Was ist eine Strophe? – Strophenformen Übersicht

Eine Strophe ist die in sich geschlossene Gesamtheit einer bestimmten Anzahl von Versen, die dabei einer metrischen Einheit wie einem Gedicht oder Lied untergeordnet ist. Jeder lyrische Text besteht also aus Strophen, welche wiederum aus einzelnen Versen bestehen.

Ursprung der Strophe

Der Chorlyrik entstammend bedeutet das Wort Strophe so viel wie Drehung oder Wendung (aus dem Griechischen: στροφή). Die Strophe bezeichnet in diesem Kontext den Richtungswechsel beim Rundtanz im Drama des antiken Griechenlands. Bei diesem Richtungswechsel wurde meist auch der Gesang verändert.

Über die französische Sprache gelang der Begriff in den deutschen Sprachgebrauch. Bis zum 17. Jahrhundert hatte man die Sammlung von Versen „liet“, Gesätz, Gebände oder auch Stück genannt, wenn man über den Meistergesang (Fortsetzung des mittelalterlichen Minnegesangs) schrieb.

Im Gedicht

Strophen werden innerhalb eines Gedichts durch Absätze gekennzeichnet, weswegen auch von Gedichtsabschnitten gesprochen werden kann.
Anhand des Gedichts „Singet leise, leise, leise…“ des romantischen Lyrikers Clemens Brentano lässt sich diese Absatzbildung gut erkennen:
Singet leise, leise, leise,
singt ein flüsternd Wiegenlied;
von dem Monde lernt die Weise,
der so still am Himmel zieht.

Singt ein Lied so süß gelinde,
wie die Quellen auf den Kieseln,
wie die Bienen um die Linde
summen, murmeln, flüstern, rieseln.
Hier zeigt sich deutlich, wie die einzelnen Strophen als inhaltlich in sich geschlossene Elemente agieren. Auch das Reimschema ist klar abgegrenzt: abab cdcd. Es handelt sich um einen Kreuzreim. Es liegen zwei Strophen mit jeweils vier Versen vor.

Was genau ist eine Strophe?

Obwohl in der Regel nur auf die Absatzbildung der Strophen geachtet wird, gibt es einige Merkmale, die es zu beachten gilt, um sicher von einer Strophe sprechen zu können.
Wichtigste Regel, um eine Strophe erkennen zu können, ist die Überprüfung auf das Vorliegen ähnlicher Versmerkmale. Das betrifft zum Beispiel Reimschema, Metrum, die Verslänge oder die Verszahl.

In Bezug auf das eben angeführte Beispiel wären hervorstechende Merkmale also die gleiche Anzahl von Versen pro Abschnitt (je vier) und das einheitliche Reimschema (Kreuzreim). Es kann also mit Sicherheit von Strophen gesprochen werden.
Wären keine Übereinstimmungen oder Ähnlichkeiten zu finden, bietet es sich an, von Abschnitten des Gedichts zu sprechen. Bei geringen Abweichungen untereinander sind diese in einer Gedichtanalyse genauer zu betrachten.

Strophenmuster

Die Strophenform ist dann zu benennen, wenn innerhalb der Strophen durchgängige Muster zu erkennen sind. Solche Muster zeichnen sich insbesondere durch strenge Einhaltung eines bestimmten Metrums oder Reimschema aus, welche von den üblichen Schemata abweichen und sind meist in traditioneller Lyrik vorzufinden.
Häufig vorkommende Strophenformen sind:

– Volksliedstrophen / Odenstrophe
– Stanzen
– italienische Terzine

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