Was sind Milizen & was ist der Unterschied zu Militär?

Was sind Milizen

In den Nachrichten aus aller Welt ist gelegentlich zu lesen, dass in einem Konfliktgebiet reguläre Truppen oder Schutzeinheiten von „örtlichen Milizen“ in Kämpfe verwickelt wurden. Was aber sind Milizen genau und welche Arten von kämpfenden Einheiten gibt es noch?

Hintergrund: die Geschichte des Krieges

Die Geschichte von kämpfenden Einheiten, die gegen eine andere Fraktion in den Krieg ziehen, ist so alt wie der Beginn der menschlichen Zivilisation vor etwa 10.000 Jahren. Zuvor waren die Menschen ausschließlich als Nomaden unterwegs, sie zogen in kleineren und größeren Familienclans Ressourcen wie Nutzpflanzen, Fischen und erlegbaren Beutetieren hinterher. Zu diesen Zeiten kam es selbstverständlich auch schon zu Kämpfen mit anderen Clans um die zuvor erwähnten Güter, man kann hier allerdings nicht von Kriegen sprechen. Es waren spontane, unorganisierte Auseinandersetzungen, um sich unmittelbar Nahrung oder einen Unterschlupf für die eigene Gruppe zu sichern.

Als unsere Vorfahren dann jedoch sesshaft wurden, änderte sich alles. Diese fundamentale Änderung im Verhalten des Menschen wird heute auch als „Neolithische Revolution“ bezeichnet. Plötzlich begann der Mensch, ausgewählte Gebiete als sein Eigentum zu betrachten, er baute dort seine Nahrung selbst an und entdeckte die Vorratshaltung – und Wohlstand, Wirtschaft und Politik erhielten Einzug in das menschliche Sozialleben.

Dieses Verhalten legte daraufhin den Grundstein für das Konzept des Krieges. In den Auseinandersetzungen mit anderen Gemeinschaften ging es nun nicht mehr um eine Höhle oder eine erlegte Antilope – es ging um Land, Ressourcen, Besitz und Macht. An diesen Beweggründen für einen Krieg hat sich auch 10.000 Jahre später nichts geändert.

Nachschlagewerke wie Wikipedia und andere definieren Krieg heute meistens so: „Krieg ist ein organisierter und unter Einsatz erheblicher Mittel mit Waffen und Gewalt ausgetragener Konflikt, an dem planmäßig vorgehende Kollektive beteiligt sind.“

Welche Kampfeinheiten unterscheiden wir?

Autonome Nationen, Reiche und Fraktionen – sowie die, die sich für zuvor genannte halten – etablieren in den meisten Fällen in irgendeiner Form eine Streitmacht, um die eigenen Interessen zu schützen beziehungsweise voranzutreiben. Diese besteht üblicherweise aus Soldaten, Geschützen, Fahrzeugen, Fluggeräten und Schiffen und bildet zusammen das Militär. Bei den Infanteriekräften – also den „zu Fuß“ kämpfenden Soldaten – kann grob unter folgenden Formen unterschieden werden:

  • Stehendes Heer: die Soldaten stehen dauernd unter Waffen und sind somit jederzeit unmittelbar einsetzbar. Das Römische Imperium etwa unterhielt ein gigantisches stehendes Heer mit sogenannten Legionen, die häufig in eigens errichteten Siedlungen und Befestigungsanlagen lebten, wohnten sowie gedrillt wurden. Bedrohte eine externe Macht das Reich oder kam es zu einem Angriff von feindlichen Barbaren, konnten diese Einheiten innerhalb weniger Stunden komplett bewaffnet und ausgerüstet ausrücken. Auch in der heutigen Zeit unterhalten viele Nationen ein stehendes Heer, um Stärke zu demonstrieren und im Bedarfsfall sofort Streitkräfte mobilisieren zu können. Stehende Heere sind üblicherweise gut ausgebildet und somit sehr effektiv, da es sich um Berufssoldaten handelt, die keiner anderen Haupttätigkeit nachgehen.
  • Reserve- und Verstärkungstruppen: im Gegensatz zum stehenden Heer stehen diese Soldaten zunächst unausgerüstet und nur auf Abruf zur Verfügung. Sie führen nach ihrer Ausbildung und/oder ihrem aktiven Militärdienst ein „normales“ Leben, bis sie unter Umständen irgendwann zur Unterstützung zu einem Einsatz gerufen werden.
  • Söldner: ebenfalls Berufssoldaten wie bei einem stehenden Heer, stehen Söldner allerdings in keinerlei Bezug zu den Konfliktparteien oder deren Zielen. Sie bieten ihre Dienste ausschließlich gegen bare Münze an – und zwar jedem, der ihren Preis zu zahlen bereit ist. Söldner spielten bis zu den Kriegen des 20. Jahrhunderts noch eine gewisse Rolle, in der modernen Kriegsführung von heute jedoch nicht mehr.
  • Milizen: eine Milizarmee oder auch Volksheer besteht aus bewaffneten Bürgern, die freiwillig oder von ihrer Obrigkeit mobilisiert gegen Bedrohungen für ihr Land, Gut oder Leben ins Gefecht ziehen. Militärisch oft nur rudimentär ausgebildet – zum Beispiel durch einen Grundwehrdienst – sind sie auch nicht immer einheitlich uniformiert und ausgerüstet. Häufig kämpfen sie gar mit privat beschafftem Kriegsgerät. Auch Guerillas und Partisanen, die in ihrer Heimat die amtierende Regierung mit Gewalt bekämpfen, zählen zu den Milizen.

Eine klare Abgrenzung zwischen den genannten Formen gibt es jedoch nicht. So können Reserve- und Verstärkungstruppen durchaus komplett aus Milizen bestehen und gleichermaßen kann eine Nation gänzlich auf Berufssoldaten verzichten. Im Kriegsfalle würden dann alle wehrpflichtigen und -fähigen Bürger eingezogen und ausgerüstet, wobei es sich dann faktisch ebenfalls um Milizen handelte.

Hat dir der Beitrag gefallen?

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here