Aktualisiert: Oktober 2026 · Fach: Deutsch

Kurz erklärt

  • Pro: Gute Umgangsformen helfen bei Bewerbung und Beruf, verbessern das Klassenklima, beugen Streit und Mobbing vor und gleichen unterschiedliche Startbedingungen aus.
  • Contra: Erziehung ist vor allem Aufgabe der Eltern, Benehmen lernt man eher im Alltag als im Fach, der Stundenplan ist schon voll, und „richtiges“ Benehmen ist schwer zu benoten.
  • Ein guter Kompromiss: kein eigenes Notenfach, sondern Projekttage, Klassenrat und Regeln im Schulalltag.

Immer wieder fordern Eltern, Lehrkräfte oder Politiker ein Schulfach, in dem Höflichkeit, Respekt und gute Umgangsformen gelehrt werden. Die Frage eignet sich gut für eine Erörterung, weil sie die Grundsatzfrage berührt: Was ist Aufgabe der Schule, was Aufgabe der Familie? Hier findest du die Argumente, eine Gliederung und einen vollständigen Mustertext.

Was ist mit Benimmunterricht gemeint?

Unter Benimmunterricht versteht man Unterricht, in dem Umgangsformen geübt werden: grüßen, sich vorstellen, ausreden lassen, respektvoll streiten, Tischmanieren, angemessene Kleidung, höfliche E-Mails und Nachrichten, Verhalten im Bewerbungsgespräch. Manche Schulen bieten so etwas in Arbeitsgemeinschaften oder Projektwochen an, manchmal mit dem Namen „Knigge-Kurs“ – benannt nach Adolph Freiherr Knigge, dessen Buch „Über den Umgang mit Menschen“ (1788) eigentlich weniger Regeln für Tischsitten als Gedanken über Rücksicht und Menschenkenntnis enthält. Ein reguläres Pflichtfach „Benehmen“ gibt es an deutschen Schulen in der Regel nicht; Werte und Umgangsformen gehören aber zum Bildungs- und Erziehungsauftrag, der in den Schulgesetzen der Länder steht.

Argumente für Benimmunterricht

These Begründung Beispiel
Vorteile für Bewerbung und Beruf Arbeitgeber achten neben Noten auf Auftreten, Pünktlichkeit und Höflichkeit. Wer im Vorstellungsgespräch grüßt, Blickkontakt hält und ausreden lässt, wirkt sympathischer.
Besseres Klassenklima Gemeinsame Regeln für den Umgang verringern Störungen und Streit. Eine Klasse übt, Kritik als Ich-Botschaft zu äußern, statt jemanden zu beleidigen.
Vorbeugung gegen Mobbing und Gewalt Wer gelernt hat, Konflikte mit Worten zu lösen, greift seltener zu Beleidigungen oder Gewalt. Streitschlichter-Programme zeigen, wie man Konflikte fair klärt.
Chancengleichheit Nicht alle Kinder lernen zu Hause dieselben Umgangsformen; die Schule erreicht alle. Ein Kind aus einer Familie mit wenig Zeit lernt im Kurs, wie man eine höfliche E-Mail schreibt.
Neue Herausforderungen digital Respektvolles Verhalten im Chat und in sozialen Netzwerken muss ebenfalls gelernt werden. Die Klasse bespricht, warum man Fotos anderer nicht ohne Erlaubnis teilt.
Entlastung der Eltern Eltern sind oft berufstätig; Schule und Familie können sich ergänzen. Regeln, die in der Schule gelten, werden zu Hause leichter umgesetzt.

