
- Heinrich Faust ist ein alternder Gelehrter, der vier Wissenschaften studiert hat und trotzdem verzweifelt: Er will erkennen, „was die Welt / Im Innersten zusammenhält“.
- In ihm streiten „zwei Seelen“: der Drang nach höchster Erkenntnis und die Sehnsucht nach sinnlichem Leben.
- Er geht eine Wette mit Mephisto ein: Wenn er je zufrieden sagt „Verweile doch! du bist so schön!“, gehört seine Seele dem Teufel.
- In der Gretchentragödie wird er schuldig: Gretchens Mutter, ihr Bruder Valentin und ihr Kind sterben, Gretchen landet im Kerker.
- Faust ist ein „Strebender“: maßlos, rastlos, getrieben, aber nicht durch und durch böse. Gott sagt im Prolog: „Es irrt der Mensch, solang er strebt.“
Faust ist die Hauptfigur von Johann Wolfgang von Goethes Tragödie „Faust. Der Tragödie erster Teil“ (1808). Für eine gute Charakterisierung musst du zwei Seiten zeigen: den verzweifelten Wissenschaftler zu Beginn und den Liebhaber, der Gretchen ins Unglück stürzt. Hier findest du die wichtigsten Merkmale mit Zitaten, Fausts Entwicklung als Grafik und eine Muster-Charakterisierung.
Wer ist Faust? Die Fakten
| Name | Heinrich Faust (Gretchen nennt ihn „Heinrich“) |
|---|---|
| Stand | Gelehrter, Magister und Doktor, unterrichtet seit zehn Jahren Studenten |
| Studium | „Philosophie, / Juristerei und Medizin, / Und leider auch Theologie“ |
| Alter | zu Beginn alt; in der Hexenküche verjüngt |
| Lebenslage | einsam in seinem engen Studierzimmer, ohne Besitz und Ansehen, die er sich wünscht |
| Gegenspieler | Mephisto, der Teufel, der ihm als Diener und Begleiter dient |
Faust als verzweifelter Gelehrter
Der berühmte Eingangsmonolog in der Szene „Nacht“ zeigt Faust am Tiefpunkt. Er hat alles studiert und muss feststellen, „daß wir nichts wissen können“. Bücherwissen genügt ihm nicht, er will das Wesen der Welt unmittelbar begreifen. Deshalb wendet er sich der Magie zu und beschwört den Erdgeist. Doch der weist ihn schroff zurück: „Du gleichst dem Geist, den du begreifst, / Nicht mir!“ Faust stürzt in tiefe Verzweiflung und will sich mit Gift das Leben nehmen. Erst die Osterglocken und der Chorgesang halten ihn zurück, weil sie ihn an seine Kindheit erinnern.
Hier zeigt sich ein wichtiger Charakterzug: Faust ist maßlos. Er gibt sich nicht mit menschlichen Grenzen zufrieden, sondern will gottähnlich werden. Zugleich ist er gefühlvoll und von Erinnerungen bewegbar. Er ist also nicht nur kalter Verstand.
Die „zwei Seelen“ in Fausts Brust
Auf dem Osterspaziergang beschreibt Faust seine innere Zerrissenheit selbst: „Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust“. Die eine Seele klammert sich an die Welt und ihre Genüsse, die andere strebt nach „den Gefilden hoher Ahnen“, also nach geistiger Höhe.
Pakt und Wette mit Mephisto
Mephisto, der zunächst als Pudel erscheint, bietet Faust seine Dienste an. Faust schließt keinen einfachen Pakt, sondern eine Wette: Wenn er jemals so zufrieden ist, dass er zum Augenblick sagt „Verweile doch! du bist so schön!“, dann darf Mephisto seine Seele haben. Faust ist überzeugt, dass ihn nichts dauerhaft befriedigen kann. Das zeigt sein Selbstbild: Er definiert sich über das ewige Weiterstreben. Zugleich ist die Wette leichtsinnig und überheblich, denn er setzt sein Seelenheil aufs Spiel.
Faust und Gretchen: Liebe und Schuld
Nach der Verjüngung in der Hexenküche verliebt sich Faust in Margarete (Gretchen), ein junges, frommes Mädchen. Anfangs ist es vor allem Begierde: Er verlangt von Mephisto: „Hör, du mußt mir die Dirne schaffen!“ Später entwickelt er echte Gefühle, etwa in Gretchens Zimmer, wo ihn die Ordnung und Reinheit rühren. In der Szene „Wald und Höhle“ erkennt er sogar, dass er Gretchen zerstören wird, kann sich aber nicht von ihr lösen.
Faust trägt große Schuld:
- Er gibt Gretchen ein Schlafmittel für ihre Mutter. Die Mutter stirbt daran.
- Er ersticht im Duell Gretchens Bruder Valentin, unterstützt von Mephisto, und flieht.
- Er lässt die schwangere Gretchen allein und feiert mit Mephisto die Walpurgisnacht.
- Gretchen tötet in ihrer Verzweiflung das Neugeborene und wird zum Tode verurteilt.
- Im Kerker will Faust sie retten, doch sie wendet sich ab: „Heinrich! Mir graut’s vor dir.“
Charaktereigenschaften im Überblick
| Eigenschaft | Beleg | Erläuterung |
|---|---|---|
| wissbegierig, unzufrieden | „Habe nun, ach! Philosophie …“ | Kein Wissen stillt seinen Hunger nach Erkenntnis. |
| maßlos, überheblich | Beschwörung des Erdgeists; Wette | Er will die Grenzen des Menschen überschreiten. |
| zerrissen | „Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust“ | Geist und Sinnlichkeit liegen im Streit. |
| gefühlvoll | Osterglocken; Rührung in Gretchens Zimmer | Er ist zu tiefen Gefühlen fähig. |
| egoistisch, rücksichtslos | „Hör, du mußt mir die Dirne schaffen!“ | Er stellt sein Verlangen über Gretchens Wohl. |
| religiös unbestimmt | Gretchenfrage: „Gefühl ist alles; / Name ist Schall und Rauch“ | Er glaubt an etwas Göttliches, aber nicht an die Kirche. |
| schuldbewusst | Kerkerszene, „Wald und Höhle“ | Er erkennt seine Schuld, kann das Geschehene aber nicht rückgängig machen. |
