Charakterisierung von Faust in „Faust I“ (Goethe) – mit Textbelegen und Muster

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Aktualisiert: Oktober 2026 · Fach: Deutsch

Kurz erklärt

  • Heinrich Faust ist ein alternder Gelehrter, der vier Wissenschaften studiert hat und trotzdem verzweifelt: Er will erkennen, „was die Welt / Im Innersten zusammenhält“.
  • In ihm streiten „zwei Seelen“: der Drang nach höchster Erkenntnis und die Sehnsucht nach sinnlichem Leben.
  • Er geht eine Wette mit Mephisto ein: Wenn er je zufrieden sagt „Verweile doch! du bist so schön!“, gehört seine Seele dem Teufel.
  • In der Gretchentragödie wird er schuldig: Gretchens Mutter, ihr Bruder Valentin und ihr Kind sterben, Gretchen landet im Kerker.
  • Faust ist ein „Strebender“: maßlos, rastlos, getrieben, aber nicht durch und durch böse. Gott sagt im Prolog: „Es irrt der Mensch, solang er strebt.“

Faust ist die Hauptfigur von Johann Wolfgang von Goethes Tragödie „Faust. Der Tragödie erster Teil“ (1808). Für eine gute Charakterisierung musst du zwei Seiten zeigen: den verzweifelten Wissenschaftler zu Beginn und den Liebhaber, der Gretchen ins Unglück stürzt. Hier findest du die wichtigsten Merkmale mit Zitaten, Fausts Entwicklung als Grafik und eine Muster-Charakterisierung.

Wer ist Faust? Die Fakten

Name Heinrich Faust (Gretchen nennt ihn „Heinrich“)
Stand Gelehrter, Magister und Doktor, unterrichtet seit zehn Jahren Studenten
Studium „Philosophie, / Juristerei und Medizin, / Und leider auch Theologie“
Alter zu Beginn alt; in der Hexenküche verjüngt
Lebenslage einsam in seinem engen Studierzimmer, ohne Besitz und Ansehen, die er sich wünscht
Gegenspieler Mephisto, der Teufel, der ihm als Diener und Begleiter dient

Faust als verzweifelter Gelehrter

Der berühmte Eingangsmonolog in der Szene „Nacht“ zeigt Faust am Tiefpunkt. Er hat alles studiert und muss feststellen, „daß wir nichts wissen können“. Bücherwissen genügt ihm nicht, er will das Wesen der Welt unmittelbar begreifen. Deshalb wendet er sich der Magie zu und beschwört den Erdgeist. Doch der weist ihn schroff zurück: „Du gleichst dem Geist, den du begreifst, / Nicht mir!“ Faust stürzt in tiefe Verzweiflung und will sich mit Gift das Leben nehmen. Erst die Osterglocken und der Chorgesang halten ihn zurück, weil sie ihn an seine Kindheit erinnern.

Hier zeigt sich ein wichtiger Charakterzug: Faust ist maßlos. Er gibt sich nicht mit menschlichen Grenzen zufrieden, sondern will gottähnlich werden. Zugleich ist er gefühlvoll und von Erinnerungen bewegbar. Er ist also nicht nur kalter Verstand.

Die „zwei Seelen“ in Fausts Brust

Auf dem Osterspaziergang beschreibt Faust seine innere Zerrissenheit selbst: „Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust“. Die eine Seele klammert sich an die Welt und ihre Genüsse, die andere strebt nach „den Gefilden hoher Ahnen“, also nach geistiger Höhe.

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Infografik: Fausts innerer Konflikt. Mephisto nutzt die sinnliche Seite aus, weil Faust auf geistigem Weg gescheitert ist.

Pakt und Wette mit Mephisto

Mephisto, der zunächst als Pudel erscheint, bietet Faust seine Dienste an. Faust schließt keinen einfachen Pakt, sondern eine Wette: Wenn er jemals so zufrieden ist, dass er zum Augenblick sagt „Verweile doch! du bist so schön!“, dann darf Mephisto seine Seele haben. Faust ist überzeugt, dass ihn nichts dauerhaft befriedigen kann. Das zeigt sein Selbstbild: Er definiert sich über das ewige Weiterstreben. Zugleich ist die Wette leichtsinnig und überheblich, denn er setzt sein Seelenheil aufs Spiel.

Faust und Gretchen: Liebe und Schuld

Nach der Verjüngung in der Hexenküche verliebt sich Faust in Margarete (Gretchen), ein junges, frommes Mädchen. Anfangs ist es vor allem Begierde: Er verlangt von Mephisto: „Hör, du mußt mir die Dirne schaffen!“ Später entwickelt er echte Gefühle, etwa in Gretchens Zimmer, wo ihn die Ordnung und Reinheit rühren. In der Szene „Wald und Höhle“ erkennt er sogar, dass er Gretchen zerstören wird, kann sich aber nicht von ihr lösen.

