Überblick aller Literaturepochen + Motive & Merkmale

Kurze Einführung

Der folgende Artikel dient einer kurzen Übersicht über die verschiedenen Epochen und Strömungen der deutschen Literatur. Dabei soll er den Fokus nur auf die wichtigsten Strömungen und Epochen legen, da die Vielzahl an weniger einflussreichen Literaturströmungen einen schier niemals enden wollenden Text produzieren würde.

Wichtig ist auch, dass die Literaturgeschichte mitsamt ihrer Epochen nicht hintereinander gedacht werden darf. Es ist nicht so, dass eine Epoche endete und eine andere in diesem Jahr ihren Anfang nahm. Die Übergänge sind fließend und meist nahm die nächste Epoche ihren Ursprung in der Mitte der vorangehenden Epoche. Die im folgenden Artikel angegebenen Daten dienen nur der groben Orientierung und sind Jahreszahlen, auf die sich verschiedene Literaturwissenschaftler zugunsten einer übersichtlichen Einteilung entschieden haben.

Humanismus und Renaissance

Historischer Kontext

Die Epoche beginnt mit Guttenbergs Erfindung des Buchdrucks im Jahr 1455, mit der die Möglichkeit zur Vervielfältigung von Büchern entstand. Zentral waren dabei klassische Motive, Leitideen und Aspekte, die sich stark an der Antike (insbesondere an Aristoteles) orientierten. Ebenfalls geprägt war die Epoche durch die Geistliche Welt, den Klerus. Als einer der größten Gegenredner des Klerus stach Martin Luther mit der von ihm begründeten Reformation hervor.

Zentrale Motive und Thematiken

Es lag ein starker Fokus auf der alten griechischen Denk- und Dichtkunst, so dass diese weitgehend adaptiert wurde. Weiterhin war ein schwerer thematischer Aspekt, dem Namen Humanismus entsprechend, die Menschlichkeit. Durch die Literatur sollte das Publikum menschlich „verbessert“ werden. Dazu eigneten sich vor allem aristotelische Dramen.

Barock (16. und 17. Jahrhundert)

Historischer Kontext

Das absolutistische System erhielt nach und nach Einzug in Deutschland. Die Literatur war stark beeinflusst von gesellschaftlichen Missständen, die im Rahmen des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) entstanden. So litt die Bevölkerung an Hungersnot und unter den Folgen der schwarzen Pest. Erste Werke in Deutscher Sprache sind in dieser Epoche entstanden, so etwa Martin Opitz‘ „Von der teutschen Poeterey“, eine Art Leitfaden für deutsche Dichter.

Zentrale Motive und Thematiken

Drei Leitmotive sind im Bezug auf den Barock an oberster Stelle zu nennen:

  • Memento Mori (Bedenke deine Sterblichkeit)
  • Carpe Diem (Nutze den Tag)
  • Vanitas (Vergänglichkeit (der Schönheit))

Generell stand der Tod im Fokus der Epoche, aber nicht nur im negativen Sinn. In vielen Werken wird er auch als Erlösung angepriesen.
Vor allem die Gedichtform Sonett hatte im Barock ihren Höhepunkt. Stellvertretend dafür stehen die Namen Opitz und Gryphius. Stilistisch setzten die Autoren auf Allegorien und Personifikationen (Vorzugsweise die von Waffen oder dem Tod).

Aufklärung (1720-1800)

Historischer Kontext

Diese Epoche wurde dadurch geprägt, dass Reformation, Französische Revolution und die beginnende Selbstwahrnehmung des Menschen sowie die damit verbundene Säkularisierung (Ablösung vom Glauben) die bis dato herrschende Weltordnung in Frage stellten. Die Menschen begannen die bestehenden Herrschaftsverhältnisse zu hinterfragen, was zu Spannungen zwischen Adligen und ärmeren Schichten führte.

Zentrale Motive und Thematiken

Kants Forderung nach Aufklärung (Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit), sein Appell an alle Menschen sich ihres eigenen Verstandes zu bedienen, war das Motto dieser Epoche. Der Fokus lag darin, dass Menschen sich ihrer Eigenverantwortung bewusst werden sollten. Geprägt war diese Epoche durch Kant und Lessing.

Empfindsamkeit / Anakreontik (1740-1790)

Historischer Kontext

Der historische Kontext ist identisch mit dem der Aufklärung.

