bildung schaffen und eine Gleichbehandlung aller garantieren. Eine (zumindest theoretische) Leitlinie lautet dabei beispielsweise, dass alle Kinder ein Recht auf Bildung haben und bezüglich ihrer Bildungsaussichten chancengleich sein sollten. Ziel einer solchen Bildung ist der mündige Staatsbürger.

Was grob vereinfachend unter dem Begriff “Verweltlichung” zusammengefasst wird, ist also ein fundamentaler Veränderungsprozess, der insbesondere die europäische Gesellschaft seit dem 18. Jahrhundert zunehmend erfasst hat und alle Bereiche des Lebens nachhaltig transformiert hat.

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