Was ist Rollgeld bei einer Lieferung? Aufklärung

Was ist Rollgeld bei einer Lieferung

Im Frachtverkehr und der Logistikbranche werden eine ganze Reihe von Fachbegriffen verwendet. Sie dienen zur besseren Verständigung zwischen Absender und Empfänger einer Lieferung. Werden sie in einem Vertrag oder einem Lieferdokument erwähnt, wissen alle beteiligten Parteien sofort, worum es geht. Die wichtigsten Begriffe im internationalen Frachtverkehr werden in den so genannten Incoterms festgelegt. Das sind Abkürzungen, bei denen es um die Transportkosten geht. sie regeln, welche Kosten vom wem übernommen werden müssen. Der Begriff Rollgeld ist jedoch nicht in den Incoterms verzeichnet.

Was bedeutet Rollgeld?

Kurz gesagt ist Rollgeld eine Bezeichnung für die Transportkosten, die bei der Lieferung vom Versender der Waren bis hin zum Empfänger entstehen. Der Begriff ist in den deutschsprachigen Ländern gebräuchlich. Im internationalen Frachtverkehr werden diese Gebühren mit dem englischen Wort cartage bezeichnet. Das Wort Rollgeld wird schon seit langem gebraucht. Es stammt noch aus einer Zeit, in der viele Waren in Fässern transportiert wurden. Damals fuhren Pferdegespanne bei der Fabrik vor und holten die Fracht ab. Die Fässer wurden auf die Fuhrwerke gerollt und dann zum Bahnhof gefahren. Dort wurden sie in den Zug verladen und bis zum Zielbahnhof gebracht. Dort wartete ein anderes Fuhrwerk, das die Fässer abholte und sie zum Empfänger der Ware, dem Groß- oder Einzelhändler, brachte. Weil beim Be- und Entladen die Fässer gerollt wurden, bürgerte sich für die Gebühr die Bezeichnung Rollgeld ein.

Rollgeld heute

Obwohl heute nur noch wenige Produkte in Fässern transportiert werden, hat sich die Bezeichnung bis in unsere Gegenwart erhalten. Am Grundprinzip hat sich bis heute nichts geändert. Das Rollgeld ist eine Gebühr, die an Speditionsfirmen gezahlt wird. Die Gebühr wird in 2 Arten unterteilt:

  • Rollgeld I
  • Rollgeld II

Das Rollgeld I beinhaltet die Transportkosten vom Absender bis zum Haupttransportmittel. Das Rollgeld II ist die Bezeichnung der Transportkosten vom Haupttransportmittel bis zum Empfänger der Lieferung.

In früheren Jahren wurde Rollgeld hauptsächlich beim Transport mit der Bahn erhoben. Bereits im Jahr 1932 wurde zum Beispiel der so genannten “bahnamtliche Rollfuhrdienst” in Deutschland gegründet. Er regelte den Güterverkehr mit der damaligen Deutschen Reichsbahn und der Deutschen Bahnspedition GmbH (Schenker). In diesem “Schenker-Vertrag” wurde auch die Zahlung von Rollgeldern festgelegt.

Wer genau welche Rollgelder bezahlen muss, ist in den jeweiligen Lieferverträgen festgelegt. Steht im Vertrag zum Beispiel der Begriff “frei Haus”, bedeutet das, der Versender der Waren ist dazu verpflichtet, alle Kosten für den Transport zu übernehmen. Das schließt nicht nur die Rollgelder ein, sondern auch Zoll, Versicherung und Abfertigungsgebühren. Wird im Liefervertrag dagegen der Begriff “ab Werk” (englisch ex works, EXW) festgelegt, bedeutet das, der Empfänger verpflichtet sich dazu, die gesamten Transportkosten, inklusive Rollgelder, zu übernehmen. Zu diesen Themen gab es in der Vergangenheit schon mehrfach gerichtliche Auseinandersetzungen.

Heute ist die Entwicklung natürlich weiter voran geschritten. In den meisten Fällen ist die Bahn nicht mehr das Haupttransportmittel. Dank der Globalisierung werden die meisten Güter per Schiff transportiert. auch in diesem Fall fällt Rollgeld an. Das Rollgeld I für den Transport der Ware vom Versender bis zum Hafen, das Rollgeld II für den Transport der Güter vom Zielhafen bis zum Empfänger.

Werden die Waren mit dem Flugzeug transportiert, verhält es sich ähnlich. Das Rollgeld I muss vom an den Spediteur bezahlt werden, der die Ware beim Versender abholt und sie zum Startflughafen bringt. Das Rollgeld II bekommt der Spediteur, der die Waren am Zielflughafen abholt und zum Empfänger transportiert.

Das Rollgeld macht nur einen kleinen Teil der gesamten Transportkosten aus. Für private Verbraucher spielt es praktisch keine Rolle. Der Begriff wird hauptsächlich von Spediteuren und Kaufleuten gebraucht Durch das Aufkommen des Warenversands in Containern konnte es in den letzten Jahrzehnten noch weiter reduziert werden, da der Versand in Containern das Umpacken der Waren überflüssig macht. Das machte den Transport effizienter und damit auch günstiger. Das ist auch ein Teil der Erklärung dafür, warum viele Produkte vom anderen Ende der Welt trotzdem in Deutschland so günstig angeboten werden können.

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