Faust trägt große Schuld:

  1. Er gibt Gretchen ein Schlafmittel für ihre Mutter. Die Mutter stirbt daran.
  2. Er ersticht im Duell Gretchens Bruder Valentin, unterstützt von Mephisto, und flieht.
  3. Er lässt die schwangere Gretchen allein und feiert mit Mephisto die Walpurgisnacht.
  4. Gretchen tötet in ihrer Verzweiflung das Neugeborene und wird zum Tode verurteilt.
  5. Im Kerker will Faust sie retten, doch sie wendet sich ab: „Heinrich! Mir graut’s vor dir.“
Fausts Weg in „Faust I“NachtVerzweiflungOsternzwei SeelenWettemit MephistoHexenkücheVerjüngungGretchenLiebe, SchuldKerkerScheiternGelehrtentragödieScheitern an der ErkenntnisGretchentragödieSchuld durch maßloses Begehren
Infografik: Die beiden großen Teile von „Faust I“ und Fausts wichtigste Stationen.

Charaktereigenschaften im Überblick

Eigenschaft Beleg Erläuterung
wissbegierig, unzufrieden „Habe nun, ach! Philosophie …“ Kein Wissen stillt seinen Hunger nach Erkenntnis.
maßlos, überheblich Beschwörung des Erdgeists; Wette Er will die Grenzen des Menschen überschreiten.
zerrissen „Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust“ Geist und Sinnlichkeit liegen im Streit.
gefühlvoll Osterglocken; Rührung in Gretchens Zimmer Er ist zu tiefen Gefühlen fähig.
egoistisch, rücksichtslos „Hör, du mußt mir die Dirne schaffen!“ Er stellt sein Verlangen über Gretchens Wohl.
religiös unbestimmt Gretchenfrage: „Gefühl ist alles; / Name ist Schall und Rauch“ Er glaubt an etwas Göttliches, aber nicht an die Kirche.
schuldbewusst Kerkerszene, „Wald und Höhle“ Er erkennt seine Schuld, kann das Geschehene aber nicht rückgängig machen.
Wichtig für die Bewertung: Im „Prolog im Himmel“ wettet Mephisto mit Gott um Faust. Gott sagt: „Es irrt der Mensch, solang er strebt.“ Fausts Fehler gehören also zum menschlichen Streben dazu. Diese Stelle hilft dir, Faust ausgewogen zu beurteilen.

Muster-Charakterisierung

Beispiel: EinleitungIn Johann Wolfgang von Goethes Tragödie „Faust I“ (1808) steht der Gelehrte Heinrich Faust im Mittelpunkt, der trotz umfassender Bildung an seiner Unwissenheit verzweifelt. Auf der Suche nach Erkenntnis und Lebensglück verbündet er sich mit dem Teufel Mephisto und wird dabei schuldig an der jungen Margarete.
Beispiel: Hauptteil (Auszug)Faust ist zu Beginn ein alter, einsamer Wissenschaftler. Er hat Philosophie, Jura, Medizin und Theologie studiert, muss aber erkennen, „daß wir nichts wissen können“. Diese Einsicht zeigt seinen unstillbaren Wissensdrang: Er will nicht nur Fakten kennen, sondern begreifen, „was die Welt / Im Innersten zusammenhält“. Weil ihm die Wissenschaft das nicht bietet, greift er zur Magie. Als der Erdgeist ihn zurückweist, will er sich vergiften. Dass ihn die Osterglocken davon abhalten, zeigt seine gefühlvolle Seite. Seinen inneren Konflikt beschreibt er selbst mit den Worten „Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust“. Mephisto nutzt diese Zerrissenheit aus. Nach der Verjüngung verfällt Faust Gretchen, zunächst aus Begierde, später aus echter Zuneigung. Dabei handelt er rücksichtslos: Er ist mitverantwortlich für den Tod von Gretchens Mutter und ihres Bruders und lässt sie in ihrer Not allein.
Beispiel: SchlussFaust ist damit eine widersprüchliche Figur: Er ist ein großer Geist mit edlen Zielen, aber auch ein maßloser Egoist, der andere ins Unglück stürzt. Goethe zeigt an ihm den modernen Menschen, der sich mit keiner Grenze abfindet. Ob sein Streben ihn am Ende rettet, bleibt in „Faust I“ offen und wird erst im zweiten Teil beantwortet.
Typische Fehler: Pakt und Wette verwechseln. Faust nur als Bösewicht darstellen. Behaupten, Faust habe Gretchen absichtlich vergiftet (die Mutter stirbt am Schlaftrunk). Zitate ohne Verszahlen oder ohne Bezug zur Aussage einbauen.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Pakt und Wette?
Der Pakt regelt, dass Mephisto Faust auf Erden dient und Faust ihm im Jenseits. Die Wette legt die Bedingung fest: Faust verliert, sobald er mit einem Augenblick vollkommen zufrieden ist.
Liebt Faust Gretchen wirklich?
Es beginnt als Begierde, wird aber zu echter Liebe. Trotzdem stellt er seine Wünsche über ihr Wohl. Beide Seiten solltest du zeigen.
Ist Faust am Ende von „Faust I“ verloren?
Nein, die Wette ist noch nicht entschieden. Gretchen wird gerettet („Ist gerettet!“), Faust geht mit Mephisto ab. Seine Geschichte setzt sich in „Faust II“ fort.
Zu welcher Epoche gehört Faust?
Goethe arbeitete fast sein ganzes Leben daran. Erste Fassungen stammen aus dem Sturm und Drang, „Faust I“ erschien 1808 und wird meist der Weimarer Klassik zugeordnet.

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