
- Für die Abschaffung: mehr Freizeit und Erholung, weniger Streit in der Familie, mehr Chancengleichheit (nicht alle bekommen zu Hause Hilfe), viele Aufgaben werden nur abgeschrieben.
- Gegen die Abschaffung: Üben und Wiederholen festigt den Stoff, Hausaufgaben trainieren Selbstständigkeit und Zeitmanagement, Lehrkräfte sehen, wo es hakt.
- Forschung: Nicht die Menge, sondern die Qualität und die Rückmeldung entscheiden; in höheren Klassen wirken Hausaufgaben eher als in der Grundschule.
- Achtung: „Pro Abschaffung“ heißt „gegen Hausaufgaben“.
Nach sechs oder acht Stunden Unterricht noch eine Stunde Mathe am Schreibtisch – viele finden das zu viel. Lehrkräfte halten dagegen, dass Üben nun einmal dazugehört. Damit du das Thema sicher erörtern kannst, findest du hier die Argumente, den Stand der Forschung und einen vollständigen Mustertext.
Argumente für die Abschaffung von Hausaufgaben
| These | Begründung | Beispiel |
|---|---|---|
| Mehr Erholung und Freizeit | Kinder brauchen Zeit für Sport, Freunde, Hobbys und Schlaf, um leistungsfähig zu bleiben. | Wer bis 16 Uhr Schule hat und dann noch Aufgaben macht, schafft das Training nicht mehr. |
| Chancengleichheit | Manche Eltern können helfen oder Nachhilfe bezahlen, andere nicht. | Ein Kind fragt die Mutter, ein anderes hat niemanden, der die Aufgabe erklären kann. |
| Weniger Streit | Hausaufgaben sind in vielen Familien ein Dauerthema und belasten das Familienklima. | Jeden Abend Diskussionen am Küchentisch. |
| Abschreiben statt Lernen | Wer Aufgaben nur abschreibt oder von KI erledigen lässt, lernt nichts. | Die Mathe-Hausaufgabe wird morgens im Bus vom Nachbarn kopiert. |
| Fehler werden eingeübt | Ohne Hilfe übt man falsche Lösungswege, die später schwer zu korrigieren sind. | Zwanzig Aufgaben mit dem gleichen Rechenfehler. |
Argumente gegen die Abschaffung von Hausaufgaben
| These | Begründung | Beispiel |
|---|---|---|
| Üben festigt Wissen | Regelmäßiges Wiederholen sorgt dafür, dass Stoff im Langzeitgedächtnis bleibt. | Vokabeln sitzen erst nach mehrmaligem Wiederholen an verschiedenen Tagen. |
| Selbstständigkeit | Man lernt, sich Aufgaben einzuteilen, Probleme allein zu lösen und dranzubleiben. | Ein Referat wird über zwei Wochen selbst geplant. |
| Vorbereitung auf später | In Ausbildung und Studium wird eigenständiges Lernen vorausgesetzt. | Im Studium gibt es kaum Unterricht, aber viel Selbststudium. |
| Rückmeldung für Lehrkräfte | Hausaufgaben zeigen, wer den Stoff verstanden hat und wo Hilfe nötig ist. | Viele haben die gleiche Aufgabe falsch – sie wird noch einmal erklärt. |
| Zu wenig Unterrichtszeit | Für intensives Üben reichen die Stunden oft nicht aus. | Lesen eines ganzen Romans passt nicht in den Unterricht. |
| Eltern sehen, was gelernt wird | Hausaufgaben geben Einblick in den Schulstoff. | Ein Vater merkt, dass sein Sohn Probleme mit Brüchen hat. |
Was sagt die Forschung?
