Was ist eine Trope? – Beispiele, Wirkung & Erklärung

Bei der Trope, auch Tropus genannt, handelt es sich um ein sprachliches Mittel. Charakteristisch für Tropen ist eine Abweichung vom Gesagten zum Gemeinten. Meist werden malerischere Wörter zur Umschreibung des Gemeinten verwendet. So wäre zum Beispiel die Bezeichnung „Drahtesel“, die das Wort „Fahrrad“ beschreibt, eine Trope. Ziel dieses rhetorischen Stilmittels ist das Beleben der Sprache und eine veranschaulichendere Beschreibung üblicher Begriffe. Jegliche Stilmittel, die das Gemeinte nicht beim direkten Namen nennen, zählen zu den Tropen. Die häufigsten Erscheinungsformen von Tropen sind Allegorien, Euphemismen, Ironie, Metaphern, Personifikationen und Synekdochen.

Seinen Ursprung nimmt der Terminus „Trope“ im altgriechischen Wort „tropé“, das sich mit „Wendung“ übersetzen lässt. Unter den sprachlichen Stilmitteln unterscheidet man in drei Hauptgruppen:

  • Phonologische Figuren: Besonderheiten in den Lauten der Wörter (z.B. Assonanz)
  • Syntaktische Figuren: Besonderheiten betreffen die Satzstellung (z.B. Inversion)
  • Semantische Figuren: Besonderheiten betreffen die Bedeutungsebene der Wörter (z.B. Metapher)

Alle Tropen zählen dabei zu den semantischen Figuren.

Folgende Beispiele sollen dies verdeutlichen:

„Trinken wir noch ein Glas zusammen?“

In diesem Beispiel kann das Wort Glas mit zwei Bedeutungen verbunden werden. Einerseits kann es sich um das Glas an sich, also ein Gefäß handeln. Andererseits kann es, und das ist in diesem Beispiel treffender, da ein Glas nicht wirklich getrunken werden kann, ein Getränk, das getrunken werden soll, bezeichnen. Gesagt wird in diesem Beispiel „Glas“, also ein Gefäß. Der Sprecher meint aber eigentlich ein Getränk, so dass das Gesagte deutlich vom Gemeinten abweicht und es sich bei diesem Beispiel eindeutig um eine Trope handelt.

Genaugenommen stellt das Beispiel eine Synekdoche dar. Eine Synekdoche bezeichnet ein rhetorisches Stilmittel, bei dem das Gesagte ein Teil des Gemeinten ist oder ein oder nur ein Teil des Gemeinten gesagt wird, obwohl das Ganze gemeint ist. Auch eine Metonymie kann an diesem Beispiel erkannt werden. Bei dieser Trope ersetzt der Sprecher ein Wort durch ein anderes, das zum eigentlich Gemeinten in einer tatsächlichen Beziehung steht. In diesem Beispiel steht das Glas in direkter Beziehung zum gemeinten Getränk, da es das Gefäß verkörpert. Sowohl Synekdoche als auch Metonymie zählen zu den Tropen.

„Schön, dass es mich schon wieder erwischt hat“, sagt Frank und schnäuzt in sein Taschentuch. Es ist bereits seine dritte Erkältung in diesem Jahr.

In diesem Beispiel kann man Ironie deutlich erkennen. Der Sprecher, also Frank, bezeichnet die Umstände seiner Krankheit als schön, wobei es nicht wirklich schön ist, krank zu sein. Er sagt also das Gegenteil von dem was er meint. Auch in diesem Fall weichen Gesagtes und Gemeintes voneinander ab, was Ironie als Trope klassifiziert. Sarkasmus kann nur in einigen Fällen als Trope gewertet werden, da eine spöttische Bemerkung auch exakt das Gemeinte wiedergeben kann.

In einem anderen Artikel haben wir eine große Sammlung aller sprachlichen Mittel!

Wichtig zu erwähnen: Obwohl das erste und das zweite Beispiel scheinbar wenig Gemeinsamkeiten haben, zählen sie beide zur Gattung der Tropen. Das kennzeichnende Merkmal beider Beispiele ist, dass etwas gesagt wird, obwohl etwas anderes gemeint ist. Dies ist die wichtigste Eigenschaft aller Tropen.

Die Tropen: Eine Übersicht der rhetorischen Figuren

Da es verschiedene Möglichkeiten gibt etwas zu sagen und im Grunde etwas Anderes zu meinen, existieren unterschiedliche Tropen mit jeweils eigenen Namen. Im Nachfolgenden erfolgt ein tabellarischer Überblick über die bedeutendsten Tropen, so wie eine kurze Erklärung und ein passendes Beispiel zu jeder einzelnen.