Zentrale Motive und Thematiken

Die Emotionen, Empfindungen und Gefühle des Individuums wurden in dieser Strömung verstärkt in den Mittelpunkt gerückt. Als Motive dienten etwa alte Freundschaften, Frömmigkeit oder ein starker Bezug zur Natur. Als Gattungen boten sich Romane, Briefe oder Oden an, um den Themen Ausdruck zu verleihen. Als wichtige Autoren gelten Klopstock und Goethe in seinen Anfangsjahren.

Sturm und Drang (1765-1785)

Historischer Kontext

Der historische Kontext ist identisch mit dem der Aufklärung.

Zentrale Motive und Thematiken

Auch in dieser Strömung stand das seelische Innenleben der Protagonisten verstärkt im Mittelpunkt. Es ging um moralische Zwickmühlen und die Loslösung aus bestehenden Familien- und Gesellschaftshierarchien. Wichtig ist auch, dass sich die Autoren erstmals als schaffendes Genie begriffen. Als Vertreter dieser Gattung sind vor allem Schiller und Goethe in jungen Jahren zu nennen.

Weimarer Klassik (1785-1805/1836)

Historischer Kontext

Diese Epoche stand vor allem vor dem Hintergrund der französischen Revolution und einer stark polarisierenden, französischen Person: Napoleon Bonaparte.

Zentrale Motive und Thematiken

Auch diese Epoche war geprägt von einer Rückbesinnung auf antike griechische Ideale. Das Streben nach Harmonie und Sittlichkeit stand im Vordergrund der Literatur und die Protagonisten waren meist mit dem höchsten Maß an Menschlichkeit ausgestattet. Generell stand die Charakterbildung im Vordergrund der Epoche. Aus diesem Anlass ist etwa die Gattung der Bildungsromane entstanden. Als Autor, vor allem in der Schule, ist hierbei Goethe zu nennen.

Romantik (1795-1840)

Historischer Kontext

Diese Literaturepoche vollzog sich vor dem Hintergrund der Industrialisierung und dem sich dadurch verbessernden Lebensstandard. Gleichzeitig wurde das Leben hektischer und die Napoleonischen Kriege warfen einen Schatten auf die sozio-kulturelle Entwicklung in Deutschland. Napoleon hatte das Land in zwei Meinungen gespalten, es gab Befürworter seiner Anschauung und Gegner. Die Idee eines Nationalstaates keimte auf.

Zentrale Motive und Thematiken

Diese Epoche war durch ihre Naturverbundenheit geprägt. Das Natürliche stand im Fokus der meisten Werke. Es wurde idealisierend auf das Mittelalter zurückgegriffen und die Freiheit des Individuums wurde stark romantisiert. Ein zentrales Leitbild der Romantik war die blaue Blume. Der Mensch sollte sich vom Spießerleben lösen und offener gegenüber Spaß, Kreativität und Lebensfreude sein. Vor allem Märchen und Volkslieder entstanden in dieser Periode und sind untrennbar mit der Romantik verbunden. Ein wichtiger Name aus dieser Zeit ist Joseph von Eichendorff.

Vormärz bzw. Junges Deutschland (1815-1848)

Historischer Kontext

Der Wiener Kongress (1815) fand aufgrund der Wiedereinführung der Monarchie und einer zunehmenden Verarmung der Bevölkerung statt. Zudem gab es Proteste und öffentliche Diskussionen um die Einführung eines Nationalstaats. Eine breite Masse war aber am Beibehalt der Kleinstaaten interessiert.

Zentrale Motive und Thematiken

Zum einen spiegelten sich die Idee des Nationalstaats und die damit verbundenen Aufstände in der Literatur wieder. Andererseits stand eine schriftliche Abbildung der Realität im Fokus der Autoren. Der Schreibstil wurde volksnah gehalten. Als beispielhafte Autoren für diese Epoche gelten Heine und Büchner.

Biedermeier (1815-1848)

Historischer Kontext

Der historische Kontext ist identisch mit dem im Vormärz bzw. im Jungen Deutschland.

Zentrale Motive und Thematiken

Die Bürger-Klasse war die leitende Thematik des Biedermeiers. Es ging um eine Abgrenzung von Protesten und anderen Schichten und um die Entfachung eines idyllisch-klassischen Lebensentwurfes.

Bürgerlicher Realismus(1848-1890)

Historischer Kontext

Die bürgerliche Idee aus dem Biedermeier erlebte ihren Höhepunkt und sorgte für eine Abgrenzung von Proletariat und Adel.

Zentrale Motive und Leitideen

Unter Rückbezug auf die Klassik war das Bürgertum als gesellschaftliche Schicht das prägende Thema dieser Epoche. Zudem fanden soziologische Themen wie die soziale Mobilität (Auf- und Abstiegschancen von Individuen) und die Emanzipation Einzug in die deutsche Literaturlandschaft. Ein wichtiger Autor dieser Strömung war Theodor Fontane.

