Textanalyse: Beispiel und Aufbau in 3 Schritten

Als eine Pflichtübung im Unterrichtsfach Deutsch, muss fast jeder Schüler über die Fähigkeit verfügen, eine Textanalyse durchführen zu können. Da sich gelungene Textanalysen nach einem bestimmten Schema durchführen lassen, kann man sich an einem roten Faden, der hier verdeutlicht werden soll, entlang arbeiten.

Auf dieser Seite erfährt man, welche Faktoren unbedingt in einer ansprechenden Textanalyse eingesetzt werden sollten, wie man den Aufbau am sinnvollsten gestaltet und welche Fehlerquellen bei der Erstellung einer Textanalyse häufig auftreten.

Schritt für Schritt werden die wichtigsten Punkte der Textanalyse erläutert.

  1. Wie wird eine Textanalyse aufgebaut
  2. Der Aufbau einer Textanalyse anhand eines Beispiels
  3. Welche Tricks helfen bei der Erstellung einer Textanalyse und welche Fehler sollten vermieden werden

Eine gute Vorarbeit erleichtert die Textanalyse:

Der Text sollte vor der eigentlichen Analyse mindestens zweimal durchgelesen werden.

Enthält der Text unbekannte Worte, werden diese markiert und nachgeschlagen oder erfragt.

Fallen Textstellen besonders auf, werden diese beim Lesen direkt markiert. Als Beispiel seien hier sprachliche Mittel, eine ungewöhnliche Wortwahl oder Hervorhebungen durch verschiedene Schriftarten erwähnt.

Ist beim zweiten Lesen schon zu erahnen, welche Absicht der Verfasser mit seinem Text verfolgt oder was mit diesem Text erreicht werden soll?

Während des Lesens kann man sich am Textrand oder auf einem extra Zettel kurze Notizen machen, auf die man im weiteren Verlauf zurückgreifen kann.

1. Wie wird die Textanalyse aufgebaut?

I) Einleitung

Bei der Einleitung werden vor allen Dingen die W – Fragen beantwortet.

Wer hat den Text verfasst?
Wie lautet der Titel des Textes?
Wann wurde der Text verfasst und / oder veröffentlicht?
Gibt es eine Beziehung zwischen der Entstehungszeit des Textes und seiner Veröffentlichung?
Was für eine Textart liegt vor?
Was ist das Thema des Textes? Eine kurze Angabe des Hauptthemas in zwei bis drei Sätzen ist ausreichend.
Welche Punkte will man in der Textanalyse näher betrachten?

Ein Tipp:

Lässt man zu Beginn der Textanalyse ausreichend Platz, kann man die Einleitung am Ende der fertigen Analyse schreiben.
Auf diese Weise hat man sich in den Text eingearbeitet und kann die Fragestellung, die in der Einleitung angesprochen werden soll, exakt beantworten.

2. Formale und inhaltliche Analyse des Textes

I) 1. Die inhaltliche Gestaltung

Achtung: Die inhaltliche Gestaltung und Analyse erfolgt immer im Konjunktiv!

Wer den Konjunktiv noch nicht sicher anwenden kann, sollte sich vor einer Textanalyse nochmals mit diesem vertraut machen.

  • Beschreibt man den Inhalt des Textes, unterteilt man diesen in verschiedene Abschnitte, die durch Zeilenangaben deutlich gemacht werden.
  • Die wichtigsten Inhalte der verschiedenen Textpassagen werden kurz wiedergegeben.
  • Aus den kurzen Inhaltsangaben sollte gleichzeitig eine Begründung für diese Art der Gliederung hervorgehen.