 

Trope Beispiel Merkmal
Allegorie Am Ende hat wie immer Justitia gesiegt. Die Göttin Justitia steht in diesem Beispiel stellvertretend für die Gerechtigkeit. Abstrakte Dinge oder Gedanken werden konkret dargestellt. Meist erfolgt dies durch eine Personifikation. Das Gedachte wird in Bilder übertragen, die der Leser oder Zuhörer für sich selbst erschließen muss.
Antonomasie [1] „So etwas macht nur ein Judas [Verräter]!
[2] „Gelobet sei der heilige Vater!“
Ein Begriff wird durch eine Umbenennung beschrieben.
[1] Eine bestimmte Gattungsbezeichnung kann durch einen stellvertretenden Eigennamen ersetzt werden
Oder
[2] Ein charakteristisches Beiwort dient der Beschreibung des eigentlich Gemeinten, um eine Wortwiederholung zu verhindern.
Emphase „Bist du ein Mann oder eine Schokolinse?“ Ein allgemeiner Begriff wird zur Betonung eines wichtigen Aspektes des Begriffs hervorgehoben. Ausschlaggebend sind dabei Kontext und Betonung. Auf diese Weise erhält der Begriff eine zusätzliche Bedeutung.
Euphemismus Das Wort „Freudenhaus“ statt „Bordell“, das Wort „Heimgang“ statt dem „Tod“ Dient der verschönernden Darstellung unschöner oder anstößiger Dinge durch Umschreibung
Hyperbel Eine Ewigkeit warten;
„Eine Sekunde bitte“
Bezeichnet eine starke Übertreibung, um etwas möglichst Kleines oder Großes zu beschreiben.
Ironie „Schön, dass es mich erwischt hat“; „Das war ja eine großartige Leistung“ Aussage, die das Gegenteil vom Gemeinten ausrückt. Kann spöttisch oder belustigend verstanden werden.
Katachrese Es braucht ein Löwenherz, um ein Hasenfuß zu sein;
Auch ein blindes Huhn findet mal Korn, weil der Einäugige der König unter den Blinden ist.
Verbindung zweier oder mehrerer nicht zueinanderpassenden Metaphern. Wird als Stilbruch verwendet.
Litotes „Gar nicht mal schlecht“, statt gut; „nicht wach“ statt müde. Eine doppelte Verneinung wird zur Bejahung verwendet.
Metalepse „Ich habe eine Vorladung zur Mahlzeit“, statt einer Vorladung zu Gericht. Ein teilweise synonymes Wort wird statt dem eigentlich gemeinten verwendet, obwohl es nicht in den Kontext passt.
Metapher „Löwenherz“, „Hasenfuß“, „Adlerauge“, „Flammender Zorn“ Verbildlichende Darstellung eines Gegenstandes oder einer Eigenschaft. Dabei werden mehrere eigentlich unverbundene semantische Bereiche verbunden.
Metonymie „Ein Glas trinken“, „Blumen gießen“, auch wenn es Grünpflanzen sind Ein Wort wird durch ein anderes ersetzt, das in direkter Beziehung dazu steht.
Periphrase „Spross meiner Lenden“, statt mein Kind, „vierbeiniger Begleiter“ oder „bester Freund des Menschen“, statt eines Hundes. Ein Wort wird durch andere Wörter umschrieben, die auf das Ursprungswort schließen lassen.
Personifikation „Der Himmel weint“ für „regnen“, „Die Sonne lacht“, „der Wind pfeifft“ Menschliche Eigenschaften oder Tätigkeiten werden auf nicht-menschliche Begriffe abgestimmt.
Rätsel „Was geht morgens auf vier, mittags auf zwei und abends auf drei Beinen?“ Hierbei wird ein Wort bildhaft und uneindeutig beschrieben. Der Leser oder Zuhörer muss sich den Begriff selbständig erschließen.
  1. Sarkasmus
„Nur keine Eile“, obwohl es eilig ist. Passiv aggressive Form der Ironie, die vor allem auf Eigenschaften und Fehler eines Individuums zielt.
Synekdoche „Mauerfall“, „Klinge“ statt Schwert“ Entweder wird ein Teil genannt, um ein Ganzes zu beschreiben oder es wird das Ganze genannt, obwohl es in Wirklichkeit nur um einen Teil geht.

Sprungtropen und Grenzverschiebungstropen

In Bezug auf das Verhältnis von Gesagtem und Gemeintem ist es möglich, die aufgelisteten Tropen in zwei weitere Gruppierungen zu unterteilen: Sprungtropen und Grenzverschiebungstropen.

Sprungtropen meinen solche Tropen, in denen das Gesagte einen komplett unterschiedlichen Inhalt vermittelt als das Gemeinte. Spricht man zum Beispiel von einem Menschen, der „vor Wut brodelt“, so sind die Themenbereiche „Lebewesen“ und „Kochen“ weit voneinander entfernt. Da von einem Themenbereich in den anderen gesprungen wird, um diese Metapher zu bilden, spricht man von einer Sprungtrope.

Grenzverschiebungstropen stehen sich dagegen inhaltlich eher nah. Ein Beispiel hierfür wäre die Redewendung „ein Dach über dem Kopf zu haben“. Hierbei handelt es sich um eine Synekdoche, da das Dach ein Teil des Hauses ist und in der Aussage stellvertretend für das Haus steht. Dabei sind die Wörter „Dach“ und „Haus“ dem selben Themenbereich zuzuordnen, was sie zu Grenzverschiebungstropen macht.

Fazit: Das Wichtigste im Schnelldurchlauf

Eine Trope ist ein Sammelbegriff für sprachliches Stilmittel. Sie sammelt verschiedene Figuren mit einer charakteristischen Gemeinsamkeit unter einem Dach. Diese wichtige Eigenschaft ist der Unterschied zwischen dem Gesagten und dem Gemeinten. Beides muss voneinander abweichen, damit von einer Trope gesprochen werden kann.

Das Ziel dieser rhetorischen Stilmittel ist es, die Sprache zu beleben und zu verbildlichen. Durch Tropen werden Begriffe so umschrieben, dass sie für den Zuhörer oder Leser ausgeschmückter und lebendiger zu verstehen sind.

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