Argumente gegen Benimmunterricht

These Begründung Beispiel
Erziehung ist Elternsache Das Grundgesetz nennt die Erziehung der Kinder das „natürliche Recht der Eltern“; Benehmen wird zuerst in der Familie vorgelebt. Kinder übernehmen den Ton, den sie am Esstisch hören.
Benehmen lernt man nicht aus dem Lehrbuch Umgangsformen werden im Alltag durch Vorbilder und Übung gelernt, nicht durch Auswendiglernen. Wer die Regel „ausreden lassen“ abfragt, hält sich in der Pause trotzdem nicht daran.
Voller Stundenplan Für ein neues Fach müssten andere Stunden wegfallen oder der Schultag länger werden. Zwei Stunden „Benehmen“ gingen auf Kosten von Sport oder Mathe.
Wessen Regeln? Was als höflich gilt, unterscheidet sich je nach Familie, Kultur und Situation. In manchen Kulturen ist direkter Blickkontakt mit Älteren unhöflich.
Schwer zu benoten Eine Note für Benehmen wirkt willkürlich und kann ungerecht sein. Ist ein schüchternes Kind schlechter erzogen, weil es weniger grüßt?
Die Schule tut es schon Klassenregeln, Klassenrat, Streitschlichter und das Vorbild der Lehrkräfte vermitteln Umgangsformen bereits. In der Hausordnung stehen Regeln zu Respekt und Rücksicht.
Sanduhr-Prinzip der Pro-Contra-ErörterungEinleitung: Anlass und LeitfrageGegenseite: stärkstes Argument zuerst… dann schwächere ArgumenteÜberleitungEigene Seite: schwächeres Argument zuerst …… stärkstes Argument zuletztSchluss: Abwägung und eigene Meinung
Infografik: Beim Sanduhr-Prinzip werden die Argumente der Gegenseite schwächer, die der eigenen Seite stärker – das letzte Argument bleibt im Gedächtnis.

Schritt für Schritt zur Erörterung

  1. Leitfrage festlegen: „Sollte Benimmunterricht als Schulfach eingeführt werden?“
  2. Stoffsammlung: Argumente auf zwei Spalten verteilen und die stärksten drei je Seite auswählen.
  3. Eigene Position bestimmen – sie entscheidet über die Reihenfolge.
  4. Argumente ausformulieren: These, Begründung, Beispiel, Rückbezug.
  5. Überleitung und Schluss schreiben; im Schluss kein neues Argument mehr.

Mustererörterung: Sollte Benimmunterricht ein Schulfach werden?

Einleitung

„Die Jugend von heute hat keine Manieren mehr“ – diesen Satz hört man oft, und er ist alles andere als neu. Trotzdem fordern Lehrerverbände und Eltern immer wieder, Höflichkeit und Respekt in einem eigenen Schulfach zu unterrichten. Ob ein solcher Benimmunterricht sinnvoll ist, soll im Folgenden erörtert werden.

Hauptteil A: Argumente gegen ein eigenes Fach

Gegen ein Schulfach „Benehmen“ spricht vor allem, dass Erziehung in erster Linie Aufgabe der Eltern ist. Kinder lernen Umgangsformen von klein auf in der Familie, indem sie beobachten, wie ihre Eltern grüßen, sich entschuldigen oder mit Konflikten umgehen. Das Grundgesetz betont ausdrücklich das Erziehungsrecht der Eltern. Eine Schulstunde pro Woche kann dieses tägliche Vorbild kaum ersetzen.

Darüber hinaus lässt sich Benehmen schlecht im Unterricht vermitteln. Höflichkeit ist keine Formel, die man auswendig lernt, sondern ein Verhalten, das in echten Situationen geübt wird. Ein Schüler kann im Test wissen, dass man andere ausreden lassen soll, und in der Pause trotzdem dazwischenrufen.

Schließlich ist der Stundenplan schon heute sehr voll. Für ein neues Fach müssten andere Stunden gestrichen werden oder der Schultag würde länger. Außerdem bliebe unklar, wie man Benehmen gerecht benoten sollte.

Überleitung

Diese Einwände zeigen, dass ein klassisches Notenfach problematisch wäre. Trotzdem gibt es überzeugende Gründe, Umgangsformen in der Schule gezielt zu fördern.

