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Wichtigste rhetorische Stilmittel für eine Gedichtanalyse / Interpretation

  • by Anatoli Bauer

Rhetorische Stilmittel sind dafür da, um bestimmte Texte zu analysieren und zu interpretieren, darunter vor allem Gedichte. Aber auch in jeder anderen Textsorte und sogar in unserer Alltagssprache sind diese Mittel sehr beliebt, um etwas auszudrücken. Rhetorische Stilmittel geben dem Lesenden oder Hörenden des Werkes eine Wirkung mit sich, die meist durch eine Wortstellung oder einen spezifischen Ausdruck hervorgehoben werden. Manche dieser Mittel nutzen wir auch unterbewusst, um bei einer anderen Person einen bestimmten Effekt auszulösen. Die wichtigsten Stilmittel werden hier einmal aufgelistet und erklärt, in alphabetischer Reihenfolge. Wenn es nötig ist, werden Beispiele gebracht, aber die meisten Stilmittel sind selbsterklärend.

Akkumulation

Eine Anhäufung von verschiedenen Worten, welche alle unter einem Oberbegriff fallen. Sie werden aber einzeln aufgezählt, um eine gewisse Wirkung zu erzielen und zu zeigen, welche Vielfalt es gibt.

Allegorie

Eine Art Vergleich oder Symbol (beides einzelne Stilmittel), in der eine Figur oder ein Bild für etwas anderes steht. Beispielsweise steht der Sensenmann für den Tod.

Alliteration

Dies bezieht sich auf die häufige Wiederholung des Anfangsbuchstaben von mehreren Worten hintereinander. Ein Beispiel wäre ein “witziger, wortgewandter Wurm”.

Anadiplose

Die Wiederholung des letzten Wortes des vorherigen Satzes am Anfang des aktuellen Satzes anstelle eines Pronomens.

Anapher

Dabei werden am Anfang einer Gedichtstrophe Wörter wiederholt, welche auch schon vorher vorkamen. Bei normalen Texten bezieht es sich einfach auf die Wiederholung von Satzanfängen.

Antithese

Eine Gegenüberstellung zweier Aussagen, um einen Gegensatz zu zeigen. Wird oft verwendet, um zwei Seiten eines Problems zu veranschaulichen.

Chiasmus

Eine Überkreuzung von Satzbau zwischen mehreren Versen oder Sätzen. Dabei werden oftmals nur bestimmte Worte ausgetauscht, aber die allgemeine Satzstellung bleibt bestehen.

Ellipse

Bestimmte Wortteile oder sogar Satzteile werden weggelassen, welche nicht zwingend für das weitere Verständnis wichtig sind. Damit liest sich der Text meist flotter oder drückt bestimmte Charakteristiken des Sprechers aus.

Epipher

Das Gegenstück zur Anapher; dabei wiederholt sich ein Wort oder eine Wortgruppe am Ende eines Satzes oder eines Gedichtverses

Euphemismus

Eine Beschönigung einer eigentlich unschönen Handlung. Wird in den meisten Fällen dazu verwendet, um den Tod weniger dramatisch darzustellen. Dazu werden bestimmte Worte wie “sterben” oder “tot” vermieden und stattdessen Aussagen wie “sich zur ewigen Ruhe gelegt” oder “für immer stumm” verwendet.

Hyperbel

Eine Übertreibung einer bestimmten Aussage, oftmals durch viele Worte unterlegt, die eigentlich nicht nötig sind, um diese bestimmte Sache auszudrücken.

Hypotaxe

Ein sehr verschachtelter Satz, erkennbar an vielen Kommas und Einschiebungen, um eine Situation noch näher zu erläutern.

Inversion

Die Umstellung des Satzbaus, um einen gewünschten Effekt zu erzielen. Meist soll dabei ein anderes Wort im Vordergrund stehen, als es normalerweise der Fall ist.

Ironie

Wörtliche Aussage und eigentliche Intention stimmen nicht überein. Oftmals wird bei Ironie das Gegenteil von dem gesagt, was der Sprecher eigentlich meint. Wird zum Beispiel oft verwendet, wenn sein Gegenüber etwas falsch gemacht hat und man die Person trotzdem lobt.

Klimax

Eine Steigerung, welche oft durch die Anhäufung von ähnlichen Worten signalisiert wird.

Lautmalerei (Onomatopoesie)

Die Verwendung von Geräuschen im Text, welche auch so geschrieben werden. Zum Beispiel wird das Zuknallen einer Tür mit einem Rumms umschrieben, oder Wasser mit Plätschern symbolisiert.

Lyrisches Ich

Wird vor allem in Gedichten mit einem “ich” angezeigt. Es muss aber nicht zwingend den Verfasser selbst repräsentieren, sondern ist lediglich die handelnde Person der Geschichte, die darin dargestellt wird.

Metapher

Eines der wohl wichtigsten Stilmittel, dass in Texten verwendet wird. Es kann die Zusammensetzung zweier eigentlich fremden Wörter bedeuten, um ein neues Wort zu bilden. Ein Beispiel wäre das Wort “Baumkrone”. Im weiteren Sinne sind Metaphern aber schwer einzugrenzen und es kann sich auf alles beziehen, was in gewisser Weise umschrieben wird. Es ist oftmals ein Vergleich, der ohne das Wort “wie” daherkommt.

Neologismus

Eine Wortneuschöpfung, welche verwendet wird, wenn der Verfasser etwas Bestimmtes ausdrücken will, es aber in unserem Sprachgebrauch dafür kein passendes Wort gibt.

Oxymoron

Die Kombination von Worten, welche vom Sinn her eigentlich gar nicht zusammenpassen. So etwas wie “bittersüß” ist ein klassisches Beispiel.

Palindrom

Ein Wort oder ein Satz, was sowohl von hinten als auch von vorne gelesen gleich ausgesprochen wird.

Parallelismus

Die Wiederholung von einer gleichen Satzstruktur direkt hintereinander, welche sich nur geringfügig unterscheiden.

Parenthese

Einschub eines Satzteils, oftmals signalisiert durch Gedankenstriche (-), welche das Gesagte vom anderen Satz abgrenzen.

Personifikation

Ein Stilmittel, um eigentlich leblosen Dingen einen Charakter einzuhauchen. Dabei werden oft menschliche Taten auf Gegenstände oder Tiere übertragen. Ein Beispiel ist “der Wind heult”, theoretisch kann er das natürlich nicht, es klingt aber für uns so.

Rhetorische Frage

Eine im Text gestellte Frage, auf die es keine Antwort gibt oder die überflüssig gestellt wird, da die Antwort bereits bekannt ist.

Reimform

Dies bezieht sich speziell auf Gedichte, aber manchmal kommen Reime auch in normalen Texten vor. Es gibt verschiedene Formen, darunter der Paarreim (zwei aufeinanderfolgende Verse), Kreuzreim (abwechselnde Verse) oder der umarmende Reim (erste und letzte, sowie die mittleren Verse reimen sich jeweils).

Symbol

Etwas, was stellvertretend für eine andere Sache steht. Beispielsweise werden Farben dafür verwendet: blau steht für Kälte, rot für Feuer, grün für die Natur. Es gibt aber sehr viele Symbole, welche möglicherweise für jeden Menschen eine andere Bedeutung haben.

Vergleich

Schaffung einer Parallelen zwischen zwei Dingen oder Aussagen, oftmals signalisiert durch die Worte “wie” oder “als”. Jemand ist so “groß wie ein Berg” oder etwas ist “so nass wie Wasser”.

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