Untersuchungen zeigen, dass Hausaufgaben in der Grundschule nur wenig zum Lernerfolg beitragen, in höheren Klassen dagegen etwas mehr. Entscheidend ist aber nicht die Zeit, die man am Schreibtisch verbringt: Wichtiger sind gut ausgewählte Aufgaben, regelmäßiges kurzes Üben und eine Rückmeldung der Lehrkraft. Lange, eintönige Aufgaben ohne Besprechung bringen wenig. Viele Ganztagsschulen ersetzen Hausaufgaben deshalb durch Lern- oder Übungszeiten in der Schule, in denen Lehrkräfte helfen können.
So gehst du vor
- Leitfrage notieren und festhalten: Pro = für die Abschaffung.
- Argumente aus Sicht von Schülern, Eltern und Lehrkräften sammeln.
- Drei starke Argumente je Seite auswählen und mit Beispielen ausbauen.
- Nach dem Prinzip These, Antithese, Synthese gliedern.
- Im Schluss eine Lösung vorschlagen, etwa Lernzeiten statt Hausaufgaben.
Mustererörterung: Sollten Hausaufgaben abgeschafft werden?
„Habt ihr heute viel auf?“ – Diese Frage stellen Eltern ihren Kindern fast jeden Tag. Hausaufgaben gehören für die meisten Schülerinnen und Schüler fest zum Alltag. Seit einigen Jahren verzichten jedoch manche Schulen ganz oder teilweise darauf. Ob Hausaufgaben abgeschafft werden sollten, soll im Folgenden erörtert werden.
Gegen eine Abschaffung spricht zunächst, dass Wissen durch Üben gefestigt wird. Wer neue Vokabeln oder Rechenwege nur im Unterricht kennenlernt, vergisst sie schnell wieder. Erst das Wiederholen an verschiedenen Tagen sorgt dafür, dass der Stoff wirklich im Gedächtnis bleibt.
Darüber hinaus lernen Schüler durch Hausaufgaben, selbstständig zu arbeiten. Sie müssen sich ihre Zeit einteilen, Probleme allein lösen und auch dann dranbleiben, wenn es schwierig wird. Diese Fähigkeiten brauchen sie später in Ausbildung und Studium, wo eigenständiges Lernen selbstverständlich ist.
Schließlich geben Hausaufgaben den Lehrkräften wichtige Hinweise. Wenn viele dieselbe Aufgabe falsch lösen, wissen sie, dass das Thema noch einmal erklärt werden muss.
Diese Argumente zeigen, warum Üben wichtig ist. Ob es aber zu Hause stattfinden muss, ist eine andere Frage.
Zunächst brauchen Kinder und Jugendliche Zeit zur Erholung. Wer bis zum Nachmittag Unterricht hat und danach noch eine Stunde Aufgaben erledigen muss, hat kaum Zeit für Sport, Freunde oder Hobbys. Gerade diese Aktivitäten sind aber für die Gesundheit und die persönliche Entwicklung wichtig.
Hinzu kommt, dass viele Hausaufgaben ihren Zweck nicht erfüllen. Sie werden abgeschrieben, im Internet nachgeschlagen oder von einer KI erledigt. Andere Schüler üben ohne Hilfe immer wieder denselben Fehler ein. In beiden Fällen ist kaum etwas gelernt.
Am schwersten wiegt jedoch die Frage der Gerechtigkeit. Manche Kinder haben Eltern, die ihnen helfen oder Nachhilfe bezahlen können. Andere sind ganz auf sich allein gestellt, weil ihre Eltern lange arbeiten, die Sprache nicht gut beherrschen oder den Stoff selbst nicht kennen. Hausaufgaben vergrößern so die Unterschiede, die die Schule eigentlich ausgleichen sollte.
Nach Abwägung der Argumente halte ich es für sinnvoll, klassische Hausaufgaben weitgehend durch Übungszeiten in der Schule zu ersetzen. So bleibt das wichtige Üben erhalten, aber alle Schüler haben dieselben Chancen, weil Lehrkräfte vor Ort helfen können. Freiwillige Zusatzaufgaben und das Vorbereiten auf Klassenarbeiten bleiben dabei weiterhin sinnvoll.
















