
- Ein Kommentar ist ein meinungsbetonter journalistischer Text: Der Autor bewertet ein aktuelles Ereignis und will den Leser von seiner Sicht überzeugen.
- Gliederung der Analyse: Einleitung (Autor, Titel, Medium, Datum, Thema, Position) – Hauptteil (Inhalt und Aufbau, Argumentation, Sprache, Intention) – Schluss (Ergebnis und begründete Bewertung).
- Kern der Analyse ist die Argumentationsstruktur: These, Argumente, Belege, Gegenargumente, Fazit.
- Jede Beobachtung belegst du mit Zeilenangabe und erklärst ihre Wirkung auf den Leser.
Kommentaranalysen kommen ab Klasse 9 und im Abitur häufig vor, oft mit einer anschließenden Stellungnahme. Damit du sicher vorgehst, findest du hier die Merkmale der Textsorte, eine klare Gliederung und ein vollständiges Beispiel mit Musterkommentar und Musteranalyse.
Was ist ein Kommentar?
Der Kommentar (von lateinisch „commentarius“, Notiz, Erläuterung) gehört zu den meinungsbetonten Textsorten der Zeitung, neben Glosse, Leitartikel und Rezension. Im Unterschied zur Nachricht oder zum Bericht trennt er nicht zwischen Information und Meinung, sondern bewertet offen. Er ist namentlich gekennzeichnet und bezieht sich auf ein aktuelles Ereignis, das meist an anderer Stelle der Zeitung berichtet wird.
| Merkmal | Nachricht | Kommentar | Glosse |
|---|---|---|---|
| Ziel | informieren | bewerten, überzeugen | unterhaltsam kritisieren |
| Sprache | sachlich, neutral | sachlich bis zugespitzt, wertend | ironisch, spöttisch, pointiert |
| Autor | oft ohne Namen | mit Namen | mit Namen oder Kürzel |
| Argumentation | keine | zentral | eher Pointe als Argument |
Typischer Aufbau eines Kommentars
Nicht jeder Kommentar folgt diesem Muster. Manche beginnen mit der These, andere halten die Meinung bis zum Schluss zurück. Gerade solche Abweichungen solltest du beschreiben.
So gehst du vor
- Lesen und markieren: Text zweimal lesen; These, Argumente, Belege und auffällige Sprache in verschiedenen Farben markieren.
- Sinnabschnitte bilden: Jedem Abschnitt eine Funktion zuordnen (Anlass, These, Argument, Gegenargument, Fazit).
- Kernaussage formulieren: In einem Satz: Wer meint was zu welchem Thema?
- Argumentation prüfen: Welche Argumenttypen (Fakten, Autorität, Beispiel, Analogie, normativ)? Sind sie überzeugend? Wird die Gegenseite berücksichtigt? Gibt es Verallgemeinerungen oder Scheinargumente? Hilfe: Liste aller Argumenttypen.
- Sprache untersuchen: Wertende Adjektive, Sprachebene, Ironie, rhetorische Fragen, Metaphern, Satzbau, direkte Leseransprache.
- Intention bestimmen: Will der Autor überzeugen, warnen, kritisieren, zum Handeln auffordern?
- Analyse schreiben und im Schluss bewerten, ob die Argumentation überzeugt.
Gliederung deiner Analyse
- Einleitung: Autor, Titel, Textsorte, Medium, Datum, Thema, Position des Autors in einem Satz.
- Hauptteil: kurze Inhaltszusammenfassung mit Aufbau; dann Argumentationsanalyse; dann Sprache und Wirkung; dann Intention und Adressaten. Alternativ arbeitest du Abschnitt für Abschnitt (linear) und verbindest Inhalt, Argument und Sprache.
- Schluss: Ergebnis bündeln, Überzeugungskraft begründet bewerten. Eine eigene Meinung zum Thema gehört nur hinein, wenn die Aufgabe danach fragt (Stellungnahme).
Vollständiges Beispiel
Ab dem nächsten Schuljahr will das Land private Smartphones an Grundschulen verbieten. Das klingt entschlossen. Doch ein Verbot allein ist eine bequeme Antwort auf eine schwierige Frage. (Z. 1–3)
Natürlich lenken Handys ab. Studien zeigen, dass schon ein Smartphone auf dem Tisch die Konzentration senkt. Wer in der Pause nur auf den Bildschirm starrt, spielt nicht mit anderen. (Z. 4–6)
Aber was lernen Kinder, wenn das Gerät einfach verschwindet? Zu Hause, im Bus und abends im Bett ist es wieder da – nur ohne jede Anleitung. Medienkompetenz fällt nicht vom Himmel. (Z. 7–9)
Schulen brauchen deshalb klare Handyregeln und Unterricht, der den Umgang mit Smartphones übt, statt ihn zu verbieten. Alles andere ist Symbolpolitik auf dem Rücken der Kinder. (Z. 10–12)
Aufbau und Inhalt: Der Text beginnt mit dem Anlass, der Ankündigung des Verbots (Z. 1f.), und stellt sofort die These auf, ein Verbot sei eine „bequeme Antwort“ (Z. 3). Im zweiten Abschnitt räumt der Autor Argumente der Gegenseite ein (Z. 4–6), bevor er sie im dritten Abschnitt entkräftet (Z. 7–9). Der Schluss enthält eine Forderung (Z. 10–12).
Argumentation: Geschickt ist die Struktur der Einräumung: Mit „Natürlich“ (Z. 4) und einem Verweis auf Studien (Faktenargument) erkennt der Autor Vorteile des Verbots an und wirkt dadurch fair. Mit „Aber“ (Z. 7) leitet er die Wende ein. Sein Hauptargument ist ein Erfahrungsargument: Kinder nutzen das Handy außerhalb der Schule ohnehin, also müsse die Schule den Umgang lehren. Allerdings belegt er nicht, dass Medienunterricht wirksamer ist als ein Verbot; hier bleibt die Argumentation behauptend.
Sprache: Bereits die Überschrift ist eine rhetorische Frage, die Zweifel weckt. Das Adjektiv „bequem“ (Z. 3) wertet die Politik ab. Die Redewendung „fällt nicht vom Himmel“ (Z. 9) ist umgangssprachlich und eingängig. Die abschließende Zuspitzung „Symbolpolitik auf dem Rücken der Kinder“ (Z. 12) appelliert an das Verantwortungsgefühl des Lesers.
Schluss: Insgesamt überzeugt der Kommentar durch seine faire Einräumung und die klare Forderung. Schwächer ist, dass die Gegenlösung nicht belegt wird. Die Intention, den Leser kritisch gegenüber einem schnellen Verbot zu machen, erreicht der Text vor allem durch zugespitzte Sprache.
Formulierungshilfen
- „Der Autor vertritt die These, dass … (Z. …).“
- „Er stützt diese These mit einem Faktenargument, indem er …“
- „Durch die Einräumung ‚…‘ (Z. …) wirkt der Autor ausgewogen, bevor er …“
- „Die wertende Wortwahl ‚…‘ verdeutlicht die ablehnende Haltung des Autors.“
- „Die rhetorische Frage in Z. … soll den Leser zum Nachdenken anregen und zur Zustimmung bewegen.“









