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Pro & contra Argumente für/gegen Abschaffung von Noten in der Schule

  • by Anatoli Bauer

Sind Schulnoten heute noch zeitgemäß oder müssen sie abgeschafft werden? Reicht vielleicht sogar eine Abänderung des Schulnotensystems aus, um die Probleme der Noten zu lösen? Viele Fragen, auf die pädagogische Wissenschaftler nach Antworten suchen. Noten seien gut, sind viele Lehrkräfte der Meinung, wie sollten Schüler:innen sonst bewertet werden für ihre Leistungen? Es gibt aber auch gute Gegenargumente.

Warum gibt es Schulnoten?

Schüler:innen bekommen in der Schule viele Aufgaben gestellt. Sie müssen zunächst den Unterrichtsstoff lernen und anschließend die Aufgaben erledigen. Mal handelt es sich um Problemstellungen, für die Lösungen gefunden werden müssen, ein anderes Mal um eine Werktätigkeit, immer abhängig vom Fach. Neben den Noten für die Mitarbeit im Unterricht, der Anfertigung aller Aufgaben und den Zwischenprüfungen (Klausur oder Klassenarbeit) gibt es auch Noten (Zensuren) für das Verhalten in der Schule. Das System ist vom Bildungsministerium eingeführt worden, es basiert auf einer Analyse mit pädagogischen Wissenschaftlern, doch es handelt sich um ein veraltetes System, weshalb immer mehr pädagogische Fachkräfte (dazu gehören auch Lehrkräfte), Eltern und Schüler:innen die Abschaffung oder Überarbeitung des Notensystems fordern.

Vorteile von Schulnoten

Jede Note in Deutschland hat eine Bedeutung:

1 bedeutet sehr gut

Die Leistung des Schülers oder der Schülerin war sehr gut, sie hätte nicht besser sein können.

2 bedeutet gut

Die Leistung des Schülers oder der Schülerin war insgesamt gut, es gibt aber noch wenige Bereiche, in denen sich der oder die Schüler:in verbessern kann.

3 bedeutet befriedigend (zufriedenstellend)

Die Leistung des Schülers oder der Schülerin ist insgesamt zufriedenstellend (mittelmäßig), es besteht in beträchtlichen didaktischen Bereichen Nachholbedarf.

4 bedeutet ausreichend

Die Leistung des Schülers oder der Schülerin reicht insgesamt aus, es bestehen aber didaktische Mängel.

5 bedeutet mangelhaft

Die Leistung des Schülers oder der Schülerin reichen nicht aus und gefährden mit diesem Leistungsstand die Versetzung oder Zulassung zur Prüfung.

6 bedeutet ungenügend

Die Leistungen des Schülers oder der Schülerin weisen gravierende Mängel auf oder es bestand zu keinem Zeitpunkt eine Teilnahme am Unterricht. (6/ungenügend ist die schlechteste Note im deutschen Notensystem.

Anhand des Notensystems können Schüler:innen ihren Leistungsstand grob einschätzen. Eine sehr gute Note sagt eben aus, dass alle Anforderungen erfüllt werden, allerdings nichts über den aktuellen Wissensstand. Denn Tatsache ist, dass nicht alle Bereiche, die im Lehrplan enthalten sind, tatsächlich im Schuljahr durchgenommen werden.

Dazu ein Vergleich zweier Schülerinnen, die beide ein Gymnasium (Lyzeum) besuchen und beide in Mathe mit sehr gut von ihren jeweiligen Lehrern bewertet wurden. Die eine Schülerin auf der Schule A hat das gesamte Programm intensiv, welches für das Schuljahr vorgesehen war, gelehrt bekommen. Die Schülerin der Schule B bekam während des Jahres nur etwa 75 Prozent des vorgesehenen Unterrichtsstoffs gelehrt, weil der Lehrer mehrmals im Jahr ausfiel und die Ersatzlehrkraft den Unterricht nicht nach Lehrplan fortgeführt hat.

Positiv daran ist, dass beide Schülerinnen von sich behaupten können, sehr gut in Mathe zu sein. Noten geben nur in Verbindung mit den jeweiligen Arbeiten ein genaues Bild. Die Frage, die sich viele dabei stellen, sollen Schüler:innen wirklich alle Arbeiten, die sie im Laufe der Schulzeit anfertigen, aufbewahren, um die vergebenen Noten real einschätzen zu können?

Noten verraten nichts über den wahren didaktischen Stand

Fakt ist, dass Noten nur eine grobe Einschätzung zulassen und nicht im Detail aufzeigen, wo Wissenslücken bestehen. Noten sind überflüssig, wenn keine Beurteilung im Detail zugelassen wird. Dafür müssten die Klassen in Deutschland an den Schulen verkleinert werden, denn Lehrkräfte sind oft überfordert, bei so vielen Schülern jeden einzelnen im Detail zu bewerten.

Noten sind auch ein Instrument, um Schüler:innen zu bestrafen. Wie oft äußern Pädagogen (Lehrkräfte), wenn die Schüler:innen nicht ihre Pflicht erfüllen (“Wenn du nicht SOFORT im Unterricht gescheit mitarbeitest, dann bekommst du eine FÜNF!”) sanktioniert werden?

Wenn Lehrkräfte das als richtiges pädagogisches Stilmittel empfinden, haben sie eindeutig ihren Beruf verfehlt. Aber Schüler:innen sollten sich an dieser Stelle selbst weitere Gedanken über Pro und Contra der Schulnoten machen und welche Änderungen für eine gerechte Bewertung des Leistungsstands herbeizuführen sind.

Eins sollten Noten nicht: als Sanktionsmittel (Strafmittel) missbraucht werden. Schüler:innen herabzuwürdigen, dass diese aus welchen Gründen auch immer aktuell nicht in der Lage sind, die Anforderungen zu erfüllen, bedürfen einer pädagogischen und didaktischen Förderung.

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