II) 2. Die sprachliche Analyse

  • Wie viele Kapitel oder Anschnitte enthält der Text?
  • Welche Besonderheiten finden sich beim Layout des Textes? Beispiele: Überschriften, Schriftarten, Einsatz von Bildern
  • Werden bestimmte Wortarten, wie Adjektive, Verben oder Substantive gehäuft genutzt? Welches Ziel wird durch diese Wahl verfolgt?
  • Wie schreibt der Autor? Beispiele: Subjektiv, Objektiv, Sachlich
  • Welche Sprachform wird genutzt? Umgangssprache, Fachsprache oder Hochdeutsch?
  • Welche Satzart wird genutzt? Beispiele: Aussagesatz, Aufforderungssatz, Fragesatz, Ausrufesatz oder Wunschsatz
  • Welche Stilmittel werden eingesetzt? Beispiel: Metaphern, Allegorien, Alliterationen

In einem anderen Artikel haben wir eine große Sammlung aller sprachlichen Mittel!

III) Schlussteil der Textanalyse

  • Wer soll mit diesem Text angesprochen werden? (Adressaten)
  • Gelingt es, die Zielgruppe zu erreichen? Wenn ja, wodurch? Wenn nein, warum nicht?
  • Welche Absicht verfolgt der Autor mit seinem Text? Unterstützt der Text die Absicht des Autors oder ist ihm dieses misslungen? Die Argumente müssen begründet werden.
  • Wie sieht die eigene Meinung zu diesem Text aus? Warum vertritt man diese Einstellung gegenüber dem Text?
  • Am Ende sollte eine kurze Gesamtbeurteilung über diesen Text stehen.

Der Schlussteil der Textanalyse rundet die Arbeit ab und stellt einige signifikante Punkte des Textes heraus. Er zeigt das Endergebnis der Gesamtanalyse und bietet Platz für eigene Interpretationen und die Beurteilung des Gesamttextes.

Die Textanalyse – Das Beispiel:

Einleitung

Die Glosse „Scharfes Handy“ von Harald Martenstein wurde im Jahr 2004 veröffentlicht.
In dem Text nimmt der Autor das Konsumverhalten der Kinder und Jugendlichen ihrer Zeit, in einer heiteren und kritischen Art und Weise genauer unter die Lupe.
Die Überfunktionalität der verwendeten Kommunikationsmittel kommt dabei nicht zu kurz und wird verdeutlicht.
Während der weiteren Analyse wird auf die inhaltlichen und sprachlichen Besonderheiten dieses Textes eingegangen. Der Grund, warum der Autor diesen Text geschrieben hat, soll am Schluss genauer betrachtet werden.

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Die inhaltliche Gestaltung (Diese wird immer im Konjunktiv geschrieben)

Die Gliederung des Textes kann in vier Abschnitten erfolgen.

Abschnitt 1 (Zeile 1 – 20)
Der Leser wird durch ein Alltagsbeispiel in das Thema eingeführt. Der Autor zeigt einen persönlichen Konflikt zwischen Vater und Sohn auf, in dem es um ein bestimmtes Handy geht.

Abschnitt 2 (Zeile 21 – 31)
In diesem Abschnitt wird deutlich, wie wichtig die Funktionen und ein bestimmtes Handy für die Kinder und Jugendlichen sind.
Eine Szene, die auf einem Schulhof spielt, zeigt, dass das Handy eher als Statussymbol denn als Kommunikationsmittel wichtig ist.

Abschnitt 3 (32 – 41)
In diesem Abschnitt wird der Vater – Sohn – Konflikt fortgesetzt. Da der Sohn nicht das gewünschte Handy geschenkt bekommt, reagiert er enttäuscht.
Der Autor betont die Sicht des Sohnes, indem sich dieser dahingegen äußert, dass er nun noch weniger Anerkennung erhält, als das ohnehin schon der Fall zu sein scheint.

Abschnitt 4 (42 – 50)
Folgten die Abschnitte 1 – 3 dem Vater – Sohn – Konflikt, wird dieses Thema im vierten Abschnitt unterbrochen. Ein Kollege zeigt dem Autor auf, dass es einen neuen „Trend“ in Richtung von Nostalgie Handys gibt.
Aussehen und Funktion unterscheiden sich erheblich von den modernen Geräten. Zeitgleich wird deutlich, dass sich die Konsumwünsche an der Gesellschaft orientieren.

