Leben & leben lassen – Was bedeutet der Spruch? Aufklärung

Die bekannte Redensart „leben und leben lassen“ ist im heutigen Sprachgebrauch fest integriert. Sie wird oft verwendet, um anzudeuten, dass die Haltung oder Handlung eines Menschen zwar nicht mit der eigenen Einstellung d’accord geht, es aber jedem selbst überlassen ist, die Angelegenheit so zu handhaben, wie man möchte. Woher aber kommt dieser Ausdruck, wie kann er angewandt werden und was ist seine zentrale Aussage?

Herkunft der Redensart

Bei der Redensart „Leben und leben lassen“ handelt es sich um ein Zitat aus dem ersten Teil „Wallensteins Lager“ von Friedrich Schillers Triologie Wallenstein. In seinem Drama wird über den Feldmarschall Tilly gesagt: „Und gings nur nicht aus seiner Kassen,
Sein Spruch war: leben und leben lassen.“

In diesem Kontext bedeutet der Spruch, dass Tilly den zuvor im Text genannten Soldaten einige Freiheiten zukommen ließ, sofern dies keine Auswirkungen auf sein eigenes Budget hatte. Laut ihm waren sie befugt, ihre Freizeit so zu gestalten, wie es ihnen beliebte, wenn es ihn in keinerlei Weise negativ betraf.

In weiterer Folge impliziert die Redensart aber auch, dass sich der Feldmarschall das Recht herausnimmt sein Leben nach seinen eigenen Vorstellungen zu leben.

Entwicklung im Laufe der Zeit

Im ersten Weltkrieg erfährt das Sprichwort schließlich eine andere Bedeutung. Es beschreibt das Verhalten zwischen Soldaten unterschiedlicher Lager, die sich an der Front gegenüberstehen, aber von feindlichen Handlungen absehen. Sie lassen den anderen das Leben und werden von diesen dafür ebenso nicht bedroht. Zur Anwendung kam die stille Vereinbarung, wenn während des Essens an der Front Waffenruhe herrschte, sich die Feldartillerie täglich an derselben Stelle und zur selben Zeit positionierte, um ihr Auftreten vorhersehbar zu machen und Schützen absichtlich ihr Ziel verfehlten, um ihr Gegenüber nicht zu verletzen.

Abgesehen von wenigen leben-und-leben-lassen-Vereinbarungen, die öffentlich beschlossen wurden, wie es zum Beispiel um Weihnachten 1914 der Fall war, kam es zumeist durch das Verhalten der Soldaten zum Tragen, wenn sie demonstrativ darauf verzichteten, jemandem aus dem gegnerischen Lager das Leben zu nehmen.

Moderne Anwendung der Redensart

Im heutigen Sprachgebrauch tritt die Redensart selten im Kontext mit derart lebensbedrohlichen Situationen auf. Im Allgemeinen wird damit darauf verwiesen, dass man es jedem selbst überlässt, wie er/sie leben möchte, sich selbst aber das selbe Recht erwartet. Häufig anzutreffen ist die Redensart zum einen, wenn es um Stilfragen geht. Man drückt damit aus, dass das modische Empfinden eines anderen nicht dem eigenen entspricht, man sich aber wenig darum kümmert, oder ihm gerne gewährt sich so anzuziehen, wie es ihm beliebt.

Ebenso anzutreffen ist die Phrase in Bezug auf die Lebensführung von anderen Menschen. Damit kann ausgesagt werden, dass man dem anderen Toleranz und Akzeptanz entgegenbringt und er sein Leben so gestalten soll, wie er es wünscht, solange dies keine negativen Auswirkungen auf die eigene Lebensführung hat. Aus diesem Grund ist der Spruch häufig mit Themen der Integration verbunden.

Zum Zwecke eines friedvollen Miteinanders soll niemandem ein Lebensstil aufgelastet werden, der nicht seinem Naturell entspricht, diese Akzeptanz muss aber von beiden Seiten kommen, damit es innerhalb der gesellschaftlichen Ordnung nicht zu Auseinandersetzungen kommt.

Redensarten mit ähnlicher Bedeutung

Eine Wortart, die der Bedeutung im weitesten Sinne entspricht ist „Was du nicht willst, dass mann dir tu, das füg auch keinem andren zu.“ Was hier in verneinter Form vorliegt, drückt aus, dass man sein Gegenüber so behandeln soll, wie man selbst gerne behandelt werden würde.

Des weiteren wäre noch die Redensart: „jedem Tierchen sein Pläsierchen“ zu erwähnen, die ebenfalls ausdrückt, dass es jemandem frei steht zu handeln, wie er/sie möchte. Heutzutage ist das 1888 durch die Gedichtsammlung Edwin Bormanns berühmt gewordene Sprichwort aber fast aus dem Sprachgebrauch verschwunden.