Was sind Adjektive ohne Steigerung? – Erklärung, Beispiele, Merkmale

Steigerbare Formulierungen sind seit Jahren immer mehr in Mode gekommen. Man möchte Dinge in keinster Weise bestreiten, das Arbeitszeugnis bescheinigt die Arbeit zur vollsten Zufriedenheit und der Dieb gesteht dem Polizisten nur ein „einzigstes“ Mal gestohlen zu haben. Hierbei handelt es sich meist um eine Modeerscheinung in der Sprache, da dies intellektueller wirkt, als einfach nur „nein“ zu sagen.

Werden nicht steigerbare Adjektive (Absolutadjektive) gesteigert, wird unterschieden zwischen dem Hyperlativ (eine den Sprachregeln zuwiderlaufende Komparationsform) und dem Elativ (aus dem lateinischen elatum „hervorgehoben“, dem absoluten Superlativ), einer vierten Steigerungsstufe, welche in manchen Sprachen Anwendung findet.

Der Hyperlativ ist die Steigerung eines Adjektivs, welches nicht steigerbar ist. Das Wort „einzig“ lässt sich nicht steigern, es gibt kein „einzigstes“ Mal, wie im obigen Beispiel angeführt. Eine Sache ist entweder ein einziges Mal aufgetreten oder nicht.
Ebenso ist es nicht möglich, das Adjektiv „fünfeckig“ zu steigern. Eine Sache ist entweder fünfeckig oder sie ist es nicht, ein Gegenstand kann also nicht fünfeckiger sein als der andere. Ebenso verhält es sich mit dem tot sein – dort trifft ebenfalls keine Steigerungsform zu.

Komparative von Adjektiven werden benutzt, um einen qualitativen oder quantitativen Unterschied zu definieren. Es soll geklärt werden, ob es etwas größer oder schwerer als ein vergleichbares Objekt ist. Wenn ein Adjektiv einen absoluten Zustand definiert, kann es nicht gesteigert werden. Als Beispiel ist hier nochmals das tot sein zu erwähnen. Dies ist ein nicht steigerbares Adjektiv, welches nicht im Komparativ angewendet werden kann. Entweder ist etwas tot oder nicht.

Auch die vertraute Redewendung „in keinster Weise“ stellt einen Hyperlativ dar. Das Wort „kein“ ist nicht steigerbar, auch wenn der allgemeine Sprachgebrauch uns etwas anderes glauben lassen möchte.
Auch die vollste Zufriedenheit des Arbeitgebers fällt in den Bereich der Hyperlative. Eine Sache, die voll ist, kann nicht weiter gesteigert werden. Allerdings lässt sich gegen diese Formulierung kaum vorgehen, da diese spezielle Ausdrucksweise längst im Jargon von Arbeitszeugnissen der Schulnote „sehr gut“ entspricht. Volle Zufriedenheit wiederum stellt lediglich die Schulnote „befriedigend“ dar. Zwar ließe sich dieser Hyperlativ mit Formulierungen wie „hat unsere Erwartungen in jeder Hinsicht und in besonderer Weise entsprochen“ vermeiden, jedoch findet sich in der Realität meist die „vollste Zufriedenheit“ und wird sozial auch als sprachlich richtig akzeptiert.

Hier noch einige Beispiele für nicht steigerbare Adjektive:

falsch
unnahbar
lauwarm
leer
optimal
minimal
schwanger
fertig
entscheidend

Doch selbst Klassiker der deutschen Literatur arbeiten mit Hyperlativen.

„Indessen kann man sich des Lachens unmöglich enthalten, wenn wir den unziemlichen Situationen begegnen, die, einzig in ihrer Art, die einzigste Verkehrtheit andeuten!“
(Johann Wolfgang Goethe an den Großherzog Carl August)

„Oh, lassen Sie mir das! Es ist meine einzigste Freude; ich habe ja sonst gar keine Freuden mehr!“
(von Theodor Storm: Im Nachbarhause links)

Gemäß den Sprachregeln für Steigerungen von Adjektiven ist selbst dieser Text, welcher aus der Feder von Goethe stammt, grammatikalisch falsch:

Für uns andere, besonders deutsche Zuhörer, blieb es ein unschätzbarer Genuss, in dem Augenblicke, wo wir eine treffliche, längst gekannte verehrte Dame, in den zartesten Tönen sich auf dem Flügel ergehend, vernahmen, zugleich hinab vom Fenster in die einzigste Gegend von der Welt zu schauen und in dem Abendglanz der Sonne mit weniger Wendung des Hauptes das große Bild zu überblicken, das sich linker Hand vom Bogen des Septimius Severus das Campo Vaccino entlang bis zum Minerven- und Friedenstempel erstreckte, um dahinter das Koliseum hervorschauen zu lassen, in dessen Gefolge man dann das Auge rechts wendend, an den Bogen des Titus vorbeigleitend in dem Labyrinthe der palatinischen Trümmer und ihrer durch Gartenkultur und wilde Vegetation geschmückten Einöde sich zu verwirren und zu verweilen hatte.
(Johann Wolfgang Goethe: Italienische Reise)

Hingegen ist die Übersetzung des Werkes von Mark Twain „Huckleberry Finn“ an dieser Stelle mit der Verwendung des Wortes „einzigst“ stilistisch richtig, da der Sprecher eindeutig die verwendete Sprache nicht besonders gut spricht.

Huck Finn sein arme, alte, schwarze Nigger seine beste Freund, sein alte Jim seine einzigste Freund!
(Mark Twain: Abenteuer und Fahrten des Huckleberry Finn)

Im Gegensatz zum Komparativ und dem Superlativ wird die vierte Steigerungsstufe, der Elativ, nicht zum Vergleich benutzt. Normalerweise wird er in der deutschen Sprache mit den Worten „sehr“, „äußerst“ und „überaus“ umschrieben. Dem Elativ fehlt also der Vergleichspartikel „am“.

Somit ist also das äußerst Unangenehme das Unangenehmste, oder das sehr Schlechte steht für das Schlechteste. So kann man herzlichste Grüße an die Tante übermitteln oder bester Gesundheit sein.

Gelegentlich werden auch anstelle von den Worten „sehr“, „äußerst“ und „überaus“ auch Vorsilben verwendet wie zum Beispiel „hyper-„, „hoch-„, „bild-„, „feder-“ oder ähnliche Wortbildungen. Diese setzen sich dann zu Worten wie hypermodern, hochmodern oder ähnliche zusammen. Diese Formen stellen einen Elativ dar.

Bei einem zusammengesetzten Adjektiv wird jeweils nur ein Teil gesteigert. So sollte man Fehler entweder weitestgehend oder weitgehendst vermeiden. Niemals jedoch weitestgehendst!

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