Die formale Gestaltung

Der vorliegende Text ist in sechs Abschnitte gegliedert und der gesamte Text ist in kursiver Schrift gestaltet. Auffällig ist die fett gedruckte Zwischenüberschrift, die durch einen Mitarbeiter der Zeitung „die Zeit“ hinzugefügt sein könnte.
Der Autor erzählt die Geschichte in einem persönlichen Kontext und nutzt häufig Adjektive.
Diese Wortwahl unterstreicht den persönlichen Erzählstil und unterstreicht die im Text enthaltene Ironie.
In weiten Zügen ist der Satzaufbau parataktisch.

Als Stilmittel verwendet der Autor durchgehend die Form der Ironie. Inhalt und Sprache unterscheiden sich deutlich voneinander. Während das Handy ein modernes Kommunikationsmittel darstellt, wird als Sprache auf altmodische Ausdrücke und Sprechweisen zurückgegriffen.
Der Vater – Sohn – Konflikt wird durch die altmodische Sprachwahl sehr deutlich zum Vorschein gebracht und verstärkt.
Die verwendete Sprache zeigt die Grundzüge der Hyperbel. Deutlich wird dies in den Zeilen 13 – 20 und 51 – 52.

Die Verwirrung des Autors wird durch kuriose Funktionsbeschreibungen, verwirrende Vergleiche und Personifikationen und in der Überfunktionalität des Handys deutlich.
Unterhaltend und ironisch fordert der Autor uns heraus, eine gewisse Distanz zum Thema zu bewahren.

Schlussteil

Der im Jahre 2004 in „der Zeit“ erschienene Artikel wendet sich an die Leser derselben, die zeitgleich Eltern sind.
Der Autor will zum Nachdenken über das Konsumverhalten der Kinder anregen und nimmt sich als Beispiel das moderne Kommunikationsmittel Handy zur Vorlage.
Die persönliche und ironische Erzählweise trägt dazu bei, dass dem Autor dieses Unterfangen gelungen ist.
Meiner Meinung nach wird der Vater – Sohn – Konflikt und das Konsumverhalten deutlich dargelegt.

Beobachtet man das Verhalten von Kindern und Jugendlichen in der damaligen und heutigen Zeit, kann man dem Autor nur zustimmen.
Obwohl im Jahr 2004 veröffentlicht, hat die getroffene Aussage bis heute ihre Gültigkeit.

Welche Tricks helfen bei der Erstellung einer Textanalyse und welche Fehler sollten vermieden werden?

Korrektes Zitieren und entsprechende Zeilenangaben beachten.

Alle Aussagen, die getroffen werden, müssen durch den Text belegbar sein. Wer sich beim korrekten Zitieren unsicher ist, sollte sich das Thema vor der Arbeit noch einmal genauer ansehen.

Ausreichend Zeit für die Vorarbeiten und das Textverständnis einplanen.

Nichts ist ärgerlicher als eine fertige Arbeit, bei der man am Ende feststellt, dass die
getroffenen Aussagen eigentlich nicht mit dem Text übereinstimmen.

Die abschließende Erörterung bzw. Argumentation gehört nicht zur eigentlichen Textanalyse und sollte, wenn sie als Arbeitsauftrag gefordert wird, erst dann angelegt werden, wenn die Textanalyse fertig gestellt ist.

Der Konjunktiv

Wer sich bei der Anwendung des Konjunktivs unsicher ist, sollte sich diesen vor der Arbeit erneut verinnerlichen.

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Autor(in) des Artikels:

mm
Hat Wirtschaftswissenschaften an der Universität Kassel studiert.Einzelunternehmer seit Mai 2006 & Chefredakteur von Uni-24.de

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