Hauptteil B: Argumente dafür

Zunächst bereitet ein solcher Unterricht auf das Berufsleben vor. Bei Bewerbungsgesprächen zählen neben Zeugnissen auch Auftreten, Pünktlichkeit und ein höflicher Umgangston. Wer geübt hat, sich vorzustellen, Blickkontakt zu halten und eine formelle E-Mail zu schreiben, hat bessere Chancen auf einen Ausbildungsplatz.

Wichtiger noch ist, dass sich das Miteinander in der Schule verbessern kann. Wenn eine Klasse lernt, Kritik sachlich zu äußern und Konflikte ohne Beleidigungen zu lösen, entstehen weniger Streit und weniger Mobbing. Davon profitieren alle, auch der Unterricht in den anderen Fächern, weil weniger Zeit für Störungen verloren geht.

Das stärkste Argument ist jedoch die Chancengleichheit. Nicht alle Kinder haben zu Hause dieselben Möglichkeiten, Umgangsformen zu lernen – manche Eltern arbeiten viel, andere kennen die Regeln einer Bewerbung selbst nicht. Die Schule ist der einzige Ort, der alle Kinder erreicht. Gerade für diejenigen, die zu Hause wenig Unterstützung bekommen, kann sie so einen Nachteil ausgleichen.

Schluss

Insgesamt halte ich es für richtig, Umgangsformen in der Schule zu fördern, aber nicht in Form eines benoteten Pflichtfachs. Sinnvoller sind Projekttage, ein Bewerbungstraining in den höheren Klassen, ein regelmäßiger Klassenrat und vor allem Lehrkräfte, die selbst respektvoll auftreten. So ergänzt die Schule die Erziehung durch die Eltern, ohne sie ersetzen zu wollen.

Formulierungshilfen

Teil Formulierungen
Einleitung Immer wieder wird gefordert, … · Ob …, soll im Folgenden erörtert werden.
Gegenseite Gegen … spricht vor allem … · Kritiker wenden ein, dass …
Überleitung Diese Einwände zeigen … Trotzdem … · Dem lässt sich entgegenhalten, dass …
Eigene Seite Zunächst … · Wichtiger noch ist … · Das stärkste Argument ist jedoch …
Schluss Insgesamt halte ich … für … · Ein sinnvoller Kompromiss wäre …
Typische Fehler: Argumente nur als Stichpunkte aufzählen; pauschal über „die Jugend“ urteilen; Benehmen und Disziplin verwechseln; im Schluss nur die Argumente wiederholen, ohne eine Entscheidung zu treffen.

Ein Beispielaufsatz zu einem verwandten Thema ist der Aufsatz über Respekt; auch Pünktlichkeit passt als Unterthema.

Häufige Fragen

Gibt es Benimmunterricht an deutschen Schulen?
Als reguläres Pflichtfach in der Regel nicht. Viele Schulen bieten aber Knigge-Kurse, Bewerbungstrainings, Sozialtrainings oder Projekttage an, oft in Zusammenarbeit mit Vereinen oder Unternehmen.
Ist Benimmunterricht dasselbe wie Ethik?
Nein. Im Ethikunterricht geht es um Werte, Begründungen und Fragen wie „Was ist gerecht?“. Benimmunterricht ist praktischer: Wie verhalte ich mich höflich in bestimmten Situationen?
Welche Leitfrage passt?
Zum Beispiel: „Sollte Benimmunterricht an Schulen eingeführt werden?“ oder „Ist es Aufgabe der Schule, Umgangsformen zu vermitteln?“ Die zweite Frage ist offener und erlaubt mehr Grundsatzargumente.
Wie viele Argumente brauche ich?
Meist reichen drei gut ausgebaute Argumente pro Seite. Mehr dazu im Beitrag Erörterung: These, Antithese, Synthese.

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