
- In einer Redeanalyse untersuchst du, was ein Redner sagt, wie er es sagt und mit welcher Absicht und Wirkung.
- Aufbau: Einleitung (Redner, Titel, Anlass, Ort, Datum, Publikum, Thema, Absicht) – Hauptteil (Inhalt und Aufbau, Argumentation, Sprache, ggf. Vortrag) – Schluss (Ergebnis, Bewertung der Wirkung).
- Wichtig ist die Redesituation: Wer spricht zu wem, wann, wo, aus welchem Anlass?
- Jedes Stilmittel nennst du mit Beleg (Zeile) und Wirkung auf das Publikum.
- Schreibe im Präsens; Aussagen des Redners gibst du in indirekter Rede im Konjunktiv wieder.
Ob politische Rede, Festrede oder historische Ansprache: Eine Redeanalyse folgt immer demselben Grundmuster. Wenn du die Redesituation sauber erfasst und Sprache und Argumentation auf die Redeabsicht beziehst, hast du das Wichtigste geschafft. Hier bekommst du Gliederung, Werkzeuge, Formulierungshilfen und Musterabschnitte.
Was macht eine Rede besonders?
Eine Rede ist für das Hören geschrieben. Deshalb arbeitet sie stärker als ein Zeitungstext mit Wiederholungen, kurzen Sätzen, direkter Anrede und Gefühl. Zudem hat sie eine konkrete Situation: einen Anlass, einen Ort und ein Publikum, das reagiert. Unterschieden werden grob politische Reden (überzeugen, mobilisieren), Gelegenheitsreden (Hochzeit, Abschluss, Trauerfeier) und Fachvorträge (informieren).
1. Einleitung
Die Einleitung stellt die Redesituation vor: Redner, Titel (falls vorhanden), Datum, Ort, Anlass, Publikum und Medium (live, Radio, Fernsehen, Internet). Dazu kommen Thema und eine erste Einschätzung der Redeabsicht. Bei historischen Reden ordnest du den Kontext in zwei bis drei Sätzen ein.
2. Hauptteil
Inhalt und Aufbau
Gliedere die Rede in Sinnabschnitte und begründe die Einteilung (Themenwechsel, neue Anrede, Wendung wie „Doch …“). Gib den Inhalt jedes Abschnitts knapp in indirekter Rede wieder: Der Redner betont, die Lage sei ernst. Halte die Hauptthese ausdrücklich fest. Klassische Reden folgen oft dem Muster Einstieg mit Publikumsgewinnung (Captatio Benevolentiae) – Darstellung der Lage – Argumentation – Appell.
Argumentation
Bestimme These, Argumente und Belege. Welche Argumenttypen nutzt der Redner (Fakten, Autoritäten, Beispiele, Normen, Analogien)? Fehlen Belege, wird mit Angst oder Feindbildern gearbeitet? Hilfreich sind die drei Überzeugungsmittel nach Aristoteles:
| Mittel | Worauf es zielt | Erkennungszeichen |
|---|---|---|
| Logos | Verstand | Zahlen, Fakten, Begründungen, Schlussfolgerungen |
| Ethos | Glaubwürdigkeit des Redners | Hinweis auf Erfahrung, Amt, Werte, eigene Betroffenheit |
| Pathos | Gefühl | Bilder, Schicksale, Ausrufe, Steigerungen, Angst oder Hoffnung |
Sprache
| Mittel | Beispiel | typische Wirkung in Reden |
|---|---|---|
| Anapher | „Wir wollen … Wir wollen …“ | Rhythmus, Einprägsamkeit, Steigerung |
| Trikolon | „Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit“ | wirkt vollständig und kraftvoll |
| rhetorische Frage | „Wollen wir das wirklich hinnehmen?“ | Publikum wird gedanklich zur gewünschten Antwort gelenkt |
| Antithese | „nicht reden, sondern handeln“ | Gegensatz macht Position klar |
| Metapher | „Brücken bauen“ | Veranschaulichung, emotionale Färbung |
| Wir-Form, direkte Anrede | „liebe Freunde“, „wir alle“ | Gemeinschaft, Nähe, Vereinnahmung |
| Hyperbel | „die größte Herausforderung aller Zeiten“ | Dramatisierung, Dringlichkeit |
| Schlagwörter, Hochwertwörter | „Freiheit“, „Zukunft“ | positive Gefühle ohne konkreten Inhalt |
Mehr Stilmittel findest du in der Liste rhetorischer Stilmittel. Achte auch auf Satzbau (kurze Hauptsätze sind leicht zu hören, siehe Parataxe) und Sprachebene.
Vortrag
Liegt ein Video vor, untersuchst du zusätzlich Stimme, Tempo, Pausen, Lautstärke, Blickkontakt, Gestik und die Reaktionen des Publikums. Passt die Körpersprache zum Gesagten?
3. Schluss
Fasse zusammen, mit welchen Mitteln der Redner seine Absicht verfolgt, und bewerte begründet, ob und warum die Rede wirkt. Bei historischen Reden gehört die Einordnung dazu: Was folgte auf die Rede? Wie ist sie aus heutiger Sicht zu beurteilen?
Schritt für Schritt
- Rede zweimal lesen; Redesituation notieren.
- Sinnabschnitte bilden und mit Überschriften versehen.
- Hauptthese und Redeabsicht in je einem Satz festhalten.
- Stilmittel markieren, Wirkung am Rand notieren.
- Argumente und Überzeugungsmittel bestimmen.
- Entscheiden: linear (Abschnitt für Abschnitt) oder aspektorientiert (Inhalt, Argumentation, Sprache) schreiben.
- Schluss mit begründeter Bewertung.
Musterabschnitte am Beispiel der Sportpalastrede
Als Übungsbeispiel dient oft die Rede von Joseph Goebbels im Berliner Sportpalast vom 18. Februar 1943. Sie ist ein Lehrbeispiel für Propaganda und muss deshalb kritisch eingeordnet werden.
Formulierungshilfen
- „Der Redner wendet sich an …, um sie davon zu überzeugen, dass …“
- „Mit der Anapher ‚…‘ (Z. …) verstärkt er …“
- „Durch die rhetorische Frage (Z. …) lenkt er die Zuhörer auf die Antwort …“
- „Er beruft sich auf …, um seine Glaubwürdigkeit zu stärken (Ethos).“
- „Insgesamt setzt die Rede stärker auf Gefühl als auf Argumente, was sich daran zeigt, dass …“