Poetischer Realismus (1848-1890)

Historischer Kontext

Der historische Kontext ist identisch mit dem des bürgerlichen Realismus.

Zentrale Motive und Leitideen

Zu Beginn diente der Poetische Realismus als Kritik an Naturalismus und Realismus. Ziel war es, die Wirklichkeit vereinfacht und zum Teil erdacht darzustellen. In späteren Jahren dieser Epoche ging es um das Hinterfragen der Realität.

Naturalismus (1880-1900)

Historischer Kontext

Diese Epoche war einerseits durch die Industrialisierung und andererseits durch eine Verarmung der Bevölkerung und die geringen Aufstiegschancen in der Gesellschaft geprägt. Wer arm geboren wurde blieb meist arm.

Zentrale Motive und Leitidee

Eine exakte Abbildung der Schattenseiten der Realität war die Leitidee dieser Strömung. Kunst als solche wurde, sofern sie fiktive Elemente aufwies, kritisiert, da sie im Widerspruch zur Natürlichkeit stand. Vor allem die Gattungen Dialekt und Novelle wurden für diese Ziele genutzt.

Jahrhundertwende 1890-1925

Die Jahrhundertwende dient als Sammelbegriff, der viele verschiedene literarische Strömungen unter einem Dach zusammenfasst. Diese unterschieden sich stark und hatten lediglich die Abwendung vom Positivismus gemein. Folgend ein kurzer Überblick über die wichtigsten Strömungen der Jahrhundertwende:

Historischer Hintergrund

Die Industrialisierung und die damit verbundene Urbanisierung des Landes stärkten die soziale Ungleichheit in Deutschland. Die Weimarer Republik entstand und der Vertrag von Versailles wurde im Anschluss an den ersten Weltkrieg geschlossen. Es kam zur Novemberrevolution.

Expressionismus

Der Expressionismus bezeichnet den Ausdruck der subjektiven Wahrnehmung. Das „Ich“ wurde dem Kollektiv gegenüber gesetzt, das explizit Hässliche wurde auf seine Ästhetik hin untersucht. Eine Weltuntergangsliteratur und die Großstadtlyrik entstanden, wobei Logik und Erklärbarkeit von Phänomenen nicht länger gegeben sein musste.

Impressionismus

Im Impressionismus ging es den Autoren darum, die Eindrücke und subjektiven Empfindungen ihrer Protagonisten ausführlich zu schildern. Dem Innenleben der Protagonisten wurde die bedeutendste Rolle zugemessen.

Jugendstil

In Anlehnung an die bildende Kunst wurde die Literatur zu einem gestalterischen und sinngebenden Element des öffentlichen Lebens erhoben.

Symbolismus

Kunst diente in dieser Strömung der Unterhaltung und der geistigen Bildung. Sie wurde nur ihrer selbst wegen Erschaffen und sollte nicht belehrend wirken.

Decadence bzw. Fin de Siecle

Im Mittelpunkt stand die bewusste Darstellung morbider und auswegloser Situationen. Die Protagonisten definierten sich als gefangen in einer Gesellschaft, die unaufhaltsam auf den Abgrund zurast. Im Kontrast standen dabei nationalistische und antinationalistische Literatur.

Neoromantik

Diese Strömung belebte die Romantik neu und kehrte sich wieder dem Mystischen und Sagenhaften zu.

Neoklassizismus

Die Neoklassik stand im Gegensatz zu den anderen Strömungen der Jahrhundertwende. Während formale und stilistische Vorgaben freier gestaltet oder gar ignoriert wurden, waren die festen Regeln der Klassik das zentrale Anliegen des Neoklassizismus.

Heimatkunstbewegung

Nationalistische und rechtsextreme Strömung, die sich an einem völkisch-nationalen Leitbild orientiert und einen Ethno-Pluralismus ablehnt. Rassenideologische Texte und die „Blut und Boden“-Literatur nehmen ihre Anfänge in dieser Strömung.

Neue Sachlichkeit (1910-1925)

Historischer Kontext

Der erste Weltkrieg nahm Einfluss auf die Literatur und es kam zur Abkehr der Künstlichkeit während der Jahrhundertwende.

Zentrale Motive und Thematiken

Zentral war die einfache und schlichte Darstellung des Spannungsfeldes zwischen Individuum und Gesellschaft. Die Protagonisten sind alltägliche Figuren, die über sich und die Gesellschaft in der sie leben reflektieren. Als stellvertretende Autoren dieser Epoche seien Kästner und Döberlin genannt.

