Was sind „Nudes“? Übersetzung & Bedeutung

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„Schick mir mal ein paar Nudes!“ – ein vermeintlich harmloser Satz mit großen Gefahren

Eltern pubertierender Sprösslinge kommen nicht immer mit, wenn sich ihre Kinder mit anderen Jugendlichen unterhalten. In der heutigen Zeit omnipräsenter sozialer Medien geistern praktisch täglich neue Begriffe und Wortschöpfungen durch die Netzwerke. Menschen, die nicht täglich auf Facebook, Twitter & Co. unterwegs sind, fehlt es dann häufig an Verständnis und Durchblick. Oder wissen Sie, was Ihr Kind meint, wenn es stolz verkündet, eine „Chinning-Challenge“ gewonnen oder gerade einen „Rant“ bekommen zu haben?*

Schnappen Sie jedoch einmal auf, dass jemand gebeten wird, „Nudes“ zu schicken, sollten Sie umgehend hellhörig werden. Denn was zunächst so harmlos klingt, ist es ganz und gar nicht.

Was bedeutet „Nudes“ und woher kommt es?

„Nudes“ ist einer der vielen Wortneuschöpfungen aus dem Internet. Es leitet sich vom englischen Adjektiv „nude“ ab, was „nackt“ bedeutet und – im aktuellen Sprachgebrauch substantiviert – für Nacktbilder steht. „Schick mir doch mal Nudes“ bedeutet also nichts anderes, als dass jemand aufgefordert wird, Nacktaufnahmen von sich (evtl. auch anderen Personen) über Internet oder Smartphone zu verschicken.

Wo liegen die Gefahren?

Wer jemanden auffordert, intime Aufnahmen von sich zu versenden, hat in den seltensten Fällen Gutes oder Seriöses damit im Sinn. Erfahrungen aus der Vergangenheit haben gezeigt, dass sich (fast ausnahmslos weibliche) Jugendliche und junge Erwachsene erstaunlich leicht von ihnen kaum bekannten, ja sogar völlig fremden Menschen dazu verleiten lassen, solche Fotos zu versenden.

Die Masche dabei ist immer die gleiche: zunächst wird harmlos über Chat oder WhatsApp ein wenig geplaudert, geflirtet und es werden großzügig Komplimente vergeben. Die Angesprochene fühlt sich wertgeschätzt, begehrt und bewundert. Irgendwann beginnt der – häufig anonyme oder mit falschem Namen angemeldete – Gesprächspartner, Dinge wie „hey, ich weiß fast gar nichts von dir, nicht einmal, wie du aussiehst!“ zu schreiben.

Und schlussendlich kommt es dann zu direkten Aufforderungen, die die Angesprochenen meistens sogar noch unter Druck setzen: „Wenn du mich wirklich magst, schicke mir ein paar Nudes von dir. Ansonsten glaube ich nicht, dass du es ehrlich mit mir meinst und ich werde dir nicht länger schreiben.“ Aus Angst, den vermeintlich tollen neuen Freund oder gar „Seelenverwandten“ für immer zu verlieren, kommen allzu viele junge Mädchen dann solchen Aufforderungen nach.

Was anschließend mit solchen Bildern geschieht, müssen wir leider immer wieder in den Nachrichten lesen – der Empfänger versendet die Bilder mit hämischen Kommentaren versehen an die Mitschüler, in Windeseile befinden sich die Aufnahmen auf allen Smartphones auf dem gesamten Schulhof.

Das so perfide hintergangene und gedemütigte Mädchen kann vor Scham nicht mehr in die Schule gehen und muss psychologisch betreut werden. Doch immer wieder kommt in solchen Fällen jede Hilfe zu spät – nicht wenige Jugendliche nahmen sich bereits nach so einer traumatischen Erfahrung ihr junges Leben.

Nicht minder groß ist auch die Gefahr, dass sich der vermeintliche nette Junge aus der gleichen Stadt als gewissenloser Triebtäter entpuppt, der im Internet gezielt junge Mädchen mit oben beschriebener Masche anspricht, um in den Besitz von Nacktbildern für Pornoseiten zu kommen oder gar persönliche Treffen mit den ahnungslosen Opfern auszuhandeln.

Was kann ich tun, wenn ich so etwas bei meinen Kindern oder deren Freunden mitbekomme?

Erlangen Sie – über welchen Weg auch immer – Kenntnis über solche Vorgänge oder auch nur Überlegungen in diese Richtung bei Ihren Kindern und deren Freunden, müssen Sie unmittelbar aktiv werden. Informieren Sie umgehend die Erziehungsberechtigten (falls Sie es nicht selbst sind) der Jugendlichen und nehmen Sie Ihren eigenen Sprössling zur Seite. Stellen Sie Ihr Kind während des Gesprächs nicht anklagend an den Pranger, sondern sprechen Sie mit ihm sachlich darüber, was durch ein einziges unbedacht verschicktes Bild angerichtet werden kann.

Machen Sie ihm in aller Deutlichkeit klar, dass sich bereits viele verzweifelte junge Menschen nach solchen Erlebnissen das Leben genommen haben und dass Sie Ihr Kind mit aller Macht vor solchen Erfahrungen bewahren möchten. „Schick mir mal ein paar Nudes!“ ist alles andere als ein jugendlicher Schabernack und kann die allerschlimmsten Folgen nach sich ziehen.

*Übrigens – falls Sie von Ihren Kindern die anderen Begriffe aus der Einleitung aufgeschnappt haben, müssen bei Ihnen keine Alarmglocken schrillen: Ihr Kind hat lediglich mit dem „schönsten“ Doppelkinn bei einem Selfie-Wettbewerb (= „Chinning-Challenge“) gewonnen und hatte gerade einen kleinen Ausraster (= „Rant“).

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