Was ist eine Transferfähigkeit im Beruf? Aufklärung

Schulen und Studiengänge können immer nur allgemeine Lehr- und Lerninhalte vermitteln. Der Übergang in die praktische Arbeitswelt erfordert jedoch von Hochschul- oder Fachhochschulabsolventen eine neue und besondere Art von Flexibilität, welche an bestimmte Erfordernisse des jeweiligen Unternehmens angepasst sein muss. Die Kunst für die Absolventin oder den Absolventen besteht darin, das erlernte Wissen auch unter veränderten Bedingungen erfolgreich anzuwenden.

Transferfähigkeit in der Ausbildung

Der Verlauf eines jeden Studiums ist durch das Erreichen gewisser Lernziele gekennzeichnet. Die einzelnen Lernziele haben dabei bestimmte Lernzieltiefen, die jedoch sehr unterschiedlich sein können. Manche Kenntnisse werden einfach nur der Vollständigkeit halber vermittelt, ohne dass jedoch unmittelbare Anwendungsbezüge direkt erkennbar sind. Bei derartigen Lerninhalten hat der Lernende lediglich die Möglichkeit, das erworbene Wissen nach Themengebieten abzuspeichern.

Bei anderen Themengebieten ist es jedoch unumgänglich, dass diese auch in ihren einzelnen Funktionen voll und ganz verstanden werden müssen. Solche Lehrinhalte erfordern dann auch intensivere Lernmethoden, die jedoch den Vorteil haben, dass sie auch besser auf bestimmte Probleme in der späteren Berufspraxis angewendet werden können.

Betriebliche Transferfähigkeit

Beim Eintritt in das praktische Arbeitsleben fällt es manchen Berufsanfängern schwer, mit den auftretenden Problemen innerhalb eines Unternehmens zurechtzukommen. Sie sehen sich plötzlich Schwierigkeiten gegenübergestellt, für die sie zunächst keinen Lösungsweg erkennen können. Dies hat oft damit zu tun, dass ihr erlerntes Wissen nicht unmittelbar auf plötzlich auftretende Situationen und Problemstellungen anwendbar ist. Die anstehenden Schwierigkeiten können nicht direkt durch erlerntes Wissen gemeistert werden. Die erforderlichen Lösungen gehen über ein Wiedererkennen von Themeninhalten aus Studienfächern hinaus.

Transferfähigkeit durch Transfererfolg

Viele Dinge, die in Studiengängen gelehrt und vermittelt werden, haben ihren Bezug auf gewisse standardisierte Fälle. Erworbenes Wissen kann sich nur bei regelmäßiger praktischer Anwendung entfalten, vertiefen und festigen. Daher ist es für den Studierenden schon während eines Studiums wichtig, einzelne Themengebiete bestimmten Praxisbezügen zuzuordnen. Solche Zuordnungen machen dem Lernenden die Wichtigkeit des erlernten Stoffes deutlich und erleichtern so jederzeit ein abrufbares Abspeichern im Gedächtnis.

Daher liegt es auch in der Verantwortung des Lehrpersonals, Studieninhalte für die Studierenden attraktiv zu gestalten und von vorneherein mit gewissen Praxisbezügen zu versehen. Solche Lehrmethoden, welche stets die Praxisbezüge im Blickfeld behalten, beflügeln die Aufnahmebereitschaft von Studentinnen und Studenten. Diese können dann das erworbene Wissen erweitern und neue Zusammenhänge oder Querverbindungen herstellen, die ihnen bei der Lösung von später auftretenden Problemen in Unternehmen nützlich sind.

Notwendigkeit der ständigen Weiterbildung

Die fortschreitende Komplexität in der Arbeitswelt sowie ständig neue Herausforderungen vonseiten der Unternehmen machen ständige Weiterbildungen des Personals und lebenslanges Lernen unumgänglich. Für die Unternehmen ergeben sich diese Herausforderungen schon alleine aus Gründen der Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit. Für die Mitarbeiter ist eine Anpassung und Erweiterung von einmal erworbenem Wissen durch die ständigen Veränderungen in der Arbeitswelt unumgänglich. Funktionierende Transferfähigkeiten des Stammpersonals sind grundlegende Voraussetzungen für prosperierende Entwicklungen von Unternehmen.

Transferfähigkeit bei Anwendung von BSC-Kennzahlen

Unternehmen arbeiten mit BSC-Kennzahlen (Balanced Scorecard) und verfolgen damit ganz bestimmte Ziele, die sie mit strategischen Maßnahmen zu erreichen versuchen. Ihre Strategie und Zielsetzung drücken sie dabei in Kennziffern aus.
In jedem Unternehmen laufen vielfältige Prozesse ab, welche oft in umfangreichen Unternehmensorganisationen zusammengefasst werden. Zur Erhöhung der Transparenz gehen diese Kennzahlen über rein finanzbezogene Gesichtspunkte hinaus, indem verschiedene Bereiche aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet und untersucht werden. Es sind im Wesentlichen diese vier Bereiche:

  • Finanzen: Was erwarten unsere Kapitalgeber von uns?
    Zweck dieser Untersuchung ist der angestrebte finanzielle Erfolg. Mit welcher Strategie kann dieser Erfolg erreicht werden? Bei dieser Art von Kennziffern spielen insbesondere Umsatz, Gewinn und Eigenkapitalrendite eine wichtige Rolle.
  • Kunden: Wie können Kundenwünsche erfüllt werden? Wie stellt sich das Unternehmen Kunden gegenüber dar?
    Die Kundenperspektive dient vor allem dazu, strategisch die Absatzmärkte der Produkte ins Blickfeld zu rücken und Kunden an das Unternehmen langfristig zu binden. Welche Käufergruppen sollen auf welche Art und Weise für das Unternehmen gewonnen werden? Derartige Kennzahlen sind durch Marktanteile, Kundenbindung und Kundenzufriedenheit gekennzeichnet.
  • Prozesse: Wie steuert das Unternehmen seine internen Abläufe?
    Mit Hilfe dieser Perspektive gestaltet das Unternehmen die Prozesse, welche entscheidenden Einfluss auf die Erreichung von Kundenzielen haben. Solche Kennziffern repräsentieren hauptsächlich Ausschuss, Produktivität und Durchlaufzeit von Unternehmen.
  • Mitarbeiter: Wie müssen Mitarbeiter zur Erreichung von bestimmten Zielen geschult und motiviert werden?
    Mitarbeiter müssen ihre Arbeit beherrschen und diese auch gerne tun. Dies ist Grundvoraussetzung für gute Arbeit. Deshalb werden Qualifikation und Motivation der Mitarbeiter durch diese Balance Scorecard erfasst und gegebenenfalls notwendige Weiterbildungsmaßnahmen eingeleitet. Diese Kennzahlen erfassen Betriebsklima, Krankenstand und Mitarbeiterzufriedenheit.

Fazit

Mitarbeiter und deren Transferfähigkeiten im Beruf sind wesentliche Garanten für Unternehmenserfolge und damit für jedes Unternehmen von elementarer Bedeutung. Daher räumt auch jedes Unternehmen seinen Kennzahlen unter Berücksichtigung der verschiedenen Perspektiven einen hohen Stellenwert ein.