Was ist eine Teuerungsrate? – Erklärung & Beispiel

Teuerungsrate ist ein anderer Begriff für Inflationsrate. Sie bezeichnet, wie der Name schon vermuten lässt, die Preisentwicklung, also das „teurer werden“ von wichtigen Gütern über einen konkreten Zeitraum. Man kann anhand der Teuerungsrate feststellen, ob sich eine Volkswirtschaft in der Inflation oder Deflation befindet.

Eine der Hauptaufgaben der europäischen Zentralbank ist es, das Niveau und die Preisstabilität zu sichern. Kommt es dann plötzlich zu einem Anstieg der Teuerungsrate, kann die EZB durch Ausgabe oder Einbehalten von Barmitteln diesem Trend entgegenwirken.

Der konkrete Unterschied zwischen Inflation und Teuerung

In der Realität werden die zwei Begriffe oft synonym verwendet. Sie besitzen auch eine Verknüpfung, betreffen allerdings nicht dieselbe Sache. Die Teuerungsrate gibt an, wie stark die Inflation wächst, wohingegen die Inflationsrate das Phänomen beschreibt, wie stark der komplette Wertverfall voranschreitet. Eine negative Teuerungsrate könnte dann umgekehrt als Deflation bezeichnet werden.

Während der Zyklusphase der Inflation, wächst die Geldmenge in der Volkswirtschaft weiter an. Dies führt dazu, dass Güter, Produktion und Geld selbst immer teurer werden. Damit verlieren diese Faktoren aber gleichzeitig an Wert.

Wie kann die Teuerungsrate bestimmt werden?

Die Teuerungsrate wird anhand des Verbraucherindex ermittelt. Dieser wird vom statistischen Bundesamt durchgehend beobachtet. Im Verbraucherpreisindex befinden sich insgesamt 750 Güter, die man als repräsentativ für den deutschen Privathaushalt erachtet.

Das statistische Bundesamt beobachtet deren Preisentwicklungen für bestimmte Zeiträume. Normalerweise werden sie in Intervallen beobachtet.

Welche Ursachen können Schwankungen hervorrufen?

Die Teuerungsrate kann aus den folgenden Gründen steigen:

  • Das Handels- bzw. Exportvolumen und die Produktion sinken
  • Die Geldmenge nimmt zu, weil die europäische Zentralbank mehr Geld in den Umlauf bringt
  • Kosten für Rohstoffe oder Löhne steigen erheblich, wodurch sich die gesamte Produktion verteuert

Des Weiteren ist die Teuerungsrate von Nachfrage und Angebot auf dem Markt abhängig. Je höher die Nachfrage, desto wahrscheinlicher ist auch eine Zunahme der Teuerungsrate, weil irgendwann Marktsättigung eintritt und man nie genau bestimmen kann wann diese eintreten wird. Im Gegensatz dazu können ein übermäßiges Angebot und ungenutzte Kapazitäten die Deflation beschleunigen.

Die Auswirkungen der Teuerungsrate

Vor allem Arbeitnehmer leiden unter einer hohen Teuerungsrate, da ihr reales Einkommen sinkt und sie damit an Kaufkraft verlieren. Auch Geldanlagen auf Bankkonten leiden unter diesem Wertverfall. Die wenigen Menschen die davon profitieren, sind Schuldner, deren Last durch den Werteverfall auch sinkt.

Langfristig betrachtet hat die Inflation Auswirkungen auf die komplette Volkswirtschaft. Durch die geschwächte Kaufkraft der Unter- und Mittelschicht wird weniger Geld in die eigene dafür in andere Volkswirtschaften gesteckt. Dies hat negative Auswirkungen auf den Binnenmarkt.

Die gefühlte Inflation

Zusätzlich zur tatsächlichen Teuerungsrate gibt es noch den Begriff der „gefühlten Inflation“. Das beste und am häufigsten angeführte Beispiel hierfür, ist die Einführung des Euros im Jahr 2002. Praktisch jeder Deutsche hatte das Gefühl, das Firmen und Händler die Umstellung nutzten, um ihre Preise zu steigern. Laut dem statistischen Bundesamt wurde aber keine erhöhte Teuerungsrate festgestellt.

Im repräsentativen Warenkorb, der zur Ermittlung der Teuerungsrate herangezogen wird, befinden sich neben Lebensmitteln und Alltagsprodukten auch Luxusgüter wie Autos oder Waschmaschinen. Wenn jetzt Preise für diese Güter sinken, die Preise für Alltagsgüter aber steigen, wird hier kaum eine Veränderung im Warenkorb festgestellt. Der Durchschnittsbürger wird die Veränderung bemerken, da er wesentlich häufiger Butter als Autos kauft.

Damit bleibt die Teuerungsrate aus rechnerischer Sicht gleich oder „niedrig“. Die Bürger empfinden aber gegenteilig.

Die Zusammenfassung zur Teuerungsrate

  • Berechnungsgrundlage ist der repräsentative Warenkorb mit 750 Alltags- und Luxusgütern
  • Bestimmt den Grad de Inflation oder Deflation
  • Wird vom statistischen Bundesamt ermittelt
  • Eine hohe Teuerungsrate ist ein Anzeichen für einen drohenden Kaufkraftverlust und die Entwertung des Geldes

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