Kriegsliteratur (1935-1945

Auch diese Epoche hat die Aufgabe verschiedene Strömungen unter einem Dach zu vereinen. Der kleinste gemeinsame Nenner ist dabei der zweite Weltkrieg. Die wichtigsten literarischen Strömungen werden im Folgenden kurz erläutert:

Historischer Kontext

Die Kriegsliteratur vollzieht sich vor dem Hintergrund der Zweiten Weltkriegs und der damit einhergehenden Verfolgung von Jüdinnen und Juden im Dritten Reich.

„Blut und Boden“-Literatur

Diese Strömung diente als eine Art Kriegspropaganda und war an einer völkisch-nationalistischen Leitidee orientiert.

Innere Emigration

Eine literarische Strömung die durch unpolitische Texte geprägt wurde. Die Autoren fürchteten eine Verfolgung und ließen politische Ansichten nicht in ihre Werke einfließen.

Exilliteratur

Diese Strömung fasst Autoren unter ein Dach, die das Dritte Reich verlassen hatten, um im Ausland dem Nationalsozialismus gegenüber kritische Texte zu veröffentlichen.

Hörspielkunst

Historischer Kontext

Ein Papiermangel in der Nachkriegszeit und die zerschlagene Infrastruktur der Verlagswesen machten schriftliche Publikationen schwierig. Das Radio als „Volksmedium“ begünstigte die neue literarische Strömung.

Zentrale Motive und Leitideen

In dieser Strömung ging es den Autoren um die Entfachung öffentlicher Debatten, die bewusst durch geschriebene Hörspiele provoziert werden sollten und auf gesellschaftliche Zustände zielten.

DDR-Literatur

Auch diese Epoche ist ein Sammelbegriff für verschiedene Strömungen, die im Folgenden kurz erläutert werden sollen:

Historischer Kontext

Als historischer Kontext diente das Ende des Zweiten Weltkriegs und die Gründung der DDR. Die SED übernahm die politische Kontrolle über das Land und der Mauerbau spaltete Deutschland vollends. Auch die gesellschaftlichen Proteste und die Niederschlagung dieser nahm Einzug in die Literatur.

Antifaschistische Strömung (1945-1960)

Diese Strömung diente der Wiederaufarbeitung des Nationalsozialismus und einer Auseinandersetzung mit den verschiedenen Klassen. Zurückgekehrte Exilautoren wie Brecht nahmen starken Einfluss auf diese Strömung.

Sozialistischer Realismus (1950-1960)

Diese Strömung diente der Propagandierung von Arbeit und dem Aufbau der DDR. Sogenannte „Arbeitshelden“ wurden erschaffen.

Bitterfelder Weg (1959-1964)

Diese Strömung sollte die Produktion anregen und Arbeiter zum dokumentarischen Schreiben anregen. Daraus entstand die Dokumentationsliteratur.

Ankunftsliteratur (1955-1965)

Erste Enttäuschungen über den Sozialismus machten sich breit und ließen Hoffnungen für den Kommunismus blühen. Andererseits kam es zur Kritik am Staatssystem. Zentrale Motive in der Literatur waren die Stasi und die Liebe.

Liberalisierung (1965-1980)

Es entstand die Möglichkeit zur freieren Gestaltung der Kunst, die gegen Ende aber mit starken Repressalien wieder unterdrückt wurde.

Kritik am Staat bzw. „Tapetenwechsel-Literatur“ (1980-1989)

Die Auseinandersetzung mit dem Staatssystem wurde immer kritischer und der Wunsch nach Ausreise wuchs auch in der Literatur.

BRD-Literatur

Diese Epoche meint die zeitgleich zur DDR-Literatur verlaufende literarische Entwicklung in Westdeutschland, deren wichtigsten Strömungen im Folgenden kurz vorgestellt werden sollen:

Historischer Kontext

Die Literatur vollzog sich vor dem Hintergrund des beendeten Zweiten Weltkrieg und dem anschließenden Wiederaufbau der in Besatzungszonen eingeteilten BRD.

Nachkriegsliteratur bzw. Kahlschlag-Trümmerliteratur (1945-1965)

Diese Strömung diente der Aufarbeitung des Nationalsozialismus und der Verarbeitung der Kriegsfolgen in Deutschland. Die Realität wurde detailgetreu wiedergegeben.

Andere Strömungen der Nachkriegszeit in der BRD

  • Neue Wege der Sprache (1950)
  • Literarische Politisierung (1960)
  • Neue Subjektivität (1970)
  • Postmoderne (1980)

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